Traurig sitzt Britta Meloth in ihrem geschlossenen Büro. Aber wie lange noch, fragt sich die Inhaberin des TUI ReiseCenter in Oppenheim mit ihren zwei Angestellten . Die 55-jährige Unternehmerin ist in „tiefer Sorge um die Zukunft“. Es geht nicht nur um ihre Existenz, sondern auch um die der vielen anderen rund 10.000 Büros in Deutschland, die verschiedenen Ketten und Organisationen angehören.

Seit Mitte März, seit die Bundesregierung eine Reisewarnung aussprach und die Schließung des Reisebüros angeordnet wurde, sind die beiden Mitarbeiterinnen Asja Traumüller und Miriam Ruppert in Kurzarbeit. Die Veranstalter stornieren nach und nach alle Reisen, aktuell bis zur Abreise am 14.06.2020.  Frau Meloth arbeitet im Homeoffice diese Stornierungen ab,  versendet Stornobestätigungen, führt Umbuchungen durch und telefoniert mit besorgten Kunden. Und das täglich von früh morgens bis abends. Das Telefon ist auf das private Handy umgeleitet, um jederzeit erreichbar zu sein, denn kein Kunde wird mit seinen Sorgen alleine gelassen.

Britta Meloth blickt zurück: „Das Neu-Geschäft war im Februar noch sehr gut. Als sich die Lage mit Corona zuspitzte wurden die Kunden verhaltener“. Bis zum 15. März sei das TUI ReiseCenter Oppenheim ein erfolgreiches Büro gewesen, das Jahr lief mit einem hohen Umsatzplus. 7 ½ Jahre nach der Eröffnung freute man sich über treue Stammkunden, viele Weiterempfehlung und daraus resultierenden Neukunden. Nun ist nichts mehr wie es war….

„In der ersten Woche nach Schließung habe ich sehr viel geweint, so fassungslos war ich über die Entwicklung in der Touristik und über die Schließung meines geliebten Büros“ gibt Britta Meloth unumwunden zu. „Danach war ich kurz wütend auf alles und dann wurde mein Kampfgeist geweckt“. Sie werde nicht aufgeben und alles dafür tun, dass Frau Traumüller, Frau Ruppert und sie auch weiterhin für Ihre Kunden die schönste Zeit des Lebens buchen dürfen – ihren Traumurlaub.

Denn die Kunden sind es, die in dieser Zeit so viel Kraft geben. So viele Mails mit „halten Sie durch, wir brauchen Sie und Ihr Team“, so viele Mut machende Worte am Telefon, sogar eine TUI-Torte als Seelentröster von einer Freundin gebacken stand vor Frau Meloths Haustür. Das alles zeigt, welch guten Job die Reisefeen aus Oppenheim bislang erledigt haben, und daran wollen die drei Damen festhalten um jeden Preis.

Die Folge der Reisestornos sind allerdings gravierend. Frau Meloth weist auf den Agenturvertrag hin wonach sie verpflichtet sei, bereits erhaltene Provisionsvorauszahlungen zurückzuzahlen. Provisionen, die von den meisten Veranstaltern erst nach Abreise der Kunden gezahlt werden, erhält Sie erst gar nicht.

„Meine Angestellten und ich haben also für nichts gearbeitet“, so Frau Meloth. „Erlöse werden rückwirkend vernichtet.“ Provisionen sind die Haupteinnahmequelle – abgesehen von Servicegebühren, die entstehen, wenn Flugreisen verkauft werden. Das Reisejahr werde zum 31. Oktober abgerechnet. Bis dahin dürfe Frau Meloth die Provisionszahlungen noch behalten, damit sie liquide bleibt. Aber was kommt dann? Die letzten Wochen arbeitete sie jetzt quasi „ehrenamtlich“,  denn das Abarbeiten der Stornos, Umbuchungen auf einen späteren Termin, die vielen Telefonate, all das zahlt ihr kein Veranstalter.

Britta Meloth will weiterkämpfen, zur Zeit sei sie aber überwiegend mit Liquiditätsplänen beschäftigt. Die TUI als ihr Franchisepartner hat einige Zahlungen gestundet, ihr verständnisvoller Vermieter die Miete vorerst halbiert, dazu wurden alle laufenden Kosten so gut es geht herunter gefahren. Dazu gibt es natürlich Rücklagen, auf die die Reiseberaterin zurück greifen kann. „Aber das holt uns irgendwann ein. Wir benötigen eine Perspektive, für die Kunden, für die Branche“, meint Meloth.

Denn einen Sommerurlaub wie man ihn kennt, zum Beispiel mit vollen Stränden, wird es in diesem Jahr in keinem Land der Welt geben. Der Bundesaußenminister Heiko Maas sieht derzeit keine Veranlassung, die ausgesprochene Reisewarnung zu lockern und Urlaub im Ausland zu ermöglichen. Der Flugverkehr liegt am Boden, gefühlt steht die Reisewelt komplett still.

Frau Meloth und ihr Team unterstützen die gemeinsamen Forderungen von gleich zwölf Reisebüro-Organisationen, die sich an die Bundesregierung gewendet haben. „So etwas gab es noch nie, die Organisationen stehen ja normalerweise in einem Konkurrenzverhältnis.“ Frau Meloth spricht sich für einen höheren Vergütungssatz beim Kurzarbeitergeld – 80 statt 60 Prozent – aus. Innerhalb der Reisebranche benötigen die stationären Büros „ein eigenes Rettungsmodell“.

Ab Juni wollen Britta Meloth, Asja Traumüller und Miriam Ruppert nach vorheriger terminlicher Absprache auch wieder Kunden im Büro beraten und mit stark verkürzten Öffnungszeiten das Büro öffnen. Um langsam einen Weg in die „Normalität“ zu finden, wie immer die in diesen Zeiten aussehen wird.

TUI ReiseCenter
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