Ein Jeder steht am Morgen (mehr oder weniger gerne) auf, um zu seinem Arbeitsplatz zu gehen. Wohl dem, der dann seinen Traumberuf gefunden hat – so wie ich. Ich arbeite nicht mit Holz oder Metall, ich arbeite mit Menschen. Und ich liebe sie, die alten Herrschaften in dem Seniorenzentrum, in dem ich beschäftigt bin. Es macht mir Freude, anderen eine Freude zu bereiten. Nicht ein Bewohner, der mich nicht zum Schmunzeln bringt, wenn wir singen, basteln, Spiele spielen, turnen oder einfach nur von Früher erzählen.

Wir singen nicht schön, dafür laut, sind kreativ, können auch mal verlieren und wenn ICH statt der Bewohner Muskelkater habe, herrscht die pure Schadenfreude. Natürlich gibt es auch weniger lustige Momente. Wenn die Zeit nicht reicht, wenn der Rücken schmerzt, wenn man einen liebgewonnenen Menschen loslassen muss. Und jetzt, in Zeiten von Corona, ist es besonders schwer.

Das Besuchsverbot macht nicht nur den Senioren schwer zu schaffen. Sie fühlen sich mehr und mehr eingesperrt, vermissen ihre Angehörigen und Freunde, die doch regelmäßig zu Besuch kamen. Und auch viele Angehörige möchten sich gerne persönlich davon überzeugen, dass es ihren Liebsten gut geht. So liegt es an uns, der „Sozialen Betreuung“, diese Menschen aufzufangen.

Da fließen schon mal Tränen, wenn die Tochter unten auf der Straße steht und den Vater nur oben auf dem Balkon sehen darf. Oder wenn ein Video-Chat den einzigen Sichtkontakt darstellt. Keine Umarmung, kein zärtliches Streicheln über die Wange. Aber viele gute Wünsche und Durchhalteparolen. Die meisten der Senioren haben Verständnis für diese Maßnahmen, das macht wohl die Lebenserfahrung. Und davon haben hier alle reichlich. „Wir haben schon viel Schlimmeres überstanden“ hört man oft, wobei nicht immer NUR der Krieg gemeint ist.

Um eine Ansteckung mit dem Virus möglichst zu vermeiden, dürfen seit Anfang März nur noch die Mitarbeiter des Seniorenzentrums das Haus betreten. Das heißt aber auch, dass nicht mal ein Frisör ins Haus kommen darf, was dem Wohlbefinden der Bewohner nicht wirklich zuträglich ist. Da wird der Ruf nach einem „Rasenmäher“ laut und sorgt soschon wieder für Gelächter.

Ja, ich liebe diesen Beruf, gerade jetzt ist er mehr Berufung denn je. Man sagt, die Liebe lässt Menschen in schweren Zeit zusammenrücken und über sich hinauswachsen. Wir Pfleger und Betreuer tun von Herzen unser Bestes.

Machen SIE einfach mit !

 

Der Text wurde geschrieben von einer angehenden Betreuungskraft im Seniorenheim, die anonym bleiben möchte