OPPENHEIM – Fast alle Freizeitaktivitäten sind derzeit coronabedingt verboten oder mit starken Einschränkungen verbunden: Kino, Schwimmbad, Zoo, Museum… immer droht unterschwellig die Gefahr der Ansteckung. Was also unternehmen an einem wunderbar frühlingshaften Sonntag, an dem sowohl den Eltern als auch den Kindern zuhause die Decke auf den Kopf fällt?

Da bleibt nur die Rückbesinnung auf ein Hobby, das unter Jüngeren als langweiliges „Rentnerhobby“ verpönt ist: Das gute alte Wandern. Es kostet keinen Eintritt, man braucht kaum Ausstattung – ein bequemes Paar Wanderschuhe und ein Rucksack für den Proviant sind  empfehlenswert – und man muss nicht mal weit fahren. Zumindest wenn man in der Umgebung von Mainz  und damit im schönen Rheinhessen wohnt.

Dank der sehr ansprechend gestalteten Bücherreihe „Wanderungen für die Seele – Wohlfühlwege Rheinhessen“, erschienen 2020 im Droste Verlag, eröffnet sich eine Vielzahl an Möglichkeiten zur Gestaltung der zukünftigen Wochenenden:  Lieber die „Auszeittour – Wilde Tulpen“ auf den Petersberg bei Gau-Odernheim? Oder die „Entschleunigungstour – Zurück zur Natur“ auf den Hügel der Freundschaft im Ober-Olmer Wald?  Nach einer kurzen Diskussion im Familienkreis („Ich latsche auf keinen Fall länger als drei Stunden sinnlos durch die Gegend!“) entscheiden meine beiden Kinder, elf und neun Jahre alt, und ich uns für die „Panoramatour – Reben und Kirche“ über und durch Oppenheim.

Auf dem knapp sieben Kilometer langen Rundweg, der am Friedhofsparkplatz startet, gibt es einiges zu sehen: Unter anderem den sehr kinderfreundlich gestalteten Krötenbrunnen, an dem man sich ein wenig erfrischen kann. Inmitten von saftig-grünen Weinreben, oberhalb der Rheinterrassen, hat man einen wunderschönen Blick auf das pittoreske Oppenheim mit seiner sehr beeindruckenden Katharinenkirche, weit dahinter schimmert die Skyline von Frankfurt im Dunst und etwas weiter rechts kann man den Odenwald erkennen. Nach einem kleinen Abstecher zum Trutzturm, von dem aus man das ebenfalls sehr hübsche Panorama des Schwabsburger Schlossturms, Niersteiner Wartturms und des in der Ferne liegende Taunus bewundern kann, geht es weiter zur Ruine der Burg Landskron, die im 13. Jahrhundert erbaut wurde. Aktuell darf sie nicht betreten werden, aber sie lässt sich auch von außen sehr gut betrachten.

Dafür gibt es an unserer nächsten Sightseeing-Station eine positive Überraschung: Die Besichtigung der Katharinenkirche ist wieder erlaubt! Drinnen verstummen die Kinder vor Ehrfurcht: So alt, so groß, so schön! Vor allem die riesigen Fenster mit dem  kunstvoll gestalteten Buntglas haben es ihnen angetan. Berühmt ist die Katharinenkirche für die „Oppenheimer Rose“, deren Glasscheiben aus dem 14. Jahrhundert weitgehend original erhalten sind.

Auf dem Marktplatz erhalten die Kinder, die sowohl die dreistündige Wanderung als auch die Lehrvorträge der enthusiastischen Mutter brav über sich haben ergehen lassen, zur Belohnung ein leckeres Eis auf die Hand. Das gibt Kraft für die letzten Meter durch die Oppenheimer Altstadt, zurück zum Friedhofsparkplatz und damit zum Ende des sehr kurzweiligen Rundgangs über und durch Oppenheim. Alles in allem ein sehr schöner Ausflug mit der perfekten Mischung aus Natur, Erholung und Kultur!

 

Eine ausführliche Beschreibung der „Panoramatour – Reben und Kirche“ finden Sie in der Bücherreihe „Wanderungen für die Seele“.

Die Ausgabe „Wohlfühlwege Rheinhessen“ ist 2020 im Droste Verlag erschienen, geschrieben von Rheinhessen-Fan Frank Hamm (Autor, Kommunikationsberater und Blogger).

 

Text und Fotos von Natacha Olbrich