LAUBENHEIM – Auch Laubenheims evangelische Gemeinde ist von Einschränkungen wegen der Corona-Krise betroffen. Das für den 21. Juni vorgesehene alljährliche Treffen am „Kirchlein“ in der Oppenheimer Straße musste abgesagt werden. Besonders traurig darüber sind die Vorstandsmitglieder des „Vereins zur Erhaltung der Evangelischen Kirche in Mainz-Laubenheim“.

Die Vorsitzenden Friedhelm Kärcher und Ottfried Heinrich, Schriftführerin Katrin Hönig und Kassenwart Hansjörg Thomas hatten geplant, an diesem Tag in einer kleinen „Nebenfeier“ das 35-jährige Bestehen ihres rührigen Vereins zu begehen.

Einladung zur Gründungsversammlung

1985 trafen sich 18 interessierte Gemeindemitglieder, die es (O-Ton) „nicht mehr mit ansehen konnten, wie geschichtsträchtiges Gut im Ort verkommt.“ So hoben sie den Verein aus der Taufe, mit dem ehrgeizigen Ziel, dieses Kleinod vor dem Zerfall zu retten. Nach der Errichtung des Gemeindezentrums im Riedweg 1980 gab es Befürchtungen, dass aufgrund begrenzter Kirchensteuer-Einnahmen zwei protestantische Kircheneinrichtungen nicht mehr unterhalten werden konnten. Es wurde darüber diskutiert, das schon arg gebeutelte kleine Gotteshaus aufzugeben. Der Zustand war marode und hinter einer mit Bäumen und Sträuchern versteckten Wildnis kaum als Kirche zu erkennen. Um dies zu ändern, wollte man sich zunächst um die Bausubstanz des vor 125 Jahren erbauten Gotteshauses kümmern. Steht man heute davor, wird sofort klar, welche immense Arbeit die 18 Idealisten geleistet haben.

In den vergangenen Jahren galt es nun, immer wieder dringend notwendige Aus- und Verbesserungen vorzunehmen. Schon 1985 wies der Außenputz gewaltige Schäden auf, die zunächst beseitigt wurden. Der triste, ungepflegte Kirchenvorplatz und der Hinterhof wurden gerodet und dort die verschimmelte Wandverkleidung ausgetauscht. Ein weiterer kleiner Auszug der getätigten Arbeiten: 1989 wird die alte Stahlglocke, die jetzt in der Kirche hängt, durch eine spendenfinanzierte neue Bronzeglocke ersetzt. 1992: Große Begeisterung im Verein: Das Gebäude wird unter Denkmalschutz gestellt. In der städtischen Laudatio heißt es hierzu: „In seiner Schlichtheit und der geringen Größe bezeugt das Bauwerk die Diasporasituation evangelischer Christen im Umland von Mainz im 19. Jahrhundert.“  Eine tolle Anerkennung für ehrenamtliche, unermüdliche Anstrengungen. 1998: Neue Eisenträger werden zur Verstärkung des Mittelbalkens eingefügt. 2012: Die kleine Begrenzungsmauer zur Straße wird mit einem Fundament versehen und der bearbeitete und farbveredelte Gitterzaun wieder montiert.  Im gleichen Jahr wurde dem Holzwurm zu Leibe gerückt, der schon seit Jahrzehnten im Gebälk hauste.

Die Liste der ehrenamtlichen Einsätze ist noch um Vieles größer. Immer dabei waren die Helfer intensiv und engagiert mit von der Partie. Im Rahmen der am 4. Oktober geplanten Feier zum 125-jährige Bestehen des Gotteshauses sollen nun 9 der aktiven Gründungsmitglieder (9 von 18) besonders geehrt werden. Friedhelm Kärcher bemerkt abschließend: „Leider spielt unser Kirchlein beim Dekanat und der EKHN keine große Rolle. Man fühlt sich ziemlich hilflos, will aber weiter das Ziel verfolgen, das Kleinod weiter zu pflegen und das Gotteshaus als lebendiges Stück Laubenheimer Geschichte unseren Nachkommen zu erhalten.“

Klaus Schmitt