NIERSTEIN – Betritt man das Atelier von Eckhard Meier-Wölfle in der Niersteiner Ringstraße zum ersten Mal, dann bleibt man fasziniert in der Eingangstür stehen. In geordneter Atmosphäre wird man überwältigt vom Anblick lichtdurchfluteter Malerei. „In meinen Kunstwerken findet sich immer wieder die Inszenierung des Phänomens Licht“, erläutert Meier-Wölfle und ergänzt, dass sein schöpferisches Tun immer mehr von den humanistischen Ideen der Weltreligionen beeinflusst wird. Im anschließenden Gespräch wird allerdings sehr schnell klar, dass durch seine „Licht-Welt“ während die Corona-Pandemie dunkele Wolken ziehen.

„Unser Alltag und die damit verbundenen Einnahmequellen ruhen auf drei Säulen: der freien Malerei und dem Verkauf von Kunstobjekten, dem soziokulturellen Aspekt von Kunst und auf Projekten“, beschreibt er den Broterwerb soloselbständiger professioneller Künstler. Diese drei Einnahmequellen sind Corona-bedingt fast komplett weggebrochen.

Malerei – Ausstellung – Verkauf

Aufgrund des Lockdowns mussten Galerien schließen. Ausstellungen wurden abgebrochen oder um ein ganzes Jahr verschoben. In der Folge fielen Ausstellungshonorare und Ankäufe durch öffentliche Einrichtungen und Privatkunden genauso weg wie die Tantiemen der Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst. Auch die wichtigsten Orte zu Kundengewinnung sind damit ersatzlos gestrichen.

Soziokulturelle Arbeitsfelder

„Ein wesentliches Anliegen bei meiner künstlerischen Tätigkeit ist das Unterrichten von Kunst“, konstatiert der gebürtige Braunschweiger mit leuchtenden Augen. Hierbei handelt es sich u. a. um Workshops und Kunst(pädagogische)projekte in Altenheimen, Behinderteneinrichtungen, private Anfragen von Kunstinteressierten, Kitas und Schulen, die von öffentlichen und privaten Finanzquellen getragen werden. „Ich bin ein besonderer Fan von ‚Jedem Kind seine Kunst‘, einer Initiative des MWWK in Rheinland-Pfalz.“ Aber aufgrund des Lockdowns sind all diese Initiativen im günstigsten Fall um ein halbes Jahr verschoben. Das kommt einem finanziellen Totalausfall gleich. „Vor allem für KollegInnen, die Anfänger sind, ist dies sehr schmerzlich, die auf diese Einnahmen dringend angewiesen sind. Und: die Freude, mit Menschen unterschiedlichen Alters arbeiten zu können, fällt weg“, resümiert der Künstler.

Projekte

„Öffentliche Arbeitgeber und private Auftraggeber müssen in dieser Krisenzeit andere Prioritäten setzen. Die Kunst kommt dann verständlicherweise ganz zum Schluss“, beschreibt Meier-Wölfle die aktuelle Situation. Davon sind Projekte wie „Kunst am Bau“, kirchliche Aufträge, das Gestalten von Schulfassaden oder von Ärztehäusern und dergleichen betroffen. Deren finanzielle Lage schlägt sich unmittelbar in den Kassen der KünstlerInnen nieder.

Und die von der Politik zugesagten Soforthilfen?

„Bei soloselbständigen professionellen Künstlern fällt das kaum ins Gewicht“, stellt Meier-Wölfle für sich fest. Man bekomme die Atelier-Betriebskosten für einen kurzen Zeitraum erstattet. „Aber unsere hauptsächlichen Betriebskosten entstehen beim Kauf von Materialien. Das ist der größte Posten, um kreativ tätig zu sein.“ So kostet z. B 1 m2 Leinwand auf Keilrahmen und in Profiqualität ca. 40 Euro, eine Tube Farbe ca. 20 Euro und ein Pinsel ca. 30 Euro.

Dazu kann man natürlich einen von administrativer Seite angebotenen Kredit aufnehmen. Aber wovon zurückzahlen bei null Einkünften? „Die Krise wird uns noch lange beschäftigen und auch die Kulturszene wird sich nicht so schnell davon erholen.

Neu: die Förderinitiative Rheinland-Pfalz

Ein Lichtblick zieht allerdings im Atelier auf mit dem Programm „Im Fokus – 6 Punkte für die Kultur“. Mit diesem Programm stellen die „Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur und der Kultursommer Rheinland-Pfalz“ allen KSK-versicherten Kulturschaffenden schnell und unbürokratisch Fördermaßnahmen in Aussicht. So z. B. das „Projektstipendium direkt“. „Rheinland-Pfalz hat sich in der Krise sehr langsam bewegt, ist aber am Ende mit der Vergabe der Projektstipendien zu einem sehr positiven Ergebnis gekommen“, schließt Eckhard Meier-Wölfle unser Gespräch ab, der sich über die bereits erhaltene Zusage eines Stipendiums freut.

Informationen und Antragsformulare findet man unter www.fokuskultur-rlp.de.

Ulrich Nilles