Der Betrachter des Bodenheimer Wappens mag sich zunächst wundern. Aufgrund der Nähe und der historisch weit zurückreichenden Verbindung zur Landeshauptstadt hätte er eher das weiße Rad auf rotem Grund erwartet. Stattdessen aber sieht er: … einen Esel. Aber der Reihe nach.

Foto: Ulrich Nilles

Erstmals 754 wird das Dorf urkundlich erwähnt, schon damals im Zusammenhang mit einer Weinbergschenkung. Im weiteren Verlauf des 8. Jahrhunderts konnte sich das Kloster St. Alban gegenüber weiteren Grundbesitzern aus Mainz durchsetzen und erlangte als Ortsherr die örtliche Gerichtsbarkeit. Im 11. Jahrhundert wurde die Beziehung zu Mainz im wörtlichen Sinne untermauert: in der Mainzer Mauerordnung verpflichteten sich die Bodenheimer Bürger zur Mithilfe bei

Erinnerung an die Hexenprozesse – Foto: Ulrich Nilles

Instandsetzungsarbeiten der Befestigungsanlagen. Zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert machte das Bodenheim von sich reden, weil seine Bürger mit den Ortsherren um wichtige Rechte rangen, die, festgehalten im Weißbuch, als „Bodenheimer Freiheit“ bekannt wurden. Traurige Berühmtheit hingegen erlangte Bodenheim während des Dreißigjährigen Krieges durch seine Hexenprozesse. Mindestens 27 Menschen verloren auf grausame Weise ihr Leben.

Bekannt und Sehenswert

Im Zuge der Hexenprozesse ging die Bodenheimer Witwe Merg Scholl († 1613) als erstes Opfer in die Geschichte des Orts ein. Auch Joseph Zuckmayer, der Onkel des Schriftstellers Carl, wurde in Bodenheim geboren. Anfang des 20. Jahrhunderts saß er als Zentrumsabgeordneter im hessischen Landtag. Zumindest dem Ortsnamen nach gibt es zum Schriftsteller Lion Feuchtwanger eine Beziehung. Feuchtwangers Mutter war eine geborene Bodenheim. Seit dem 16. Jahrhundert ist eine jüdische Familie Bodenheim bekannt, die wohl, wie damals nicht unüblich, den Ortsnamen zum Familiennamen machte.

Der Molsberger Hof, ein Wahrzeichen des Orts – Foto: Ulrich Nilles

Aus der Vielzahl von hervorragend restaurierten Gebäuden des 15.- 18. Jahrhunderts werden hier nur wenige erwähnt. Zunächst das historische Rathaus, 1608 erbaut durch das Ritterstift Sankt Alban. Damals Gerichtsgebäude fanden dort die Hexenprozesse statt. Aus der Mitte des 12. Jahrhunderts stammen die Ursprünge der heutigen Pfarrkirche St. Alban sowie der heutigen Kapelle „Maria Oberndorf“. Je eine von ihnen war den beiden Fronhöfen des Klosters/Ritterstifts St. Alban Mainz zugeordnet.

Interessierte erhalten Informationsmaterial zu Bodenheim in der Tourist-Info/Verkehrsverein, Obergasse 22. Sehr empfehlenswert sind darüber hinaus die beiden Nachwächterführungen mit Hannes VI., zu finden auf der Homepage der Gemeinde unter www.bodenheim.de.

Bodenheim heute

Foto: Ulrich Nilles

Als Grundzentrum mit infrastrukturell guter Anbindung an das Rhein-Main-Gebiet hat Bodenheim seine Einwohnerzahl in den vergangenen 50 Jahren auf 8.000 Bürgerinnen und Bürger annähernd verdoppelt. Mit sechs Kindertagesstätten und einer Grundschule, aber auch einer ausgebauten Seniorenbetreuung verfügt es über Basiseinrichtungen für Alt und Jung. Das Verzeichnis der Bodenheimer Gewerbebetriebe sowie der mannigfaltigen Einkaufsmöglichkeiten reicht buchstäblich von A – Z und umfasst weit über 100 Einträge. Diese stehen den Einwohnern zur Daseinsfürsorge im alten Ortskern wie auch im stetig erweiterten Gewerbegebiet zur Verfügung. Dort befindet sich auch das weithin sichtbare, 2011 eröffnete Gesundheitszentrum Vitanum, das überregional gefragt noch erweitert werden soll. Weitere innovative Gewerbebetriebe von überregionaler Bedeutung sind der Spezialchip-Hersteller iC GmbH und die Firma GEA Hilge Pumpen.

Rund um den Wein

Das Aushängeschild von Bodenheim ist und bleibt allerdings der Wein. Bereits von den Römern in die Region gebracht ist er sowohl im alten Ortsteil wie in den umgebenden Weinbergen mit einem Dutzend Weinlagen präsent. Davon zeugen ca. 40 Weingüter mit ihren reichlichen Weinofferten sowie zahlreiche Straußwirtschaften und Hoffesten.

Feste – Veranstaltungen – Vereine

Rheinhessische Lebensart spiegeln auch die zahlreichen kirchliche und weltlichen Feste der Gemeinde wider, die hoffentlich im kommenden Jahr wieder stattfinden können:

  • Das Bodenheimer Rathaus im Kerbegewand – Foto: Thomas Becker-Theilig

    Das weithin bekannte St. Albansfest am ersten Wochenende im Juni

  • Die Wallfahrt zur Kapelle Maria-Oberndorf am 2. Juli
  • Das Kirchweihfest (Kerb) am dritten Wochenende im September mit Prämierung der TOP DREI-Weine
  • Die Weinprobe am Weinlehrpfad am Samstag des vierten September-Wochenendes (Nachkerb)
  • Der Zwibbelkuche-Wandertag im Oktober
  • Der Nikolausmarkt im alten Ortskern am 1. Adventswochenende
  • Der Fastnachtsumzug am Fastnachtssamstag
  • Die Bodenheimer Schießtage am letzten Aprilwochenende

Dazu verfügt der Ort über eine Reihe von Locations, die zum Feiern einladen und Veranstaltungen jeder Art und Größe ermöglichen. Da ist zuerst der Dollespark mit seinem malerischen Ambiente zu nennen, in dem u. a. das Open-Air-Fest „Kultur im Park“ stattfindet. Das danebengelegene Bürgerhaus Dolles ist mit vier verschieden gestalteten Veranstaltungsräumen ausgestattet. Und wenn das nicht reicht, etwa für die Kampagne, steht noch die Mehrzweckhalle Am Guckenberg zur Verfügung.

Das Bürgerhaus Dolles, in der Region bekannt – Foto: Ulrich Nilles

Apropos Vereine: über 60 Stück werden auf der Homepage von Bodenheim aufgezählt, seien es Fastnachts- und Fördervereine, Kultur-, Musik- oder Sportvereine, politische Parteien oder kirchliche Angebote und viele andere mehr. Jede Alters- und Interessensgruppe wird angesprochen. Wegen ihrer Besonderheit seien hier die „Kulturfrauen der Verbandsgemeinde“ genannt.

Freizeit-Aktivitäten – auch in Zeiten von Corona

Wandern im herbstlichen Morgennebel – Foto: Ulrich Nilles

Auch während der Corona-Krise muss man nicht untätig zuhause sitzen. Ort und Natur laden zu einer Reihe von Outdoor-Aktivitäten ein:

  • Kleiner historischer Rundgang durch Bodenheim (1,6 km)
  • Großer historischer Rundgang (4,3 km)
  • Weinlehrpfad für Naturfreunde (2,7 km)
  • Rhein-Radweg als Abschnitt 15 der EuroVelo-Route
  • Rad-Rundweg „Amiche“ durch die Weinberge und am Rhein entlang
  • Rheinterrassenroute von Mainz nach Worms

Und wenn es dann doch mal regnet, lohnt ein Besuch des Deutschen Pumpenmuseums der Stiftung Berdelle-Hilge und/oder des Heimatmuseums.

Zum Schluss

Bleibt noch die Frage des Wappentiers offen. Der Sage nach antwortete der Kaiser dem Probst von St. Alban auf die Frage nach dem Münzrecht: „Münzen will Er prägen? Einen alten Esel soll Er münzen!“ Und so wurde der Esel im Bodenheimer Wappen verewigt.

Ulrich Nilles