BODENHEIM – Als sich die Dunkelheit am 22. Juni 2020 über Bodenheim ausbreitete, erglühte das gemeinsame Feuerwehrhaus der Freiwilligen Feuerwehr Bodenheim-Nackenheim in Rot. Man hatte den Eindruck, dass die ‚Hütte‘ brennt. Aber nicht das Gebäude brannte, sondern die Situation der Veranstaltungswirtschaft ist in einer äußerst prekären Situation. Mit diesem Spektakel schlossen sich drei lokale Unternehmen der bundesweiten Aktion „Night of the light“ an. Dabei handelt es sich um die Firmen „Rheinhessensound“ aus Bodenheim, „Naumedia“ aus Nackenheim und „Full House Eventtechnik“ aus Nierstein. Die Mitarbeitenden der drei Firmen hatten am späten Abend des 22. Juni etliche rote Strahler zur Beleuchtung des Feuerwehrhauses aufgebaut. Hinzu kamen zum ausgelassenen Tanzen leise eingespielte Musik und eine Lichterschau an der Seitenwand des Gebäudes.

Rot, die Farbe der Liebe?

Ja, die Farbe der Leidenschaft, mit der die Veranstaltungswirtschaft für ihre Profession brennt. Rot aber auch die Farbe der höchsten Alarmstufe, der roten Liste, auf der diese Unternehmen stehen und des flammenden Appells an Öffentlichkeit und Politik, etwas zu unternehmen. Denn dieser Geschäftszweig steht buchstäblich mit dem Rücken zur Wand.

An dieser Aktion beteiligten sich über 250 Orte in der Bundesrepublik, große Städte, aber auch kleinere Gemeinden wie im Falle von Bodenheim und dem benachbarten Nackenheim. Damit wollte die Branche auf die wirtschaftliche Schieflage der Veranstaltungswirtschaft hinweisen. Initiator der Aktion „Night of Light“ war der Vorstand der LK-AG Essen Tom Koperek. In einem Statement stellte er unmissverständlich klar, dass dieser Wirtschaftszweig die nächsten 100 Tage nicht überstehen werde, da die Corona-bedingten Einschränkungen Großveranstaltungen im Land praktisch unmöglich machten. Bis zum 31. August 2020 rechnet man in der Branche mit Umsatzeinbußen von mindestens 80 %.

Foto: Jana Thart

Und der Erfolg?

Außer dem Feuerwehrgebäude wurde auch die „Burgeria“ Am Mühlbach im Erweiterungsgelände des Bodenheimer Gewerbegebiets angestrahlt. Dort duftete es einladend nach Gegrilltem. Aber leider war außer den Veranstaltenden und der Presse, zusammen nicht viel mehr als fünf Personen, niemand vor Ort. Bodenheim lag an diesem Montagabend in tiefer Nachtruhe. Gab es zu wenig Werbung oder war der Termin einfach unglücklich gewählt?

Hoffen wir trotzdem, dass die bundesweite Aktion Wirkung zeigt – und wünschen wir den Unternehmern und Beschäftigten der Branche ein möglichst bald wieder lebendiges Arbeitsumfeld und Erfolg!

Ulrich Nilles