NACKENHEIM – Wer kennt es nicht, das liebevoll von den Nackenheimern „Muxum“ genannte Ortsmuseum. Etwas anders dürfte es bei „LINEA“ sein, einer in Nieder-Olm ansässigen Ateliergemeinschaft von vier selbständigen Künstlerinnen. Mit Fug und Recht kann man sagen, dass beide mit der Ausstellung „Streifzüge“ – durch die Natur – eine gelungene Synthese eingegangen sind.

Hinter dem Namen „LINEA“ verbirgt sich Dreierlei, verrät Atelierhausbesitzerin Beate F. Mertel, nämlich Linie, der schwedische Naturforscher Carl von Linée und die botanische Bezeichnung des Moosglöckchens „linnea borealis“. Nach der Sanierung des Hauses in der Pariser Straße 98, Nieder-Olm eröffnete sie eine Galerie. Vier Jahre später richteten dort auch die Künstlerinnen Claudia Welte-Jzyk, Dorothee Rübel und Eva-Maria Martin ihre Ateliers ein.

So unterschiedlich die Charaktere der vier Künstlerinnen sind und so unterschiedlich die jeweilige Herangehensweise und persönliche Handschrift ihrer Kunstwerke, das Thema NATUR hat bei allen Vier einen hohen Stellenwert und verbindet bei ihren „Streifzügen“.

Foto: Beate Mertel

Beate Mertel, studierte Kunst, Geographie und Botanik. Sie ist seit jeher von der Natur fasziniert. Deren Vielgestaltigkeit ist für sie bis heute eine Inspirationsquelle und die Wertschätzung, der Erhalt der Artenvielfalt ein Hauptanliegen ihrer künstlerischen Tätigkeit. In der Ausstellung zeigt sie Naturinterpretationen in Acryl auf Leinwand und Holzkörpern sowie Farbmonotypien in ganz eigener Ausdrucksform.

Foto: Claudia Welte-Jzyk

Ganz anders Claudia Welte-Jzyk, ebenfalls Botanikerin. Ihre Bilder faszinieren durch den verborgenen Detailreichtum der dargestellten Pflanzenwelt, wie der Betrachter sie mehr oder weniger von Garten und Feld kennt. Nach Fotovorlagen mit komplexen Maltechniken auf dünnes Ingrespapier aquarelliert besticht die Leuchtkraft der Farben.

Foto: Dorothee Rübel

Weniger die Farbigkeit als vielmehr die Hell-Dunkel-Wirkungen treffen bei den kleinformatigen Kaltnadel-Radierungen von Dorothee Rübel auf das Auge des Betrachtenden. Viele Hunderte von unterschiedlich dicken Linien und Punkten lassen die auf fotografischen Vorlagen basierenden Drucke lebendig werden. Dabei bewegt sich die Künstlerin in den Themenfeldern „Im Garten“, „Am Wasser“ und „Im Wald“.

Foto: Eva-Maria Martin

Dass sich Bildende Kunst und Informationstechnik (IT) nicht ausschließen, zeigt Eva-Maria Martin mit ihren Aquarellen und Ölbildern. Wie ihre impressionistischen Vorbilder aus dem 19. Jahrhundert malt sie Pleinair, also in der freien Natur. Sie fängt die unmittelbaren Sinneseindrücke und Stimmungen ein und gibt sie an den Besucher weiter. In den ausgestellten Werken arbeitet sie mit unterschiedlichen Grüntönen, feinen Farbabstufungen, Farb- und Lichtkontrasten und Lichteffekten.

Die Vernissage zur Ausstellung „Streifzüge“ fand am 26. Januar 2020 im Nackenheimer Ortsmuseum „Muxum“ statt. Bereits das für den 22. März vorgesehene Künstlerinnengespräch konnte Corona-bedingt schon nicht mehr stattfinden. Vor wenigen Wochen trafen allerdings die Verantwortlichen die Entscheidung, die Ausstellung bis zum 25. Oktober 2020 zu verlängern.

Für jeden Kunstkenner und Kunstliebhaber ist sie mit ihrem Variationenreichtum ein MUSS und kann an jedem 2. und 4. Sonntag im Monat von 14.00 bis 16.00 Uhr am Kirchbergweg 2 in Nackenheim besucht werden.

Ulrich Nilles