LAUBENHEIM – Als am 13. März bekannt wurde, dass die Schulen aufgrund der Corona-Pandemie schließen müssen, liefen beim Vorstand der Sängervereinigung 1844/71 die Telefondrähte heiß. Es wurde hin und her diskutiert, ob wir die wöchentlichen Chorproben stattfinden lassen können oder nicht. Schließlich wurde mit Rücksicht auf die Tatsache, dass viele Chormitglieder zur Risikogruppe gehören, entschieden, dass die Proben bis auf weiteres ausfallen.

Während der vielen Wochen, in der sich immer mehr herauskristallisierte, dass ausgerechnet das Singen in geschlossenen Räumen eine besonders große Ansteckungsgefahr birgt, hat der Vorstand rund um Bernhard Marin alle möglichen Alternativen durchdacht. Das gemeinsame Singen per Videochat wurde immer wieder angesprochen, aber aufgrund des Zeitversatzes bei der Tonübertragung von Chorleiter Antonio Sarnjai verworfen. Als der Chorverband bekannt gab, dass das Singen unter strengen Auflagen wieder erlaubt sei, nahm Marin den Zollstock in die Hand und maß das Chorheim aus – aber leider ist es zu klein, um mehr als sieben Sängern den Sicherheitsabstand von drei Metern zu bieten. Immerhin für einen wöchentlichen Stammtisch reicht der Platz aus.

Schließlich bot Vorstandsmitglied Lothar Wölke, der sowohl im HeartChor als auch im Männerchor mitsingt, überaus großzügig an, dass die Chorproben bei gutem Wetter auf seinem Grundstück abgehalten werden können. Auch hier wurde erst wieder ausgemessen, wo sich die einzelnen Sänger*innen hinstellen bzw. setzen können, ohne den anderen zu Nahe zu kommen. Der Chorleiter hatte den Ehrenplatz auf der Terrasse, während sich die Teilnehmer auf dem Grundstück verteilten. Nach einer rührenden Begrüßungsrede von Sarnjai – noch nie in seiner Zeit als Chorleiter musste er so lange auf das Musikmachen verzichten – sprach der dem Chor gut zu: „Das Singen im Freien ist eine gute Übung für die Stimme, ihr müsst euch mehr anstrengen und lernen, auch ohne Akustik hörbar zu singen.“

HeartChor

Das Singen im Freien ist anstrengender als gedacht: es fühlt sich an, als singe man allein. Foto: Natacha Olbrich

Tatsächlich ist es seltsam, im Freien laut zu singen: Es fühlt sich an, als würde man allein singen, nicht gemeinsam mit anderen. Durch den großen Abstand hört man die Mitsänger*innen so gut wie gar nicht, man befindet sich quasi im akustischen „Blindflug“, ohne die Bestätigung durch die Nachbarstimmen. Daran muss man sich erstmal gewöhnen – doch trotzdem waren alle Anwesenden glücklich darüber, sich wiederzusehen und endlich wieder ihrem geliebten Hobby nachgehen zu  dürfen.

Auch der Männerchor traf sich im Freien, um gemeinsam zu singen: Die erste OpenAir-Probe nach der coronabedingten Pause fand unter der Sängerlinde auf dem Longchamp-Platz statt. Mutige und sangesfreudige Herren waren erschienen, um mit Stimmübungen und bereits bekannten Liedern den Wiedereinstieg zu gestalten. Die Wetterbedingungen waren optimal: es war noch warm vom Tag und ein leicht säuselnder Wind sorgte für beste Belüftung der Szene.

Verdienter Lohn für alle couragierten Teilnehmer war ein Platz in der ersten Reihe, mit direktestem Blickkontakt zu Chorleiter Antonio Sarnjai.

Auch für den Männerchor also eine schöne und gelungene Wiederaufnahme der Chorprobenaktivitäten. – Vielen Dank an alle Teilnehmer!

Wann und wie die nächsten Chorproben stattfinden können, wird der Vorstand der SVL in den nächsten Wochen entscheiden. Aktuell wird nach einer Schlecht-Wetter-Alternative gesucht, die möglichst vielen Sänger*innen Platz bietet. Mehr Infos auf www.singen-im-chor.de.

Text von Natacha Olbrich und Bernhard Marin