MAINZ – Seit Jahrzehnten ist die Rheinland-Pfalz Ausstellung eine feste Größe im Jahreskalender der Landeshauptstadt, des Bundeslandes und auch des Rhein-Main-Gebietes. Doch in diesem Jahr gestaltet sich alles anders. Das Jahr 2020 wird ohne die beliebte Verbrauchermesse vorübergehen. Sebastian Kreuser, Geschäftsführer des Messeveranstalters RAM, sieht sich nach Lage der Dinge veranlasst, die Rheinland-Pfalz Ausstellung abzusagen.

Ursprünglich war die Messe vom 28. März bis 5. April auf dem Mainzer Messegelände terminiert. Nach dem Lockdown, der die Durchführung zu diesem Zeitpunkt unmöglich machte, sahen der Veranstalter und die Aussteller hoffnungsvoll dem gemeinsam festgelegten Ersatztermin 5. bis 13. September entgegen. Ab September waren Messen bundesweit wieder erlaubt. Die Rheinland-Pfalz Ausstellung wäre die erste Messe nach dem Lockdown gewesen und sollte das zweite Messehalbjahr einläuten. Damit ist es nun vorbei.

Die Entscheidung fiel dem Geschäftsführer nicht leicht. Eine Welle von Stornierungen, die nach der Aufhebung des Lockdowns über die RAM hereinbrach, zwingt ihn dazu. „Bis heute haben mehr als 200 Aussteller ihre Anmeldung zurückgezogen“, berichtet Kreuser. In den letzten acht Tagen häuften sich die Stornos, und er rechnet damit, dass weitere folgen. Für ihn steht damit fest: Würde er die Messe durchführen, wäre dies mit starken Qualitätseinbußen verbunden. „Mit der Hälfte der Aussteller könnten wir die gewohnte Vielfalt nicht mehr bieten.“ Keinesfalls aber will er die Messebesucher enttäuschen. Kreuser: „Wir haben hier eine Verantwortung.“

Die Zurückhaltung der Aussteller zieht sich durch alle Branchen, betrifft kleine wie große Unternehmen, Erstaussteller wie Stammkunden. Warum springen sie ab? Viele äußern Bedenken, dass die für ihren Messeerfolg nötige Besucherzahl nicht erreicht wird, weil Maskenpflicht und andere Einschränkungen die Freude am Messebesuch trüben. Andere Aussteller können sich Verkaufsgespräche mit Maske nicht vorstellen und wollen ihre Mitarbeiter schützen. Auch hört das RAM-Team  nicht selten den Satz: „Für dieses Jahr haben wir alle Messe- und Veranstaltungsaktivitäten auf Eis gelegt.“ Wie auch immer die Begründung lautet – in allen Fällen geht sie auf den Corona-Virus und seine Folgen zurück.

Dabei schienen die Voraussetzungen für den Neustart nach der Aufhebung des Lockdowns zunächst perfekt. Die RAM hatte ein überzeugendes Hygienekonzept ausgearbeitet, das von der Stadt Mainz akzeptiert wurde. Darin war die Trennung von Ein- und Ausgängen geregelt, Desinfektionsmittel würden bereit stehen, ein großer Teil des Messegeschehens spielt sich ohnehin im Freien ab, und die Hallen sind schon von Natur aus gut durchlüftet. Die Beschränkung auf 5.000 Besucher pro Tag schien akzeptabel, Onlinetickets sollten dafür sorgen, dass sich an den Kassen keine langen Schlangen bilden. Grünes Licht also für die Messe. Umso größer war bei der RAM die Enttäuschung, als die Absagen eintrafen. Damit hatte man nicht gerechnet.

Lange Gesichter also in diesem Jahr, doch der Blick ist nach vorne gerichtet. 2021 soll es die Messe wieder geben – vom 10. bis 18. April, das steht auch schon fest. Kreuser hofft zuversichtlich, dass sich die Lage bis dahin normalisiert hat. Am Konzept mit drei Erlebniswelten, Messen in der Messe und Sonderschauen soll sich nichts ändern. Auch das Potpourri der beliebten Themen von Bauen über Wohnen, Haushalt, Ernährung, Mode, Garten und Gesundheit bleibt den Besuchern erhalten – garniert mit frischen Akzenten.

Claudia Ehry