BODENHEIM – „Ich hab 2 Vorlieben – Pädagogik und Geschichte! Lass ich das Eine – fehlt es mir,“ so ist die Einstellung von Bernhard Marschall – seit 1995 der Kulturbeauftragte der Ortsgemeinde Bodenheim. Hauptberuflich arbeitet er bei der VG Bodenheim in der Grundschule Bodenheim, nebenberuflich ist er der Mann im Hintergrund, der alles geschichtliche für die Gemeinde aufarbeitet.

Seine Hauptaktivität war in der Zeit vor dem 1.250 Jahr Jubiläum. So erstellte er eine Ortschronik, trug Unmengen an Informationen, Unterlagen und auch Bildern zusammen. Die Chronik hat seine Handschrift – wurde aber auch mit Unterstützung von 39 anderen Autoren erstellt, die jeweils über ihr Spezialgebiet wie Mundart usw. schrieben.

Als Vorbereitung dazu hat er 15 laufende Meter Akten aus Speyer (Zentralarchiv) geholt, und diese ausgebreitet, neu sortiert und alles nach einem Registratur Plan aus dem Jahr 1908 archiviert. Ziel war es, ein Findbuch zu erstellen, dass er und andere schnell auf die einzelnen Akten zugreifen können.

„In der Zeit waren unsere Zeitzeugengesprächsrunden mit das spannendste. Wir trafen Bodenheimer Bürger und die haben erzählt, wie vor 50 oder 60 Jahren die Kerb ablief, welche Straußwirtschaften es schon damals gab. Wie der Ort damals aussah, wo wer wohnte und so ungeheuer vieles mehr“ berichtet Bernhard Marschall mit Begeisterung.

Wer wo wohnte ist auch eine der aktuellen Aufgaben. Im Moment trägt er „Volksstatistiken“ zusammen. 1865 bis 1925 hat er schon gefunden. Hier geht es in erster Linie um Straßennamen und Hausnummern und deren Bewohner.

„Die gingen damals von Haus zu Haus und haben alles aufgeschrieben, was interessant war. Das hilft mir heute, wenn Privatpersonen ihre Herkunft abklären wollen, ob der Vorfahr in dem Haus wirklich gewohnt hat,“ so Bernhard Marschall. Es gibt aber auch Statistiken über Berufe (jedes Dorf war damals weitestgehend autark), Geburten, Hochzeiten, die Finanzen der Ortsgemeinde, Zahl und Art des Viehs und ein Brandkataster mit erstaunlich genauen Angaben zu den Werten im Haus. Das Ganze ist teilweise in Französisch aber auch in Sütterlin geschrieben.

„Ich grabe mich in die Unterlagen der Gemeinde ein, finde Dinge, die es wert sind aufgearbeitet zu werden und starte durch. Dann muss ich meist lange warten: das Archiv der Gemeinde wurde – wie bei anderen Gemeinden auch – in den 70 Jahren nach Speyer ins Zentralarchiv ausgelagert. Dort ist ein riesiges Archiv, in das ich während des Lockdowns am Anfang der Corona Epidemie nicht reinkam. Also musste alles schriftlich vorgenommen werden – und das dauert!“

Bei seinen „Ausgrabungen“ stieß er auf viele Fotos der letzten 140 Jahre. Da ist das Hochwasser 1882/1883 festgehalten und Menschen sind zu sehen, die es gilt mit Namen zu versehen. Aber auch Feuerwehrumzüge, die Fest vom Gesangverein Concordia oder dem Turnverein.

Der studierte Ethnologe, Volkskundler und Pädagoge arbeitet aktuell auch an den Flurnamen der Gemarkung Bodenheim. Woher stammt der Name Ahlen oder Leidhecke, wem gehörte im Laufe der Jahrzehnte der Grund, denn es gab in vielen Bereichen in den 70er Jahren die Flurbereinigung. Das älteste Flurkartenverzeichnis stammt aus dem Jahr 1744, das vom Grafen von Schönborn erstellt wurde. „Wenn es möglich wäre, fände ich die Präsentation der Karten im Rathaus klasse!“

Ein weiterer Traum ist, einen virtuellen 3D Flug von der Kirche St.Alban bis zum Rathaus zu erarbeiten. „So bekommt man einen Einblick, wie es damals in Bodenheim aussah.“

Die Gemeinde Bodenheim bereitet sich auf die Rehabilitierung der Hexen vor. Hierzu trägt Bernhard Marschall wieder Material zusammen. Ob daraus eine Ausstellung werden kann oder eine Dokumentation wird der Gemeinderat noch beschließen.

Die Chronik der Ortsgemeinde Bodenheim ist in der Tourist-Info zu erwerben. Unter www.bodenheim.de „Die Gemeinde“ und dann unter „Bodenheimer Geschichte“ sind viele weitere Informationen zu finden.

Wolf-Ingo Heers