Fast 90 Jahre lang hatte es einen gemeinsamen Bahnhof mit Lörzweiler. – Der Übergang der Bebauung zur Nachbargemeinde Gau-Bischofsheim ist fließend. – Seit 1982 besteht eine lebendige kommunale und private Partnerschaft mit der französischen Doppelgemeinde Messigny-et-Vantoux/Burgund. – Die Anbindung zum Autobahn- und Bahnnetz des Rhein-Main-Gebiets ist in 15-20 staufreien Minuten zu erreichen. – Zur erweiterten Nahversorgung werden die Möglichkeiten in Bodenheim, Mommenheim, Ebersheim und Nieder-Olm angefahren.

Die Rede ist von der auf halber Höhe zwischen dem Rheingraben und dem Rheinhessischen Tafel- und Hügelland gelegenen Ortsgemeinde Harxheim.

Früher …

Das Ortswappen von Harxheim

Erstmals urkundlich erwähnt wird „Harasheim“ im Jahr 767. Funde auf einem Friedhof belegen aber, dass der Ort bereits in fränkischer Zeit existierte. Nach dem Aussterben derer von Bolanden übernahmen die Grafen von Falkenstein 1398 Harxheim als Lehensherren. Zu dieser Zeit muss es wohl noch (Allmende-)Wald gegeben haben. Darauf deuten die beiden Eicheln auf dem Ortswappen hin. Einem kurzen, 16 Jahre dauernden Intermezzo mit allerdings weitreichenden Reformen folgte 1816 die Zuweisung Rheinhessens, und damit auch Harxheims zum Großherzogtum Hessen. Rheinhessen/Harxheim galt als Kornkammer des Großherzogtums. Dies bringt Wappen mit dem goldenen Untergrund (fruchtbarer Boden) und der Ähre symbolisch zum Ausdruck.

… und heute

Längst gehört das idyllische und fernab der Stadthektik gelegene Harxheim zum Zuzugsgebiet des Rhein-Main-Raums. In den vergangenen 50 Jahren hat sich seine Einwohnerzahl mehr als verdoppelt auf ca. 2.500. Mit dieser Steigerung ging die Erschließung von Neubaugebieten einher, die bis heute nicht abgeschlossen ist.

An Bildungseinrichtungen verfügt Harxheim über eine kommunale Kindertagesstätte und einen Hort für 60 GrundschülerInnen. Dort sind 40 Menschen angestellt und täglich werden 200 Mittagessen in der hauseigenen Küche gekocht. Die Grundschule, die auch fußläufig erreicht werden kann, teilen sich Harxheim und Gau-Bischofsheim. Darüber hinaus bietet die Kreisvolkshochschule Mainz-Bingen Stand heute mehr als ein Dutzend Kurse an.

Der Ort ist mit einer überschaubaren Anzahl von Dienstleistern, u. a. für die Gesundheitsvorsorge sowie mit Firmen und Betrieben ausgestattet, die auch kleine lokale Arbeitgeber sind. Zum Einkauf steht ein interkommunaler Supermarkt für Harxheim und Gau-Bischofsheim zur Verfügung.

Das Aushängeschild und Wirtschaftsfaktor Nummer eins ist allerdings der

Weinbau.

Seine Tradition reicht wohl bis in die Römerzeit zurück. Heute bewirtschaften noch sieben Haupt- und Nebenerwerbs-Winzer 75 Hektar Weinanbaufläche. Das entspricht etwa 20 Prozent der gesamten Gemarkung. Die Winzerhöfe selbst und mehrere Restaurations- und Übernachtungsbetriebe bieten ihre Erzeugnisse und Dienstleistungen den aus Nah und Fern kommenden Gästen an. Darüber hinaus gehört der Wein unzertrennlich zur Festekultur von Harxheim.

Feste und Vereine

Das Harxheimer Kapellchen – Foto: Ulrich Nilles

Weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt ist das Weinhöfefest am vorletzten Wochenende im August. Corona-bedingt veranstaltete der Heimat- und Verkehrsverein in diesem Jahr alternativ die Blindweinverkostung „WeinIncognito“. Berichte darüber findet man unter www.hvv-harxheim.de.

Jahrübergreifend bewegt sich die fünfte Jahreszeit, die die Harxheimer Karneval-Gesellschaft am 11. November mit namhaften Künstlern startet und die am Fastnachtsamstag mit der Rathauserstürmung und dem anschließenden Fastnachtsumzug ihren Höhepunkt erreicht. Das Feuerwehrfest (Christi Himmelfahrt) und die Kerb (Fronleichnam) komplettieren die Reihe der Harxheimer Feste und finden mit dem Weihnachtsmarkt an den vier Adventswochenenden im Innenhof des „Hauses Krone“ ihren Abschluss.

Um all diese Feste stemmen zu können, bedarf es eines gut funktionierenden Vereinslebens, womit Harxheim beispielhaft aufwarten kann.

Freizeit

Neben den Aktivitäten in den Vereinen können Einheimische und Gäste ihre Freizeit auf den zahlreichen Wander- und Radwegen um Harxheim gestalten. Ein besonders schöner, durch Prof. Klaus Faiß mit 26 Tafeln beschrifteter, 6 Kilometer langer Rundweg führt durch den östlichen Ortsteil vorbei am Harxheimer Kapellchen, dem Wahrzeichen des Orts und am Schlossbergturm, auf dem man eine bezaubernde Aussicht auf Harxheim und das rheinhessische Tafel- und Hügelland hat.

Einzigartig in Rheinhessen: ein ehemaliger Tabakspeicher – Foto: Irmgard Kaiser-Vreke

Ein besonderes Angebot halten die drei rheinhessischen Kultur- und Weinbotschafterinnen für Besucherinnen und Besucher bereit. Sie führen durch Harxheim mit seinen Kulturdenkmälern wie den zahlreichen Dreiseithöfen, dem spätbarocken Fechenbacher Hof, dem in der Region einzigartigen ehemaligen Tabakspeicher und vielen, nicht sofort ins Auge springenden Kleinoden. Infos erhält man über info@kultur-und-weinbotschafter-rheinhessen.de.

Und für die Zukunft …

ist die Neugestaltung des Dorfplatzes an der Waage als zentralem Ort geplant. Auch sollen weitere Neubaugebiete zur Ortserweiterung und ein Gewerbegebiet erschlossen werden. Weit über all das Gesagte hinaus gibt ein mit sehr anspruchsvollen Beiträgen gekonnt gestaltetes Festbuch Auskunft, das 2017 anlässlich der 1250-Jahrfeier von Harxheim erstellt wurde.

Ulrich Nilles