LAUBENHEIM – Wer kennt ihn nicht, den Mann mit der roten Jacke. Seit über 50 Jahren steht er in der Bütt und begeistert sein Publikum als Wortjongleur, zum Teil in atemraubendem Tempo. Die Rede ist von Willi Steinbrech. Aus Anlass seines 92. Geburtstag stellt er dem „‘s kleine Museum“ im Rathaus Laubenheim Leihgaben seiner karnevalistischen Tätigkeit zur Verfügung.

Dort sind unter anderem zu sehen der „Mainzer Pfennig Karls des Großen“, eine Ehrung durch den Mainzer OB, das „Leporello” und die „Gutenberg Statuette”, der vom MCV erhaltene „MCV-Pegasus” und der „Großen Bajazz”.

Werdegang

Begonnen hatte alles in der Bierwirtschaft „Maineck“ in der Mainstraße, wo Steinbrech in den 1960-er-Jahren als Programmgestalter und Redenschreiber Kneipenfastnacht veranstaltete. Sein Talent erkennend holte ihn der damalige Weisenauer Bürgermeister Max Brückner zum CCW, wo er als Vizepräsident avancierte. Initiiert durch Karl Moerle, den früheren Präsidenten des MCV wechselte Steinbrech 1969 zusammen mit seiner Zwiegesprächspartnerin Waltraud Hubl zum MCV. Dort stand er über 40 Jahre für den Fastnachtsverein in der Bütt mit Mottovorträgen wie „Aber sunst sin mer gesund“, „Wünschen, glauben, hoffen“, „Alles reine Nervensache“ und „Das wahre Glück sieht anders aus“, um nur einige wenige zu nennen. „Die Vorträge habe ich alle selbst geschrieben“, stellt Steinbrech stolz im Gespräch mit Journal LOKAL klar.

Highlights

Gefragt nach den Highlights seiner fastnachtlichen Karriere sprudelt es aus Willi Steinbrech nur so heraus: das waren ein halbes Dutzend Auftritte bei der Fernsehsitzung, wozu nur die allerbesten eingeladen werden; die Fahrten beim Rosenmontagszug im MCV-Wagen; Auftritte in Hamburg und der Schweiz, die durch den Gönner des MCV Dr. Beichert ermöglicht wurden; zwei Bücher mit den Titeln „Weil es Freude macht“ und „Lächeln erlaubt“ sowie die Ernennung zum Ehrenmitglied des MCV 2003 und die Laudatio 2016 durch seinen Freund Dr. Rudi Henkel, bei der er zum Aller-Allerscheenste gekürt wurde, eine Ehrung, die nur den prominentesten Mainzer Fastnachtsmitgliedern zuteil wird (u. a. Herbert Bonewitz, Johannes Gerster, Margit Sponheimer).

Und wie sieht die Zukunft aus?

Nach dem schmerzlichen Verlust seiner Ehegattin ist Steinbrech dankbar, dass seine Tochter Petra sich in jungen Jahren auch diesem Metier verschrieben hat und auch heute noch künstlerisch tätig ist. Als Ausnahmeerscheinung ist er noch immer sehr gefragt bei Herrensitzungen. Außerdem ist er Mentor von aktiven Fastnachtsmitgliedern und berät diese. Seinem Alter entsprechend äußert er allerdings sehr demütig: „Man muss leben von Tag zu Tag.“

`s kleine Museum

„Wir haben die Verantwortung gegenüber den Laubenheimer Bürgerinnen und Bürgern, das zu präsentieren, was von Bedeutung für unseren Ort ist. Dazu gehört auch unser Mitbürger Willi Steinbrech“, äußerte Museumskurator Fritz Berena zum Abschluss unseres Gesprächs.

Schön, dass es immer noch Menschen gibt, die sich ehrenamtlich für Wesentliches einsetzen. Und schön, dass bedeutende Bürger Laubenheims wie Willi Steinbrech einen ihnen gebührenden ehrenvollen Platz in der Ortsgeschichte erhalten.

Ulrich Nilles