Was sich lange abgezeichnet hat, ist nun Gewissheit: die Kampagne 2020/2021 wird nicht in der liebgewonnen üblichen Tradition stattfinden und stattfinden können. In Anbetracht aktuell rapide ansteigender Infektionszahlen eine vernünftige Entscheidung. Erweisen sich doch Veranstaltungen auf engstem Raum mit dichtgedrängten Teilnehmerzahlen als Multiplikatoren für Neuinfektionen.

Am klarsten bezieht der Ebersheimer Carneval Verein „Die Römer“ Position. Nach einer kurzen Würdigung der letztjährigen Kampagne schreibt Peter Henningsen, Beisitzer des ECV: „Der ECV-Vorstand hat Anfang September beschlossen, die Kampagne 2020/2021 abzusagen. Wir hatten drei Sitzungen geplant, darunter erstmals eine Freitagssitzung. Für uns steht die Gesundheit unserer Gäste und der Akteure aber an erster Stelle. Wir sehen daher keine Möglichkeit, die Kampagne 2020/2021 durchzuführen. Wenn pandemiemäßig möglich, planen wir ein Überraschungsevent für den Sommer 2021.“

Ähnlich eindeutig drückt sich der Vorsitzende des Carnevalvereins „Schwarze Gesellen Laubenheim“ Matthias Keil aus: „Es steht derzeit fest, dass die geplanten Sitzungen nicht stattfinden. Ob weitere fastnachtliche Aktivitäten durchgeführt werden können, hängt von der Entwicklung der Pandemie ab.“

Etwas offener äußert sich Michael Licht, Vorsitzender der „Hechtsheimer Dragoner Garde 1958“: „Bei uns ist noch alles offen, Gedanken gehen in alle Richtungen. Entscheidungen werden auch nicht in Kürze fallen.“

Auf der Homepage des „Carneval Verein Zornheim 1931“ ist unter www.c-v-z.de/veranstaltungen/ ein Närrischer Fahrplan 2020 aufgestellt, beginnend mit der Teilnahme am Zornheimer Weihnachtsmarkt 2020 und endend mit einem umfangreichen Programm am Fastnachtdienstag. Auf Nachfrage beim Sitzungspräsidenten Rüdiger Trapp, ob die Veranstaltungen denn stattfinden, sagte er dieser Zeitung: „Es gibt noch keinen Vorstandsbeschluss, aber nach Rücksprache mit dem 1. Vorsitzenden Gerrit Kemmerling läuft die Tendenz auf eine Absage hinaus.“

Ähnlich sieht es auf der Homepage des „Carneval-Club Weisenau 1848“ mit der Burggrafengarde aus: „In Zeiten der Ungewissheit … haben wir einen Sitzungsplan für die nächste Kampagne entwickelt, den wir vorstellen wollen. Wir möchten Sie einladen, uns vollkommen unverbindlich Ihr Interesse an unseren Sitzungen mitzuteilen“, kann man unter www.meinccw.de/termine-karten/ lesen. Gleichzeitig schränkt auch der CCW ein, dass noch offen ist, ob Fastnacht in der nächsten Kampagne gefeiert werden kann und dass hierbei Verantwortungsbewusstsein oberste Priorität hat.

Etwas Besonderes hat sich die „Karneval-Gesellschaft ULK 1930“ in Laubenheim einfallen lassen. Zur Unterstützung von Corona bedingten Einkommensausfällen sowohl des Vereinsheims „Gaststätte Kilianshof“ als auch vieler Kulturschaffender und Bühnenaktiver entstand die Veranstaltungsreihe „ULKer 3KidS“ (Kunst, Kultur, Kabarett in de Stubb). An mehr als 15 Terminen präsentieren Künstler ihr Programm auf kleiner Bühne, eingerahmt in ein von Frank Krapp dazu passendes Menü und Weinverkostung mit Laubenheimer Winzern. Die Schirmherrschaft übernahm das ULK-Komiteemitglied und Ortsvorsteher Gerhard Strotkotter. Natürlich gilt bei dieser nicht unbedingt fastnachtstypischen Reihe die Coronaverordnung, die eine Teilnehmerzahl von 34 Personen zulässt. Mehr findet man unter www.kg-ulk.com.

Alles in allem keine schönen Aussichten für die Fastnacht 2020/2021, aber vernünftige Entscheidungen aller Verantwortung tragenden.

Vielleicht liegen ja noch Möglichkeiten in digitalen Formen, die unsere Gesellschaft während der Pandemie neu entdeckt hat und zu nutzen lernt. Ein Vorbild hierzu könnte die „närrische Proklamation“ am 11.11. sein, die bei geringer Teilnehmerzahl live durch den SWR aus dem Osteiner Hof in die Wohnzimmer übertragen werden soll (www.mainzer-carneval-verein.de/neuigkeiten/news-einzelansicht/article/mcv-und-swr-uebertragen-1111-live-aus-dem-osteiner-hof/).

 

Ulrich Nilles