LAUBENHEIM – Mobbing, ja, schon gehört, aber Resilienz? „Beim Resilienztraining geht es darum, die Widerstandskräfte und den gesamten Charakter von Kindern und Jugendlichen zu stärken, besonders Schüchterne zu aktivieren“, erläutert Milunia Fadl, ausgebildete Selbstbehauptungs- und Resilienzcoachin sowie Tanztrainerin beim SAV Mainz-Laubenheim. Am 31. Oktober 2020 führte sie einen Kurs für Mitglieder des Vereins durch.

Zehn Mädels im Alter zwischen 8 und 12 Jahren warten mit gewaschenen und desinfizierten Händen gespannt im Eingangsbereich des Laubenheimer Sportzentrums. Die Spannung löst sich etwas, als um 13.00 Uhr die Türe aufgeht, meditative Musik erklingt und alle ihren beschrifteten Platz gefunden haben. Und es geht gleich los mit Bewegung um den eigenen Platz und mit Spielen. Die Trainerin spielte Mobbingsituationen in kleinen Szenen vor und erarbeitet mit den Kids resiliente Reaktionen. Zunächst in der Gruppe, dann kommen die ersten Mutigen nach vorne und lassen sich von Chantal alias Milunia übel beschimpfen. Reaktion: Weggehen und mit Freundinnen spielen. Das wird von den Teilnehmenden auch in Zweiergruppen geübt. Oder das Stift-Wegnehmspiel. Reaktion: mehrmaliges Wiederholen von „Gib mir den Stift wieder“. Und dann das Wort „STOP“, zunächst zögerlich, aber nach gemeinsamem Üben immer energischer. Prima!

Grundsätzliches

„Ja, absolut, man kann etwas erreichen durch interaktives Training, das sich an alle Lerntypen richtet und Gestik wie Mimik einbezieht“, bestätigt Milunia Fadl im Gespräch und stellt die vier wichtigsten Trainingsinhalte ihres Programms vor:

  1. Erlernen des Umgangs mit Beleidigungen
  2. Reagieren auf Dinge, die entwendet wurden
  3. Umgang mit Drohungen und Gewalt
  4. Sprechen über Gefühle

Diese Trainingsinhalte tauchen während des Seminars immer wieder geschickt verpackt und gekonnt inszeniert durch die Coachin auf und werden auf verschiedenste Arten geübt.

Nach anfänglicher Zurückhaltung tauten die Kids während des fünfstündigen Seminars zusehends auf und entwickelten sichtlich Spaß dabei, sich selbst herauszufordern. Mit einer Menge an Tipps, einer Urkunde, einem symbolischen Antistress-Ball und einer SAV-Mund-Nasenbedeckung verließen sie fröhlich die Halle mit dem Wunsch nach Fortsetzung.

Der SAV Mainz-Laubenheim wird auf jeden Fall dieses Jahr noch einen Online-Kurs dieser Art anbieten, sowie auch in 2021 das Thema immer wieder aufgreifen, je nach Lage als Online- oder Präsenzkurs.

Corona-bedingt sind die Abstände zwischen den Teilnehmerinnen sehr groß – Foto: Ulrich Nilles

Der Verein

Die Normalität wird sicherlich auf sich warten lassen in Anbetracht der derzeitigen Entwicklung der Pandemie. „Selbstverständlich trägt der Verein die momentan notwendigen Maßnahmen mit. Wir hoffen aber auch auf baldige Lockerungen beziehungsweise Lösungen für den Amateursport in der Halle, zumindest für Kinder und Jugendliche“, äußerte Vorstandsmitglied Martina Reinhardt. Bei einer Kontaktsportart wie Sportakrobatik sei Online-Training lediglich für Konditionsübungen möglich. Ganz abgesehen von der psychologischen Wirkung auf die SportlerInnen und die Mitgliederentwicklung aller Sportvereine, nachdem das Training seit März 2020 immer wieder ruhte bzw. nur sehr eingeschränkt möglich war.

Ulrich Nilles