NACKENHEIM – Einen Tag vor der Pandemie-bedingten Schließung fand am 1. November 2020 die Vernissage „Call für Freedom“ im Nackenheimer Museum statt. Im Mittelpunkt der Projektaustellung stehen Frauenpersönlichkeiten, in Collagen individuell gestaltet durch die Bildende Künstlerin Simone von Stockhausen-Taufenbach.

Einen außergewöhnlichen Nachmittag erlebten die Besucherinnen und Besucher des Muxum am Allerheiligentag. Mit viel Bedacht hatte Simone von Stockhausen-Taufenbach Portaitfotos von 20 bekannten Frauen des 18.- 20. Jahrhunderts ausgewählt und in je einer Collage künstlerisch bearbeitet. Frauen unterschiedlicher Hautfarbe, geographischer und sozialer Herkunft und in verschiedenen Lebensabschnitten. Darunter Aung San Sun Kyi (Birma), Yoko Ono (Japan), Harriet Tubeman (USA), Malala Yousafazi (Pakistan) und Virginia Woolf (England). Jüngste Protagonistin ist die Schwedin Greta Thunberg. Unter jedem Exponat befindet sich auf der Basis von umfangreichen Recherchen je ein ebenso individuell zusammengestellter Text zu den einzelnen Personen.

Blick in den Ausstellungsraum – Foto: Ulrich Nilles

Gemeinsam ist diesen Frauen der Kampf für Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und (Frauen-)Rechte. „Der Ausdruck der Gesichter der Dargestellten zeigt: wer dieser inneren Stimme folgt, scheint von innen heraus zu leuchten, strahlt eine enorme Energie aus“, kommentiert Tanja Bergmann von der ARTBASE Gallery Wiesbaden die Exponate. Jede der Collagen vermöge dies auszudrücken.

Im Gespräch äußert die Künstlerin: „Schwerpunkt der Ausstellung sind die Menschen- und Freiheitsrechte allgemein und die Rolle der Frau im Besonderen. ‚Call for Freedom‘ möchte die Entwicklung in den vergangenen 200 Jahren darstellen.“ Dabei kann sie auf umfangreiche Erfahrungen zurückgreifen. Ihre erste Ausbildung nämlich schloss sie 2004 mit dem zweiten Staatsexamen in Jura ab und arbeitete in den folgenden fünf Jahren zwischen Brüssel, Straßburg, Bonn und Mainz vor allem als Europarechtlerin. 2013 erfüllte sich die seit 2009 selbständige Künstlerin ihren Kindheitswunsch und studierte freie bildende Kunst und Kunstgeschichte in Mainz. Mit dieser Ausstellung kombiniert sie einmal mehr beide Berufe. Bereits 2016 waren Werke von ihrer Hand in der Halle 45 in Mainz sowie 2019 und 2020 Installationen im Hotel Adlon Kempinski Berlin zu sehen. Ebenfalls 2019 zeigte sie in Kirn erstmals ihr weißes Friedenskleid im Rahmen einer Gruppenpräsentation der Regional-Gruppe GEDOK Wiesbaden-Mainz e.V. der „Gemeinschaft Deutscher und Österreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgattungen“. Die dreidimensionale Collage auf Stoffträger verkörpert für Simone von Stockhausen-Taufenbach symbolisch Frieden und Freiheit, die Freiheit, für die die exponierten Frauengestalten gestritten haben.

Foto: Ulrich Nilles

Die entgegengesetzte Bedeutung trägt ein kleiner Vogelkäfig mit dem Buch „I know, why the caged bird sings“ von Maya Angelou an der Stirnseite des Ausstellungsraums unter einer Leinwand. Die dort gezeigte Videoinstallation ist integrativer Bestandteil von „Call for Freedom“. „In dem Video geht es um das Ausbrechen aus dem inneren und äußeren Käfig in Anlehnung an Maya Angelous Gedicht ‚Caged Bird‘ “, kommentiert Christine Stahl die Installation. „Eigentlich sollte das Ganze live stattfinden, aber die Coronapandämie hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht“, fährt das Ensemblemitglied des Zimmertheaters Mainz fort. Neben ihr treten Simone von Stockhausen-Taufenbach und ihre beiden Töchter Amélie und Marta in dem Film auf.

Das Projekt der Künstlerin „Call for Freedom“ wurde gefördert durch „Im Fokus – 6 Punkte für die Kultur“, eine Fördermaßnahme des Lands Rheinland-Pfalz für Kulturschaffende. Für die Jahre 2021/2022 plant Simone von Stockhausen-Taufenbach, den bereits existierenden weitere Frauengestalten hinzuzufügen und der Öffentlichkeit an einem repräsentativen Ausstellungsort zugänglich zu machen.

Ulrich Nilles