HECHTSHEIM – Wie für alle Menschen, wie für alle Organisationen oder Vereine, so ist Corona auch für Trauernde Eltern & Kinder Rhein-Main e. V. eine besondere Herausforderung: Als die Pandemie im März zum ersten Lockdown führte, ging der Verein mit Sitz in Mainz-Hechtsheim, der sich um Trauernde nach dem Verlust eines Kindes, aber auch um Kinder nach dem Verlust eines Elternteils kümmert, auch von einem vorläufigen Aus für die Trauerarbeit aus. Die Trauerbegleiterinnen des Vereins fürchteten, dass sie den Kontakt zu den Trauernden verlieren würden. Der Verein fürchtete um die wirtschaftliche Situation, die Vereinsmitglieder und die Menschen, die sich nach einem Verlust in einer Gruppe oder einer Einzel- oder Paarberatung befunden haben, mussten davon ausgehen, dass sie monatelang allein sein könnten in ihrer Trauer.

Der Leitsatz von Trauernde Eltern & Kinder Rhein-Main e.V.  heißt jedoch „Du bist nicht allein“. Er ist nicht nur bei der Begrüßung auf der Homepage zu lesen, sondern er wird im Alltag gelebt, wie die Vorsitzende Nicole Sieben betont. „Das ist im Rahmen unserer Möglichkeiten unser Anspruch, dass wir jedem durch unsere Arbeit, aber auch alleine durch die Existenz unseres Vereins, der so viele vergleichbare Schicksale versammelt, beweisen, dass sich keiner allein fühlen muss in seiner Trauer.“

Schon in den ersten Tagen des Lockdowns suchte Trauernde Eltern & Kinder nach Wegen, wie die Arbeit des Vereins, die so viel auf Nähe zu Menschen fußt, irgendwie während der Zeit des gesellschaftlichen Stillstands und des Abstandhaltens aufrechterhalten werden kann. Per Skype oder Zoom beriet sich der Vorstand und er ermutigte die Trauerbegleiterinnen, auch in ihrer Arbeit Online-Wege zu versuchen. „Nach anfänglicher und auch vollkommen berechtigter Skepsis bezüglich der Angemessenheit von Gesprächen über Kamera und Computer-Bildschirm haben unsere Trauerbegleiterinnen gemerkt, dass die Menschen zumindest in dieser ungewöhnlichen Zeit empfänglich sind für diesen Weg der Trauerbegleitung“, sagt die Vereinsvorsitzende Nicole Sieben. „Wir haben Gruppen am Leben gehalten durch Treffen auf Skype. Und auch wenn Einzelgespräche alsbald wieder möglich waren unter Einhaltung strenger Hygieneregeln, so haben wir selbst in dieser doch sehr persönlichen Situation manches Beratungsgespräch im Netz führen können mit Menschen, die diesen Weg in Corona-Zeiten aufgrund ihres eigenen Sicherheitsbedürfnisses vorziehen.“ So schlimm Corona war und ist, so positiv sind die Erfahrungen von Trauernde Eltern & Kinder mit den neuen Wegen, die beschritten worden sind. „Natürlich wünschen wir uns alle, dass baldmöglichst wieder normale Treffen und Gespräche in unseren Räumen möglich sind“, sagt Nicole Sieben. „Aber es hat unseren Verein gestärkt, dass wir diese Situation gemeistert haben und dass wir Erfahrungen gesammelt haben mit neuen Wegen der Trauerbegleitung.“ Da Trauernde Eltern & Kinder Rhein-Main im Dachverband VEID (BV Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Deutschland e.V. / www.veid.de)  ein sehr großes Einzugsgebiet zu betreuen hat zwischen Koblenz, der südlichen Pfalz, Osthessen und dem Saarland, war es in der Vergangenheit Hilfesuchenden oft nicht möglich, sich an den Verein zu wenden aufgrund zu großer Entfernungen zum Wohnort. Nach den Erfahrungen der Pandemie scheinen sich für die Zukunft neue Möglichkeiten zu ergeben, an die zuvor niemand geglaubt hat.

Kontakt: www.eltern-kinder-trauer.de / 06131 / 617 2658 / Facebook: @TrauerndeElternundKinder

Telefonsprechzeiten: Montag, Dienstag 9:00 – 12:00 Uhr, Donnerstag 14:00 – 17: 00 Uhr

Daniel Meuren