OPPENHEIM – Gute Geschichten fangen an mit: „Es war einmal, …“ – so auch diese! Milan von dem Bussche (damals 16) entwickelte eine Methode, wie man aus Plastikmüll Material für einen 3D-Drucker herstellen kann, was dann für die Herstellung von Handy-Hüllen im 3D-Drucker nutzbar wird. 2019 gewann er den Wettbewerb „Jugend gründet“ mit dem Produkt aus „Plastik-Müll werden Handy-Hüllen! Er arbeitete ständig an den Prozessen weiter, forschte an der Materialverarbeitung.

Im Lockdown im Frühjahr d.J. stellte er die Produktion um auf Schutzvisiere – „neudeutsch: FaceShield“. Ziel war es, den Mangel an Schutzkleidung zu mindern. Gesammelter und farbgetrennter Plastikmüll – in diesem Fall Flaschendeckel – schredderte er. Danach wurde dieser neuer Granulat-Grundstoff im Spritzguss-Verfahren zu dem Halter eines Schutzschildes geformt. Viel Arbeit beim 1. Exemplar, danach „Serienproduktion“ mit jetzt schon mehr als 6.000 produzierten Visieren. Die Hälfte der Visiere hat er gespendet, die andere konnte er verkaufen. Und das alles in der elterlichen Garage und parallel zum Schulalltag.

Nach vorn und in die Zukunft denken brachten ihn auf die Idee, dass ein Schritt in seinem Arbeitsablauf zu verbessern wäre. Schnell erkannte er, dass er diesen Schritt nur mit Unterstützung seiner drei Freunde gehen kann. Sie fingen an zu basteln. Immer professioneller wurde die Maschine – die eigentlich nichts anderes kann, als das aus Altplastik hergestellte Grundmaterial – dem Filament – auf Spulen zu wickeln. Eigentlich … der Elektromotor muss so laufen, dass der Filament-Faden nicht reißt.

Die Wicklung muss perfekt sein. Die einzelnen selbst zu bauenden Elemente sollen aus dem 3D-Drucker kommen, um kostenintensiven Einkauf zu vermeiden. Die Elektronik und die Software für die Geschwindigkeitsanpassung sind selbst entwickelt (was 3 Monate dauerte), die Steuerung Eigenbau.

Die Vier haben ihre Maschine JARVIS WINDER getauft. Ihr Produkt-Linie nennt sich JARVIS Ökosystem. Und auch schon die ersten Maschinen sind verkauft worden, eine sogar persönlich ausgeliefert und vor Ort eingewiesen. Was für Milan mit 17 Jahren und dem Bahntransport schon eine Herausforderung war.

„3D-Drucken“ – so Malte Ernst (17) – „heißt vorneweg 15 Stunden und mehr Designarbeit, dann ca. 8 Stunden Druck, um dann festzustellen, dass das Produkt doch noch nicht so perfekt ist, um es verwenden zu können. Also nochmal ändern und den nächsten Druck starten.“

Noel Lieder (16) freut sich darüber, dass „alles, was nicht unseren Ansprüchen entspricht, wieder geschreddert werden kann und neu in unseren Kreislauf geht! Lokale Nachhaltigkeit eben! Unser JARVIS Ökosystem besteht aus kompakten modularen Maschinen, mit denen du eigenes 3D-Druck Filament herstellen kannst. Wir wollen die Bereiche SAMMELN, ZERKLEINERN, SCHMELZEN UND DRUCKEN aus einer Hand anbieten.“

Selbst Filamente in verschiedenen Farben werden bald angeboten. Das Rohmaterial wird in Oppenheim und der Umgebung gesammelt und dann weiterverarbeitet.

Grundgedanke ist, solche Maschinen zu entwickeln, die allen Plastikmüll in die Tinte für 3D-Drucker – dem Filament – zurückbringt.

Und das wurde dann auch als Ziel festgelegt. Christoph Eisenach (18): „Bereits heute werden eine Vielzahl an 3D-Druckern in Deutschland betrieben, die alle ihre Fehlversuche haben. Denen fehlt es an der Möglichkeit, ihre falschen Teile zu recyceln und wieder zu verwenden um dadurch Kosten zu sparen. Und in diese Lücke wollen wir!“

3D-Drucker werden u.a. in der Zahnmedizin verwendet, in der Chirurgie, aber auch im produzierenden Gewerbe.

Die vier Jungs sind von ihrem Produkt so überzeugt, dass sie beim bundesweit ausgeschriebenen STARTUP TEENS BUSINESS PLAN WETTBEWERB teilnehmen. Aufgaben waren: Erstellung eines professionellen Businessplanes und Marketing-Elementen sowie Präsentation der Produkte vor einer Jury. Endausscheidung ist im Juni 2021.

Milan von dem Bussche ist überzeugt, „dass wir mit unserem Produkt weit kommen werden. Allein der Businessplan hat unheimlich viel Energie gekostet. Bis tief in die Nacht wurde an jedem Wort, jeder Zahl gefeilt. Und das neben der Schule. Unsere Eltern stehen hinter uns – aber natürlich wollen sie, dass die Schule noch den richtigen Stellenwert hat …“ Er grinst und schaut in die Runde seiner Mitstreiter – die ebenfalls grinsen. „Jeder von uns hat seinen Aufgabenschwerpunkt, dennoch überschneiden wir uns in vielen Bereichen. Z. B. schneidet Noel unsere Videos, er arbeitet aber auch im Maschinenbau. Wir sind eben ein Team!“

Und dass das ganze kein Märchen ist – „Es war einmal, …“ – zeigt die Teilnahme beim bundesweit ausgeschriebenen STARTUP TEENS BUSINESS PLAN WETTBEWERB. In 7 verschiedenen Kategorien treten Menschen zwischen 16 und 18 Jahren an, um ihre Business Idee zu präsentieren. Die Phase 1 „Businessplan“ sowie Phase 2 „Online Voting“ haben sie in ihrer Kategorie bereits gewonnen. Jetzt geht es ins Finale der besten 21 Teams in Berlin. Journal Lokal drückt kräftig die Daumen und wird dann auch wieder berichten!

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Wolf-Ingo Heers

Hightech aus Oppenheim – Filament Wickler aus der Denkfabrik QiTech
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