MAINZ – Anna ist freie Cutterin, vorwiegend für den Hessischen Rundfunk und das ZDF. Um Filme zu schneiden, muss sie nicht selten zu Ihrer Autorin nach Hamburg fahren. Dort sichten sie gemeinsam das Material, das Anna anschließend mit nach Frankfurt nimmt, um es an ihrem Schnittplatz zu bearbeiten. So geschehen, schickt sie den geschnittenen Film mit einem Kurierdienst wieder nach Hamburg. „Digitaler Alltag in zwei der größten Städte des Landes 2020“, sagt Bernd Wildemann, der Moderator des „MIT-Talk Mainz“ und eröffnet die Diskussion.

Beispiele wie das von Anna gibt es in Deutschland viele. Marode Infrastruktur und in der Folge zu wenig brauchbare Applikationen. Gleichzeitig gibt es Länder, die zeigen, wie es geht. Estland hat einen Großteil seiner Behördengänge ins Internet verlegt. Statt sich mit konkreten Lösungen zu
beschäftigen, habe sich die rheinland-pfälzische Landesregierung mit einer Politik der Überschriften begnügt, sagt Christian Baldauf, Spitzenkandidat der CDU für die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz. Wann sie nicht mehr nach Hamburg müsse, fragt Anna. Und was hat das eigentlich alles mit Corona zu tun?

Darüber hat Christian Baldauf mit Ines Claus, Vorsitzende der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag diskutiert. „Kein anderes Bundesland hatso eine umfassende Digitalstrategie wie Hessen“,
lobte Ines Claus den guten Fortschritt in Hessen. Christian Baldauf weist der Digitalisierung ebenso einen gewichtigen Stellenwert zu. er möchte Digitalisierung „nicht in einem
Digitalisierungskabinett abbilden, sondern ganz oben in der Staatskanzlei verankern“. Ergänzt wurde die Talk-Runde durch die Digitalisierungsexperten Prof. Dr. Dirk Loomans, Partner KPMG und Hendrik Adam, CEO die. Interaktiven.

Philipp Breiner, Vorstand der MIT Mainz berichtete über die Digitalisierung im Mainzer Mittelstand. Er sagt, dass es für die Unternehmen wichtig sei, dass Auszubildende bereits digitale Kompetenzen mitbringen. Es ist eine Aufgabe für die Bildungspolitik in Rheinland-Pfalz dabei neue Wege zu gehen. Wie lange aber Anna noch nach Hamburg pendeln muss, darauf konnte man
sich nicht festlegen. Einigkeit besteht aber darüber, dass auch nach der Corona-Krise das Tempo bei der Digitalisierung hochgehalten werden müsse.

Text von Philipp Breiner