HECHTSHEIM – So manche Besucherin des Hofladens Bauer-Schwaab in Hechtsheim fragt nach, was es mit den weihnachtlich gestalteten Päckchen auf sich hat. Bereitwillig erhält man Auskunft, dass es sich um eine Weihnachtsaktion der LandFrauen von Mainz-Hechtsheim handelt. Und zwar zugunsten von Nichtsesshaften des Thaddäusheims in Mainz. Und nicht selten ist die Reaktion: “Da bringe ich auch noch etwas.“

„Wir wollen Menschen, die am sozialen Rand der Gesellschaft leben, zeigen, dass sie nicht vergessen sind und ihnen eine kleine Freude zu Weihnachten bereiten“, erläutert Silvia Enders, 1. Vorsitzende der Hechtsheimer LandFrauen im Gespräch mit dieser Zeitung. Im November 2020 hatte sie mit dem Leiter der Caritaseinrichtung Kontakt aufgenommen und nachgefragt, was sich die Bewohner des Thaddäusheims denn zum Fest wünschten. Als Antwort erhielt sie von Thomas Stadtfeld folgende Dinge: Mund-Nasen-Bedeckungen, Taschenlampen, Vorhängeschlösser, Nagelfeilen, kalt verzehrbare Konserven, Hygieneartikel wie Einmalrasierer, Papiertaschentücher, Duschgel und vieles andere mehr.

Diese Wünsche habe sie an die elektronisch gut miteinander vernetzten Vereinsmitglieder kommuniziert und zu Spenden aufgerufen, so Enders. Jede, die sich angesprochen fühlte, konnte ab 30. November ihr Geschenk in die im Innenhof des Hofladens aufgestellten Kisten und Sammelboxen hineinlegen. Das Ergebnis der Sammlung übergibt eine Delegation der Hechtsheimer LandFrauen Mitte Dezember an die Leitung in der Mainzer Goldgrube. An Weihnachten finden dort Corona-bedingt mehrere Gottesdienste in Kleingruppen, ein Weihnachtsessen und eine Weihnachtsfeier statt, bei der die Präsente verteilt werden.

Wie hat alles angefangen?

Vor mehr als 25 Jahren traf Traudel Klein, eine Vorgängerin von Silvia Enders, zufällig einen Verantwortlichen des Thaddäusheims. Bei einem der so bezeichneten „Aktivkreise Pater Leppich“, einer sozial ausgerichteten Laienbewegung, vereinbarte man sich, nichtsesshaften Menschen zu Weihnachten mit einer Geste zu bedenken. Die Hechtsheimer LandFrauen, heute mit rund 350 Mitgliedern die größte Gruppe in Rheinhessen, starteten damals eine Plätzchen-Backaktion, sammelten diese und übergaben diese anlässlich der traditionellen Adventsfeier an das Heim. Im Laufe der Jahre wurde das Gebäck durch Kleiderspenden und Hygieneartikel ergänzt und schließlich ersetzt und es entstand das heutige Format der Weihnachtsaktion.

Die diesjährige Sammelaktion wird noch bis zum 14. Dezember 2020 fortgesetzt. „Dabei richtet sich unser Aufruf nicht nur an LandFrauen, sondern an alle Bürgerinnen von Hechtsheim und Umgebung“, konstatiert Silvia Enders. Wie die Schreibweise zeige, wendet sich der Verein nämlich nicht nur an in der Landwirtschaft Tätige, sondern an alle Frauen. Aber das ist eine andere Story.

Ulrich Nilles