OPPENHEIM – Warum dieses Positionspapier? In den letzten Wochen wurden die Deutsche Lebens Rettungs Gesellschaft (DLRG) Oppenheim und auch der Turnverein Oppenheim (TVO) seitens mehrerer politischer Kräfte/Fraktionen und anderer Interessengruppen auf das Hallenbad Oppenheim und vor allem auf die Frage angesprochen, was ein neu zu bauendes Hallenbad der VG Rhein-Selz in Oppenheim „braucht“, „wirklich braucht“, „haben muss“, etc. Mal indirekt mal recht direkt war dabei auch die Frage erkennbar, ob man nicht auf bestimmte Dinge verzichten könne. Unteranderem stand dabei das Thema Drei-Meter-Sprungturm oder Sprungturm und -brett generell nebst dem tiefen Becken im Fokus.

Um hier nicht immer wieder erneut einzelne Themenbereiche eines Neubaues in einzelnen Gesprächen darlegen zu müssen, haben wir seitens der DLRG und des TVO dieses Positionspapier erarbeitet, indem wir die Frage(n) beantworten, was ein neu zu bauendes Hallenbad der VG Rhein-Selz alles „braucht“. Dieses Positionspapier legt zum einen dar, welchen Mindeststandard ein solches Hallenbad vom Typ „Sport- und Breitensportbad“ definitiv haben muss, damit es – nicht nur – für die Zwecke von Vereinen wie der DLRG und des TVO aber auch für Schulen geeignet und nutzbar ist. Zum anderen haben wir auch kleinere Vorschläge und Ideen eingearbeitet, die man umsetzen könnte oder sollte, wenn man schon neu baut. Diese entstammen den Erfahrungen mit dem alten Bad und gelten vor allem der vereinfachten Nutzbarkeit eines neuen Bades.

Das Schwimmbecken/Hauptschwimmbecken

Das Hauptschwimmbecken muss eine Länge von 25 Metern, mindestens fünf Bahnen mit „schwimmbarer“ Tiefe von 1,5 bis 2 Metern und Startblöcken an einem Ende haben.

Begründung:

Die Anforderungen an das Hauptbecken entsprechen einem „Sportbecken“, in dem neben dem Breitensport auch zum einen Ausbildung nach den diversen Prüfungsordnungen (Schwimmabzeichen, Rettungsschwimmabzeichen, Sportabzeichen etc.) und schulischen Lehrplänen und zum anderen auch Schwimmsport auf Wettkampfniveau möglich ist.

Der DLRG und dem TVO stand Montags das gesamte Hallenbad für das Training zur Verfügung. Dabei haben beide Vereine in ihren Zeiten die fünf Bahnen voll ausgelastet. Auf allen Bahnen fand ein Training in nach Alter und Leistung gestaffelten Gruppen statt.

Sprungturm und -becken (integriert oder separat)

Unverzichtbar ist dabei auch ein Bereich mit 1-Meter-Sprungbrett, 3-Meter-Sprungturm und dem entsprechend tiefen Sprungbecken (3,6 bis 4 Meter). Ob man diesen Bereich wie bisher im bestehenden Bad in das Hauptbecken als durchgängig tiefen Bereich „an einem Ende“ integriert realisiert, oder statt dessen eventuell ein separates, kleineres Sprungbecken mit 1-Meter-Sprungbrett und 3-Meter-Sprungturm baut, wäre zu überlegen.

Das separate Sprungbecken könnte das jeweilige Volumen des nötigen Tief- und Hochbaus eventuell spürbar reduzieren. Zudem würde diese Ausführung auch ermöglichen, dass die 25-Meter-Bahnen des Hauptbeckens uneingeschränkt weiter benutzt werden können. Ist der Sprungbereich im Hauptbecken integriert, müssen erfahrungsgemäß wie jetzt im Opptimare immer zwei Bahnen „gekappt“ werden, solange von 1-Meter-Sprungbrett und/oder 3-Meter-Sprungturm gesprungen wird. Sind Hauptbecken und Sprungbecken getrennt, können beiden parallel und ohne gegenseitige Einschränkungen betrieben werden.

Begründung:

Der Bereich mit einem 1-Meter-Sprungbrett, einem 3-Meter-Sprungturm und dem entsprechend tiefen Sprungbecken ist aus mehreren Gründen unverzichtbar. Zum einen sind hier wieder die diversen Prüfungsordnungen maßgeblich. So wird bei verschiedenen Schwimmscheinen nicht nur jeweils ein oder mehrere Sprünge aus einem oder drei Metern Höhe abverlangt. Auch das „Abtauchen auf drei bis fünf Meter“ und „Heraufholen eines Gegenstandes“ ist als Ausbildungs- und Prüfungsleistung in verschiedenen Lizenzstufen vorgeschrieben. Für die DLRG ist spätestens bei der Tauchausbildung in den Lizenzstufen Schnorcheltauchen, Gerätetauchen und Rettungstauchen, die alle bei der DLRG angeboten werden, ein tiefes Becken für diverse Ausbildungsinhalte unverzichtbar. Fazit: Die diversen Prüfungsordnungen, die für alle Schwimmsportvereine gelten, aber teilweise auch vom Personal des Hallenbades auf Wunsch auch bei Badegästen abgeprüft wurden, als auch schulische Lehrpläne sehen damit auch explizit die Dimensionen „Höhe“ (Sprung aus …) und „Tiefe“ (Abtauchen in …) vor.

Außerdem machen Sprungbrett und -turm das Bad auch sehr attraktiv nicht nur für junge Menschen, sondern Schwimmbegeistert allgemein. Das zeigt die Erfahrung im bestehenden Bad seit Jahrzehnten, wo während des regulären Badebetriebes das 1-Meterbrett regelmäßig genutzt wird und auch sehr häufig die Öffnung des 3-Meter-Turmes beim Personal angefragt wird.

Das Nichtschwimmer- und Lehrschwimmbecken

Das neue Bad sollte über ein vom Hauptbecken abgetrenntes Nichtschwimmerbecken verfügen, das auch für Kinder Stehtiefe hat. Das Becken könnte auch in der Gestalt eines Lehrschwimmbeckens ausgeführt werden, das an einer Seite eine Treppe über die gesamte Breite und sehr geringe Wassertiefe – 30 bis 50 Zentimeter – hat und dann bis zur gegenüberliegenden Seite tiefer wird, aber auch dort noch Stehtiefe hat.

Begründung:

Im alten Bad hat sich die Hybridlösung des „Eines für alles-Beckens“ als Kombination aus Schwimmer- und Nichtschwimmerbereich mit absenkbarem Hubboden als ebenso unpraktisch wie störanfällig erwiesen und nicht bewährt. Unpraktisch im Publikumsbetrieb ist es, weil sportliche Schwimmer, die „Bahnen ziehen wollten“ immer nur halbe Bahnen schwimmen konnten. Die Abtrennung des Nichtschwimmerbereiches führte zu einer „Ballung“ im verkürzten Schwimmerbereich. Unpraktisch im Bereich Schwimmkurse/Anfängerschwimmausbildung während des öffentlichen Badebetriebes ist es, weil immer ein Teil des Schwimmbeckens vom öffentlichen Badebetrieb abgetrennt werden musste, damit ein unbeeinträchtigter Schwimmkursbetrieb möglich ist. Damit erfolgte neben der Abtrennung von Nichtschwimmer und Schwimmerbereich eine zweite Abtrennung, die die Wasserfläche für den öffentlichen Badebetrieb zusätzlich verkleinert hat und zwar sowohl im Schwimmer- als auch im Nichtschwimmerbereich. Das gilt genauso für reguläres Schwimmtraining von Vereinen während des Badebetriebes. Unpraktisch im Bereich Schwimmkurse/Anfängerschwimmausbildung war es zuletzt vor allem auch deshalb, weil der viel zu häufig defekte Hubboden dann eine Wassertiefe verursachte, in der Kinder nicht mehr stehen konnten. Das macht gerade zu Beginn eines Schwimmkurses die Wassergewöhnung und das Schwimmenlernen schwer bis unmöglich.

Das separate Nichtschwimmerbecken eliminiert all diese Probleme. Das Hauptbecken mit seinem 25-Meter-Bahnen stünde dem „schwimmfähigen“ Publikum, egal ob „Bahnenzieher“ oder „Bewegungsbadenden“, vollständig mit der gesamten Wasserfläche zur Verfügung. Und wenn man das Nichtschwimmerbecken während eines Schwimmkurses „hälftig“ teilt – entsprechende Maße vorausgesetzt – bliebe auch hier noch genug für das „nicht oder eingeschränkt schwimmfähige“ Publikum wie beispielsweise Eltern und Kindern im öffentlichen Badebetrieb übrig.

Anmerkung:

Diese Kombilösung aus Nichtschwimmerbecken mit der Ausgestaltung als Lehrschwimmbecken sollte genügen, um den Bedarf im Bereich Schwimmkurse zu decken. Ein separates, eigenes Lehrschwimmbecken wäre zwar „nett“ aber würde sicher nicht ausreichend mit Schwimmkursen und ähnlichen Angeboten ausgelastet, um den zunächst baulichen und später betriebstechnischen Aufwand zu rechtfertigen. Statt dessen wäre das erwähnte, separate Sprungbecken eine Überlegung wert.

„Ohne Keller“ – Materialraum zu ebener Erde

Für das Ausbildungsmaterial – Schwimmbretter, Poolnudeln, Tauchringe, etc. – sollte es einen Lagerraum zu ebener Erde, also auf dem gleichen Niveau des Schwimmbeckens geben. In diesem Raum sollte genug Lagerkapazität für alle das Bad nutzenden Vereine und Institutionen vorhanden sein. Dabei ist auf eine einheitliche und durchgängige Regal- und Schrankausstattung Wert zu legen.

Begründung:

Bislang lag das Material der meisten Vereine und Schulen im Keller. Der war nur über eine sehr schmale und unfallträchtige Treppe zugänglich. Das war nicht nur gefährlich, sondern auch unpraktisch. Das Material lag ein Stockwerk tiefer und damit weit weg. Wenn man etwas größeres und sperriges holen musste – beispielsweise eine größere Menge Poolnudeln oder Schwimmbretter – kam man mit dieser voluminösen Ladung nur mühsam die Treppe rauf und später wieder runter. Zudem sind dabei auch Stürze mit Blessuren vorgekommen.

Wenn das Material ebenerdig neben dem Schwimmbecken gelagert wird, ist es schneller und sicherer zugänglich. Dieser Lagerraum sollte wie schon erwähnt auch einheitlich mit nutzbaren Aufbewahrungssystemen ausgestattet werden, um einen Wildwuchs von Schränken,  Spinden, Boxen, Materialwagen oder „Gitterverhauen“ zu vermeiden.

Vorschlag:

Man sollte darüber nachdenken, dass man einen bestimmten Grundstock an Ausbildungsmaterial – zu denken ist an Schwimmbretter, Poolnudeln, Pullbuoys und Tauchringe – gemeinsam und damit für alle Vereine, Schulen etc. offen nutzbar macht. Es ist kaum sinnvoll, das jeder Verein separat eigene Poolnudeln etc. vorhält und diese jeweils separat „wegschließt“. Statt dessen sollte man solche Ressourcen gemeinsam nutzen und finanzieren. Dann wird die „Materialmasse“, die gelagert werden muss, kleiner und die Kosten für alle Beteiligten sinken auch, wenn man bestimmte Material „poolt“. Spezielles Material kann dann jeder einzelne Verein in dem Materialraum in einem eigenen Bereich in den Schränken/Regalen lagern. Aktuell liegen im Keller des Hallenbades gefühlt 800 bis 1000 Poolnudeln und wohl die gleiche Anzahl Schwimmbretter, weil jede Nutzergruppe alles selbst hat und lagert. Würde man einen gemeinsamen Materialpool nutzen, würden 80-100 Poolnudeln und ebenso viele Schwimmbretter mehr als ausreichen.

Anmerkung:

Wenn man das „Ohne Keller-Konzept“ konsequent umsetzt, also auch die Schwimmbadtechnik in einen Anbau zu ebener Erde auf Beckenhöhe unterbringt, reduziert sich nicht nur abermals das nötige Tiefbauvolumen. Die ganze Technik wäre auch für die Wartung etc. viel besser und leichter zugänglich. Man bräuchte keinen riesigen Keller mit allen dazugehörigen Bauwerken und Problemen wie einem Kran zum Heben oder Absenken schwerer Lasten mehr, so wie jetzt. Der Tiefbau könnte sich tatsächlich auf das „Eingraben“ des oder der Schwimmbecken und vielleicht einen schmalen Umgang (für den Zugang zu Rohrleitungen etc.) um dieselben beschränken. Das könnte die Kosten beim Bau und dem späteren Betrieb reduzieren.

Weiterhin wäre das Bad auch barrierefrei, wenn durchgängig alle Einrichtungen, von den Becken über Umkleidungen und Duschen, Eingangs- und Kassenbereich bis hin zu den Funktionsräumen (Materiallager, Technik, Personalräume, etc.),  „stufen- und absatzlos“ auf einer Ebene angesiedelt wären.

Idee aus Skandinavien

Hier noch eine Idee angelehnt an Schwimmbäder in skandinavischen Ländern, die dabei helfen könnte, Kosten zu sparen. In sehr vielen öffentlichen Schwimmbädern in Dänemark und anderen skandinavischen Ländern werden die Umkleidebereiche zwar getrennt nach Geschlecht, aber ohne zig-dutzende von einzelnen Umkleidekabinen realisiert. Es gibt eine Sammelumkleide für Herren und eine für Damen und dann jeweils die Spinde. Im alten Bad in Oppenheim gibt es ja im Prinzip gleich drei Umkleide-Bereiche: Jeweils eine Sammelumkleide für Herren und Damen und als drittes dann die „Kabinen-Sammlung“ dazwischen. Würde man im neuen Bad nur die beiden Sammelumkleiden für Herren und Damen entsprechend größer dimensioniert einrichten, aber den großen Bereich der  unzähligen Einzelumkleidekabinen durch einen kleinen Bereich mit mehreren Familienumkleidekabinen ersetzen, ließe sich Platz, technischer Aufwand (eine Vielzahl einzelner Kabinen, jeweils mit Tür mit Verriegelung, Spiegel im Inneren etc.) und damit Kosten sparen. In vielen Turnhallen und Fitnessstudios ist es nicht anders gelöst. Auch dort gibt es nur Sammelumkleiden nach Geschlecht getrennt aber eben nicht unzählige Einzelumkleiden.

DLRG Oppenheim & TV Oppenheim im Januar 2021