NIERSTEIN – Die Stadt Nierstein hat 2020 gezeigt, dass sie auch in schwierigen Zeiten lebenswert ist. „Wir waren agil, haben gemacht, was irgendwie ging“, resümiert Bürgermeister Jochen Schmitt. Die Bürger sollten spüren: Die Corona-Zeit treibt uns nicht ganz nach unten. „Trotz der Pandemie gibt es in der Stadt viele schöne Sachen, die genutzt werden können“, so Schmitt.

Der Stadtpark ist nur ein Beispiel. „Die Seniorenarbeit und viele Angebote des Evangelischen Familienzentrums sowie der Sportunterricht der Grundschule wurden hierhin verlegt“, erzählt der Bürgermeister. Auch die Sportvereine haben die weitläufige Anlage genutzt, um ihr Angebot zumindest zum Teil aufrechterhalten zu können. „In dieser besonderen Zeit hat sich gezeigt, wie gut es ist, dass wir in den vergangenen Jahren viel Engagement in die Grünflächen der Stadt gesetzt haben. Nicht nur für den Klimaschutz, sondern eben generell für die Menschen.“

Insgesamt 70 Bäume, die in den letzten Jahren aus verschiedenen Gründen aus dem Stadtbild verschwunden sind, wird der Bauhof im November ersetzen. Im nächsten Jahr werden weitere 70 folgen.  Bei der Auswahl hat man sich vor allem auf Sorten geeinigt, die trockene Sommer besser vertragen als zum Beispiel Bäume die in den letzten Jahren stark unter Trockenstress gelitten haben. Damit die Bäume auch wirklich groß und alt werden, wird der Bauhof bei ihrer Pflege zum Teil von Fachfirmen unterstützt. „Und wir planen, für nächstes Jahr eine Baumpflege-Nachbarschaftshilfe ins Leben zu rufen“, verrät der Stadtbürgermeister. Die Idee: In trockenen Sommern kümmern sich die Nachbarn um das notwendige Gießen der Bäume vor ihrer Haustüre.

Bis zum Frühjahr wird der Bauhof zudem eine Bewässerungsleitung an den Rathausbrunnen anschließen, damit künftig die Bäume und Rasenflächen dort gewässert werden können. „Wir müssen die Natur vital erhalten. 150 Jahre alte Bäume sind nicht einfach zu ersetzen“, erklärt Bürgermeister Schmitt. Gewässert werde nachts, damit wertvolles Wasser nicht verdunstet.

Und weil die generelle Erwärmung für Nierstein langfristig ein Problem darstellt, bemüht sich die Stadt schon jetzt bei der Erschließung von Neubaugebieten notwendige Ausgleichsflächen in größtmöglicher Nähe zu finden. Bäume dienen dann als natürliche Klimaanlage für die Stadt.  In der Gevrey-Chambertin-Anlage wurden und werden im nächsten Jahr kranke Bäume ersetzt und in den Heckenbereichen Blühstreifen integriert, um eine Biodiversität zu bekommen.

Auf einem guten Weg ist auch die Flurbereinigung in Nierstein. Sie soll bis 2028 abgeschlossen werden. Mit der Maßnahme werden derzeit Weinberge geordnet und zusammengelegt und verbindende Biotope geschaffen. „Damit wir dauerhaft überleben können, müssen wir hier etwas tun“, ist Bürgermeister Schmitt überzeugt. Insgesamt 6 der geplanten 12 Hektar neu geschaffenen Biotope sind bereits auf Dauerbegrünung umgestellt, damit künftig Bienen und Insekten Schutzbereiche und eine dauerhafte Bleibe vorfinden können. Unter anderen werden auch Steinhaufen angelegt für Eidechsen oder Steinschmätzer. Die Pflege dieser Grünflächen übernimmt die Stadt.

Offen ist die Stadt und ihre Mitarbeiter auch für eine Idee der Verbandsgemeinde, die den Einsatz von Lastenfahrzeugen angeregt hat. Vermutlich ab März können die Bauhof-, aber auch die Rathausmitarbeiter dieses Lastenbike für kleinere Dienstfahrten nutzen und schonen damit die Umwelt. „Wir müssen schauen, ob das funktioniert“, sagt Bürgermeister Schmitt. Er kann sich auch vorstellen, dass zum Beispiel der Kindergarten vom Lastenbike profitiert. „Wenn es da ist, wird es ausprobiert. Sollte es nicht funktionieren, wird es verkauft“, gibt sich Schmitt gelassen, frei nach dem Motto: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Für die Energiewende hat die Stadt Nierstein in der Vergangenheit einiges getan. Schon seit Ende 2015 bezieht man 100 Prozent Ökostrom mit modernen Umweltstandards und alle Leuchtkörper im Außenbereich sind auf LED umgestellt. „Im Rathaus sind wir noch dran, hier ist es schwieriger als zunächst gedacht“, so Schmitt. Eine billige Lösung wäre kurzfristig möglich gewesen, sie wäre aber nicht nachhaltig. Die Stromversorgung steht deshalb in den alten Gebäuden generell auf dem Prüfstand, ebenso wie der Einsatz von Photovoltaikanlagen inklusive Elektrospeicher, vor allem auf dem Haus der Gemeinde.

Im nächsten Jahr will der Bauhof mit der Umstellung von benzinbetriebenen Kleingeräte auf Elektrogeräte beginnen. Genutzt werden können dafür einheitliche Akkus die für alle Geräte passen und damit flexibel einsetzbar sind. Die Umstellung erfolgt Zug um Zug, also nur, wenn Altgeräte erneuert werden müssen. Unnötig Geld ausgeben kann und will sich die Stadt Nierstein nicht leisten.

Ähnlich hält es die Stadt mit weiteren Elektro-Ladestationen. „Wir sind offen für Kooperationspartner, selbst werden wir dafür aber kein Geld in die Hand nehmen müssen“, so Jochen Schmitt. Ladestationen nehmen in der Regel Parkmöglichkeiten für benzinbetriebene Fahrzeuge in Anspruch.  Diese Parkmöglichkeiten benötigt Nierstein jedoch für deine Besucher. Deshalb werden wir nur Ladestationen bauen die unbedingt notwendig sind und bei Bedarf die Infrastruktur sukzessive erweitern.  „Bei den E-Bike-Ladestationen haben wir einen guten Kompromiss gefunden“, weiß der Bürgermeister. Sie wurden vom EWR errichtet und von der Voba Rhein-Selz mitfinanziert. Sie dienen als Lade- und Werkzeugstation, haben also eine Doppelfunktion. „Wer ein E-Bike nutzt, lädt seinen Akku in der Regel zu Hause, Übernachtungsgäste laden abends in der Herberge.“ Für den Notfall seien aber Ladestationen vor Ort wichtig.

MOBILITÄT

Im Bereich Mobilität ist die Stadt Corona-bedingt noch nicht da, wo sie hinmöchte. Im Oktober ist zwar der neue Bus für die Einkaufsfahrten eingetroffen, bis Ende November durfte er aber aufgrund der Pandemieverordnung nicht eingesetzt werden. Hilfebedürftige Menschen wurden aber trotzdem unterstützt: Die Stadt hat Nachbarschaftshilfen organisiert oder selbst älteren Menschen Einkäufe nach Hause gebracht. „Nicht zuletzt, weil kulturelle Veranstaltungen wie der Kultursommer abgesagt wurden, hatten wir hier Kapazitäten frei“, erklärt Bürgermeister Jochen Schmitt.

Für März 2021 plant die Stadt die Anschaffung eines kleinen Elektroautos, das sowohl der Verwaltung, als auch dem Bauhof und für die Feldkontrolle zur Verfügung stehen wird.

BILDUNG

Im Bildungsbereich arbeitet die Kommune mit der Verbandsgemeinde als Schulträger der Grundschule eng zusammen, damit die Erweiterung gelingt. Geplant ist außerdem die Eröffnung einer neuen Gruppe im Katholischen Kindergarten. Die Rettung des Hortes steht auf der Agenda für 2021. „Ob uns das gelingt, wird sich im nächsten Jahr zeigen – die Kosten sind sehr hoch“, beschreibt Jochen Schmitt die derzeitige Lage.

Zwei wichtige Projekte der Stadt für 2021 sind auch die Entwicklung des Rhein-Selz-Parks und der Bau eines Dorfladens. Während sich die Umsetzung des Rhein-Selz-Parks aufgrund des Offroad-Rechtsstreits schwierig gestaltet, sieht es für den Dorfladen gut aus. Der zuständige Beigeordnete Norbert Engel hat in Carsten Ahr einen Kooperationspartner gefunden, der der Kommune ein altes Geschäftsgebäude im Ortsmittelpunkt vorerst kostenneutral zur Verfügung stellt. Zudem wurde eine Umfrage zur Nutzung gestartet und die Suche nach freiwilligen Helfern und weiteren möglichen Kooperationspartnern läuft. „Ich bin guter Hoffnung, dass wir 2021 einen Dorfladen eröffnen könne“, so Bürgermeister Schmitt.

 

Norbert Kessel