Herr Stenner, wenn man Ihnen gegenübersitzt, denkt man nicht, dass Sie das 80-ste Lebensjahr bereits überschritten haben. Was waren für Sie persönlich die prägendsten Ereignisse in Ihrem Leben?

Bereits in jungen Jahren habe ich ein Haus gebaut. Das ist für mich ein erfreuliches Ereignis gewesen. Mit meiner Familie hatte ich eine glückliche gemeinsame Zeit und erlebe sie heute noch. Auch mein Berufsweg erfüllt mich in der Rückschau mit großer Zufriedenheit. Ich bin nach wie vor Mitglied in vielen Vereinen und nehme aktiv am Laubenheimer Leben teil. Und nicht zu vergessen: als stellvertretender Ortsvorsteher stehe ich den Laubenheimer Bürgerinnen und Bürgern mit Rat und Tat zur Seite.

Wir sitzen heute in der Ortsverwaltung der Gemeinde. Was sind Ihre Aufgabenbereiche hier?

In erster Linie vertrete ich den Ortsvorsteher. Das ist in den letzten Jahren etwas weniger geworden, da Gerhard Strotkötter jetzt in Pension ist. Außerdem unterstütze ich unsere Sekretärin. Amtliche Sachen darf ich nicht machen, kann aber Fragen beantworten und beispielsweise Ausweise sowie gelbe Säcke ausgeben.

Und was haben Sie in Ihrem wirklichen Leben gearbeitet?

Zunächst war ich gelernter Bäcker. Später habe ich in nicht artverwandter Tätigkeit als Schweißer und Schlosser bei der Firma Zöller-Kipper gearbeitet und konnte dort sogar Prüfungen in diesen Bereichen ablegen. 1973 habe ich nochmals den Beruf gewechselt zum Versicherungskaufmann. Je länger ich diesen Beruf ausgeübt habe, desto mehr Spaß hat es mir gemacht, mit Menschen zusammen sein und mit ihnen zu reden.

… das klingt nach einem sehr breit gefächerten Berufsspektrum …

Ja, das ist so. 1997 ist mein Sohn als Versicherungsfachmann in mein Büro eingetreten, das ich 2003 an ihn übergeben und in Rente gegangen bin.

Herr Stenner, erzählen Sie unserer Leserschaft etwas über Ihren politischen Werdegang.

1972 bin ich in die SPD eingetreten. Seit vielen Jahren bin ich im Vorstand der Partei. Das war von Anfang an mein Bestreben, um mich politisch einbringen zu können. Als SPD-Mitglied war und bin ich auch im Ortsbeirat, war von 2009 – 2014 zweiter stellvertretender Ortsvorsteher und nach fünfjähriger Unterbrechung bekleide ich dieses Amt wieder, so Gott will bis 2024.

Wenn die Seite des FSV Alemannia Mainz-Laubenheim noch aktuell ist, sind sie dort bei den Sportkeglern in der Bezirksklasse 1 aktiv. Richtig?

Jain, die Abteilung der Sportkegler gibt es seit fünf Jahren nicht mehr, weil wir keinen Nachwuchs haben. Es gibt auch keine Sportkegelbahn mehr in unserer Umgebung, die den Wettkampfbedingungen entspricht. Um spielen zu können, müssten wir nach Ingelheim fahren. Wir haben seinerzeit die Kegelbahn in Hechtsheim genutzt. Wie auch beim Fußball haben wir unsere Wettkämpfe auswärts und in Heimspielen bestritten und sind sogar vier Mal aufgestiegen.

Sie waren aber auch in der Fußballabteilung der Alemannia tätig.

Bei der Alemannia bin ich seit 1950 Mitglied, zunächst von der Jugend an als aktiver Fußballer. Später war ich bis 1987 2. Vorsitzender und habe den Verein von 1987 bis 2013 26 Jahre lang als 1. Vorsitzender geführt. In dieser Zeit gab es viele Höhen und Tiefen. Der Verein ist immer ein Amateurverein geblieben. Und heute bin ich dort Ehrenvorsitzender.

… und in anderen Vereinen?

Das sind insgesamt zehn Laubenheimer Vereine: neben der Alemannia und der SPD bin ich Mitglied im Turnverein, beim Athleten-Club, bei der Sängervereinigung, beim Heimat- und Verkehrsverein, bei der Arbeiterwohlfahrt, den ULKern und den Schwarzen Gesellen und schließlich beim Förderverein der Alemannia, der unter meinem Vorsitz gegründet wurde und seit nunmehr 28 Jahren besteht. Nicht zu vergessen die Freiwillige Feuerwehr. Außerdem bin ich Mitglied im Bodenheimer Carneval-Verein, wo ich seit vielen Jahren als Laienschauspieler mitgewirkt habe.

Sie werden gerne scherzhaft zitiert: „Es ist mir egal, wer unter mir Ortsvorsteher ist.“ Das meinen Sie sicher nicht ernst …

Diese Aussage stammt nicht von mir. Sie ist in einer Fastnachtskampagne der Schwarzen Gesellen (SGL) vorgetragen worden. Der Ortsvorsteher echofiert sich nicht darüber. Herr Strotkötter nimmt das lustig auf und ist deswegen nicht beleidigt. Ich bin jeden Tag für die Bürger da. Und vor allem in der Zeit, als Herr Strotkötter noch berufstätig war, habe ich monatlich bis zu 30 Termine mit Gratulationen zu Geburtstagen, Goldenen und Diamantenen Hochzeiten übernommen, auch in Coronazeiten.

Foto: Ulrich Nilles

Zu Ihrem 80-sten Geburtstag wurde Ihnen im September 2018 die „Ehrenurkunde des Ortsvorstehers“ übergeben. Sicherlich nicht die einzige Auszeichnung in Ihrem langen Leben?

Im Juni 2019 hat mich der Oberbürgermeister der Stadt Mainz für mein Engagement ausgezeichnet. Und natürlich gibt es jede Menge an Urkunden für meine Vereinsmitgliedschaften und -tätigkeiten. Diese hängen in großer Anzahl bei mir zuhause an der Wand.

„Too Old To Rock `n´ Roll, Too Young To Die”. So lautet ein Titel der Band „Jethro Tull“ aus den 70-ger-Jahren. Was wünschen Sie sich ganz persönlich für Ihre Zukunft?

Wenn Sie von Rock `n´ Roll sprechen: ich tanze sehr gerne. Und wo sich die Gelegenheit geboten hat, da war der Paul mit seiner Frau dabei oder wurde zum Tanzen aufgefordert. Rock `n´ Roll hatten wir auch hier in Laubenheim, wobei ich die normalen Standardtänze bis heute bevorzuge.
An erster Stelle wünsche ich mir Gesundheit. Mein Wahlspruch dazu lautet: „So wie es jetzt ist, könnte es zwanzig Jahre bleiben und dann ein bisschen besser werden.“ (lacht).
Last not least wünsche ich mir besonders, dass mich unser Familienleben zusammen mit meiner lieben Frau, meinen Kindern und Enkeln und die Verbundenheit zu meinen Freunden weiterhin harmonisch begleitet.

Dankeschön, Herr Stenner, dass Sie sich die Zeit genommen haben, unsere Fragen zu beantworten. Journal LOKAL wünscht Ihnen alles Gute für die kommenden Jahre.

Die Fragen stellte Ulrich Nilles