ZORNHEIM – eigentlich ist sie deutlich älter, die 4.000-Seelen-Gemeinde im Rheinhessischen. Das belegen frühgeschichtliche Funde von der Jungsteinzeit bis zu den Römern. Letztere könnten auch das köstliche Getränk in das von Weinbergen umgebene, 214 Meter hoch gelegene Dorf gebracht haben, das im Süden und Westen vom Selztal begrenzt wird.

771 wird Zareganheim erstmals in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Fulda genannt. In den folgenden Jahrhunderten hatten verschiedene Klöster Grundbesitz in der Gemarkung, zuletzt das Mainzer Kloster Sankt Klara. Nach 250-jährigem Bestehen übertrug die damalige Äbtissin 1578 alle Gewalt über Zornheim an den Mainzer Kurfürsten und Erzbischof. Davon zeugt heute noch das Ortswappen: die beiden roten Balken auf silbernem Grund stehen für das Domkapitel, das silberne halbe Rad auf rotem Grund für das Erzstift Mainz. Einem kurzen Intermezzo unter französischer Herrschaft erfolgte 1816 die Geburtsstunde von Rheinhessen, durch die Übernahme der Region durch das Großherzogtum Hessen-Darmstadt – und Zornheim erlebte seinen ersten Aufwärtstrend.

Erster Aufwärtstrend

Mit der Verdopplung der Einwohnerzahl im Jahr 1890 auf 1033 und mit der damit einhergehenden ersten großen Ortserweiterung kam es um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert zu entscheidenden Weiterentwicklungen:

  • Bau eines zweiklassigen Schulgebäudes mit zwei Lehrerwohnungen
  • Fertigstellung der Kreisstraße Ebersheim-Zornheim
  • Erschließung eines Quellgebiets, Bau eines Wasserbehälters und Verlegung von Wasserleitungen
  • Elektrifizierung
  • Errichtung eines Schwesternhauses mit Kinderschule (Kindergarten)

Der Zornheimer Gemeindehof mit dem Sitz der Ortsverwaltung – Foto: Ulrich Nilles

Zweiter Aufwärtstrend

Nach kriegsbedingten Rückschlägen erfolgte ab 1950 der stetige Aufschwung Zornheims. Seine Lagegunst mit nur fünfzehn Kilometern Entfernung zur Landeshauptstadt und zum Rhein-Main-Gebiet sowie der Ausbau der Infrastruktur durch die Anbindung an die A63 in den 1970-ern und den ÖPNV Richtung Mainz und Nieder-Olm verwandelten das ehemalige Bauerndorf zur heutigen Wohngemeinde. In den 1960-ern wurden zahlreiche Neubaugebiete erschlossen und bebaut mit der Folge, dass die Einwohnerzahl 1980 auf über 3.000 anstieg und das Dorf sein heutiges Gesicht entwickelte.

… und heute

„Die Anfrage nach Baugrund in Zornheim übersteigt bei weitem das, was wir anbieten können“, äußert Ortsbürgermeister Dennis Diehl im Gespräch. Und weiter: „Aktuell entwickeln wir ein neues Baugebiet mit fast 40 Bauplätzen.“ Außerdem befinde man sich mitten in der Bauleitplanung des Gewerbegebiets „In der Bein II“. Die Erweiterung des Gewerbegebiets war aufgrund des hohen Bedarfs der ortsansässigen Betriebe so groß geworden, dass die Gemeinde sich zu diesem Schritt entschloss. Ein Landmaschinenunternehmen und kleinere Firmen sind Arbeitgeber für die Bevölkerung in der Region.

Weinbau

Landschaftsprägend und DAS Markenzeichen von Zornheim ist allerdings der Weinbau. Auf fast einem Viertel der Gemarkungsfläche rund um den Ort bewirtschaften sieben Winzer ihre Reben und vermarkten das Endprodukt ab Hof. In Weinstuben, beim Gutsausschank, in Straußwirtschaften und bei Hoffesten sind Touristen wie Einheimische zur Verkostung eingeladen. Darüber hinaus ist Zornheim seit 1990 mit Mareuil-le-Port in der Champagne verschwistert, die, wie könnte es anders sein, Weine zur Champagnerherstellung produziert.

Was macht Zornheim lebenswert?

  • die ruhige Lage jenseits der großen Verkehrsachsen
  • die örtliche Versorgungsinfrastruktur u. a. durch einen Lebensmittelhandel-Großhandel mit Bäcker und einen Obst- und Gemüsehof
  • die ärztliche Versorgung
  • Dienstleistungen wie Apotheke, Frisör, Post und Schreibwarenladen
  • Kindertagesstätten, die örtliche Grundschule, Spielplätze, ein Jugendtreff und Kursangebote der KVHS Mainz-Bingen

„Seit Herbst 2019 sind wir auch mit dem Aufbau eines Pflege- und Betreuungsnetzwerks für Senioren befasst“, stellt der Ortsbürgermeister Dennis Diehl fest. “Dieses Netzwerk wird dann von einem ehrenamtlichen Netzwerkbeauftragten betreut.“

„Und natürlich haben wir sehr viele ehrenamtlich Engagierte“, so die erste Beigeordnete Elke Tautenhahn. Viele sind in über 40 Vereinen und Initiativen für alle Alters- und Interessengruppen eingebunden, die überwiegend Mitglied im Vereinsring Zornheim sind und die die große Anzahl an Festen mitorganisieren.

In Abhängigkeit von den Terminen im (Kirchen-)Jahr verstehen es die Zornheimerinnen und Zornheimer, über 365 Tage ein dichtes Netz an Festen auf die Beine zu stellen:

Foto: Alexander Sell

  • Zornheimer Weinbergsleuchten (Ende Januar)
  • Sitzungen des Carneval-Vereins Zornheim und Festumzug
  • Osterfeuer der Handwerker des Turn- und Sportvereins Zornheim
  • Hoffeste und Weinevents (ab Mai bis August)
  • Lindenplatzfest der Freiwilligen Feuerwehr (Juni)
  • Zornheimer Kerb (Ende August) und Kartoffelfest (Ende September)
  • Aufführungen der Theatergruppe Alla-Hopp
  • Weihnachtsmarkt und Lebendiger Adventskalender
  • Jahresabschlussfest des Heimat- und Geschichtsvereins

Hinzu kommen ganzjährige Angebote der Zornheimer Backweiber und der IG Backofen auf dem Lindenplatz, wo man frisch gebackenes Brot erwerben kann.

All diese Feiern und Festlichkeiten sind in einem liebevoll gestalteten ZornheimerLEBEN-Kalender aus Anlass des 1250-jährigen Jubiläums der Gemeinde zu entnehmen, den man im Gemeindehof noch kaufen kann. Weitere Informationen zu den konkreten Veranstaltungen finden Sie unter www.zornheim.de.

Und welche Möglichkeiten bietet Zornheim außerdem, um seine Freizeit zu gestalten?

Auf dem 2015 neu gestalteten zentralen Lindenplatz steht eine Boulebahn zur Nutzung bereit genauso wie auf dem Sportgelände des TSV Zornheim, das neben dem großen und kleinen Rasenplatz, mit einem Kunstrasenplatz, einem Beachvolleyballfeld und mit Outdoor-Fitnessgeräten ausgestattet ist.

Das Ruhkreuz lädt zum Verweilen ein und ist Ausgangspunkt der Hiwweltour Zornheimer Berg, – Foto: Ulrich Nilles

Wanderbegeisterte können der gut ausgeschilderten „Hiwweltour Zornheimer Berg“ folgen. Der durch die Rheinhessentouristik prämierte Wanderweg ist mit zehn Tafeln ausgestattet, die über das Steinkäuzchen genauso informieren wie über die ehemalige Befestigungsanlage im Ersten Weltkrieg, der „Selzstellung“. Die Wanderung startet am Ruhkreuz, in dessen Nähe die Stehle „Schönste Weinsicht 2020 Rheinhessen“ des Mainzer Künstlers Ulrich Schreiber errichtet wurde.

Die Stehle „Schönste Weinsicht 2020 Rheinhessen“ von Ulrich Schreiber – Foto: Ulrich Nilles

Und wer sich für die Ortsgeschichte interessiert, kann eine Führung mit den beiden Kultur- und Weinbotschafterinnen durch Zornheim beantragen. Natürlich mit Weinverköstigung!

Journal LOKAL wünscht der Jubiläumsgemeinde alles Gute verbunden mit der Hoffnung, dass das für Juli 2021 geplante Festwochenende stattfinden kann.

Ulrich Nilles