HECHTSHEIM – „Generell gesehen geht es uns gut“, beschreibt Martina Lemb-Geist vom Weingut Zehnerhof  die Lage der Winzer im Ort. „Die Pandemie  hat uns nicht so arg betroffen wie andere Branchen.“ Wie zu erwarten, mussten freilich die Weinbauern je nach ihrer Vermarktungsstrategie finanzielle Einbußen hinnehmen: „Beispielsweise alle, die eine Gastronomie betreiben oder Gastronomen beliefern.“
Die Vermarktung an Direktkunden, die die meisten Hechtsheimer Winzer betreiben, lief weitgehend unverändert. „Erstaunlich gute Ab-Hof-Verkauf verzeichneten beispielsweise die Winzer, die Glühweinverkauf in den Wintermonaten angeboten haben.“ Positiv war zudem die Entwicklung für alle, die im Einzel- oder Fachhandel eingebunden sind. „Unsere Winzer kommen sehr gut an und die Leute kaufen tatsächlich regional ein.“
Leider sei das Probieren der Weine weggefallen, wenn auch nicht in Gänze. Die Corona-Pause befeuerte jedoch die Kreativität. „Online-Verkostung sind zur neuen Strategie geworden.“ Knapp ein halbes Dutzend Hechtsheimer Winzer bot die Weinverkostung via Internet an, wobei die Probepakete die Kunden rechtzeitig zum interaktiven Weintreff erreichten. Für die Kundenbindung und -gewinnung sei das Format ein Volltreffer, vermutet Lemb-Geist. „Gewiss werden manche es beibehalten, da sie auch das Equipment wie Kameras angeschafft haben.“
Dem Wein hat die Pandemie nicht geschadet. Die Saisonarbeiter, die hauptsächlich für die Handarbeiten im Weinberg zuständig sind, konnten im Spätsommer nach Deutschland einreisen und  ihre Arbeit verrichten.
Den Rebensaft von 2020 zeichnet eine hohe Qualität  aus. Der Austrieb kam sehr früh. Die Lese ebenso. „Wir haben  durchweg  gesunde und reife Trauben geerntet. Die Weine sind besonders  aromareich und kräftig. Ein toller Weinjahrgang.“
2021 ist die übrigens zwei bis drei Wochen später am Werk im Vergleich zu den vergangenen Jahren. Gewiss haben die Niederschläge im Winter und Frühjahr der Vegetation gutgetan. Anderseits könnte der Unterboden sogar noch mehr Wasser gebrauchen. „Aufgrund des späten Austriebs  werden wir vermutlich erst  Mitte September mit der Lese beginnen.“
Die Gestaltung des Eventkalenders zeichnet indes noch Ungewissheit aus. Das Corona-Aus für unzählige Mainzer Feste, das Marktfrühstück und den Weinstand am Rhein sowie das traditionelle Hechtsheimer Weinfest im Kirchenstück verursachte bis dato einen Umsatzausfall. Das soll nicht so bleiben. „Allerdings wissen wir im Moment nicht, wie sich die Lage weiterentwickelt. Die Hechtsheimer Winzer hoffen auf den Mainzer Weinmarkt und vor Ort auf die Kerb und die Winzertage, die am ersten und zweiten September-Wochenende ihren Platz haben. „Das ist für die Ortsgemeinschaft gut. Vielleicht wird was  daraus.“

Von Gregor Starosczyk-Gerlach