VG BODENHEIM – Permanent sinkende Inzidenzwerte haben dafür gesorgt, dass im zweiten Corona-Sommer die Bevölkerung auch in der VG Bodenheim aufatmen kann. Über die aktuelle Situation und die Aussichten für das zweite Halbjahr sprachen wir mit Verbandsbürgermeister Dr. Robert Scheurer (CDU).

Herr Bürgermeister, wo verbringen Sie dieses Jahr Ihren Sommerurlaub?
ROBERT SCHEURER: Auf dem Fahrrad! Mit meiner Frau und einem kleinen Freundeskreis machen wir eine mehrtägige Radtour durch die Pfalz und durch Nordbaden.

Wie ist bei Ihnen persönlich die Stimmung, was den zweiten Corona-Sommer angeht?
ROBERT SCHEURER: Ich bin sehr hoffnungsvoll, dass die Inzidenzwerte über den Sommer weiterhin sehr deutlich sinken werden. Die Gesundheitsdienste werden die Impfquote noch einmal gewaltig steigern. Noch besser wäre es allerdings, die Impfstoffversorgung könnte wirklich weltweit sichergestellt werden, gerade auch für die ärmsten Länder.

Wie würden Sie die Stimmung bei der Bevölkerung beurteilen?
ROBERT SCHEURER: Die meisten sind sehr vernünftig und zuversichtlich. Viele nutzen die Testmöglichkeiten, einige sind auch schon geimpft und erfreuen sich wiedergewonnener Freiheiten. Die in verschiedenen Lockdowns verfügten Einschränkungen erlebten viele Menschen als eine Art Fastenzeit, eine Zeit der Abstinenz, die ihnen wieder klar vor Augen hat, wie wertvoll doch die unscheinbaren kleinen Dinge des Lebens sind. Einfach einmal Familie und Freunde treffen können, spontan mal in eine Straußwirtschaft, ein Restaurant oder einfach einmal in ein Café gehen zu können. Das ist das wahre Leben, das ist Freiheit und das ist Lebensqualität.

Was an wichtigen Projekten konnte in der VG in der ersten Hälfte umgesetzt werden?
ROBERT SCHEURER: Wichtig war, dass wir uns alle, in Politik und Verwaltung, konsequent den neuen Herausforderungen gestellt haben. So haben wir alle Klassenräume in sämtlichen Grundschulen schon vor Weihnachten mit Lüftungsschirmen nach dem Modell des Mainzer Max-Planck-Instituts ausgestattet. Wir konnten auch im Schulrohbau in Lörzweiler, eine Lüftungsanlage baulich nachrüsten, die zuvor von der Schulbaurichtlinie nicht vorgesehen war. Über das Lüftungsförderprogramm haben wir auch Sporthallen mit hochwertigen Lüftungen ausstatten können. Zu sehen, wie tatkräftig alle Eltern mit anpackten, als die Schulen und hier das Bauteam um unseren VG-Bauhof und die Schulhausmeister sie brauchten, das hat richtig Spaß und Motivation gebracht.

War Home-Office eine Herausforderung?
ROBERT SCHEURER: In der Verwaltung wurden von der EDV-Abteilung für alle Mitarbeitenden Homeoffice-Arbeitsplätze eingerichtet.

Was tat sich noch?
ROBERT SCHEURER: Im Bereich Klimaschutz wurde von der Verbandsgemeinde-Verwaltung tagsüber ein Elektroauto als Car-Sharing-Fahrzeug angemietet, das den Bürgerinnen und Bürgern am Abend und an den Wochenenden als Mietfahrzeug über eine HOP-On-App sehr einfach und kostengünstig zur Verfügung steht. Das neue Car-Sharing Angebot auf dem Land wird reichlich genutzt. Wir haben den Digitalpakt Schule massiv vorangetrieben und die beiden ersten Klassenstufen der Grundschulen ebenso wie die Schüler mit Lehrmittelfreiheit mit I-Pads ausgestattet. Die 3. und 4. Klassen bekamen ein Leihangebot unterbreitet, das ihnen ermöglicht, bis Schuljahresbeginn iPads auszuleihen.

Die Ausstellungen in Ihrem Rathaus mussten ja pausieren.
ROBERT SCHEURER: Aber trotz des Ausfalls verschiedener Kunstausstellungen ist es uns zusammen mit Doris und Heiner Holland gelungen, gleich zwei Kunstausstellungen digital anzubieten. 2020 war es die Ausstellung „Die ältesten Bäume der Welt“ und ganz aktuell die Ausstellung „Blickachsen“. Beide virtuellen Ausstellungen sind auf der Homepage der Verbandsgemeinde Bodenheim abzurufen.

Eine Herausforderung war Corona sicherlich für die Kitas.
ROBERT SCHEURER: Die Kitas haben viele Konzepte in der Coronazeit erarbeiten und umsetzen müssen. Das Ordnungsamt hat ständig neue Regelungen um- und durchsetzen müssen. An dieser Stelle sei allen Mitarbeitern und Beigeordneten, Claudia Deubel sowie Rene Nauheimer und Wolfgang Böttger, ein ganz herzlicher Dank ausgedrückt.

Was ist in der VG in der zweiten Jahreshälfte geplant?
ROBERT SCHEURER: Baulich stehen in den VG-Kommunen über 40 Projekte an: Kitas, Sporthallen, Mehrzweckhallen und Schulen, außerdem unter anderem energetische Sanierungen, Bushaltestellen bis hin zu Fahrrad-Sammelschließanlagen, die im Herbst am Nackenheim Bahnhaltepunkt und später auch in Bodenheim aufgebaut sein werden.

Sie selbst amtieren jetzt seit mehr als zehn Jahren. Wie lautet Ihr Fazit dieser Jahre?
ROBERT SCHEURER: Es ist schön, in der Verbandsgemeinde Bodenheim nun im berühmten 11. Jahr Bürgermeister zu sein. Wo Wein angebaut wird, lässt es sich bekanntlich gut leben. Die Ortsgemeinden entwickeln sich prächtig; die Zusammenarbeit mit den Ortsbürgermeistern und den Gremien ist bereichernd und angenehm. Die ureigenen Aufgaben der Verbandsgemeinde, wie Bildung und Brandschutz, aber auch die spezifischen Verwaltungsaufgaben haben eine weitere positive Fortentwicklung erfahren, sind modern aufgestellt und arbeiten, das kann man schon sagen, auch über die Grenzen der Verbandsgemeinde anerkannt vorbildlich.

Mit welchen Gedanken würden Sie gerne Ihre zweite Amtszeit beenden?
ROBERT SCHEURER: Eine positive Entwicklung der Verbandsgemeinde in dieser Zeit mitbewirkt zu haben; dem Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger, vor allem aber dem aller in den Gemeinden ehrenamtlich tätigen Menschen gerecht geworden zu sein. Dazu gehört natürlich, dass wir uns allen Herausforderungen positiv gestellt haben, sie als Chance und nicht als Bremse begriffen haben. Dazu gehört, sich mit dem Klimaschutzkonzept, mit dem Klimaschutzmanager und allen Interessierten intensiv dem Klimaschutz zu widmen, vor allem, dass wir uns auch gegen die Klimafolgen stemmen und auch hier die Herausforderungen als Chancen für die Menschen und die Natur nutzen. Gerade der Jugend die Ängste zu nehmen und das Leben auch unter verändernden Verhältnissen erträglich und lebenswert zu gestalten, wäre mir wirklich ein großes Anliegen. Ich möchte aber auch, dass wir unsere Radwege deutlich ausbauen und vielleicht auch noch die eine oder andere Sportanlage errichten.

Das Interview führte Ralph Keim