ZORNHEIM – Die Mitte eines Jahres bietet sich immer an zu einem ersten Fazit – auch und besonders bei der Politik. Wir sprachen mit Ortsbürgermeister Dennis Diehl über 2021, das nicht nur unter den Vorzeichen von Corona steht.

Herr Bürgermeister, wie ist bei Ihnen persönlich die Stimmung, was den zweiten Corona-Sommer mit sinkenden Inzidenzwerten angeht?
DENNIS DIEHL: Noch kann ich nicht von Vorfreude sprechen, dass während oder am Ende des Sommers wieder Normalität einkehren würde. Einerseits freue ich mich über die Öffnungsschritte, insbesondere für die Kinder sowie alle Gewerbetreibenden. Auch lassen die Impffortschritte hoffen.

Aber es droht eine vierte Welle.
DENNIS DIEHL: Daher ist die Anspannung noch sehr hoch. Sollten wir tatsächlich eine vierte Welle bekommen und die Räder sich wieder rückwärtsdrehen, wird das Verständnis dafür meines Erachtens flächendeckend nicht mehr dasselbe sein wie im März und April beziehungsweise Oktober und November letzten Jahres. Ich sehe die aktuelle Situation also noch eher aus der Perspektive der mittelfristigen Sorge als der kurzfristigen Zuversicht.

Wie würden Sie die Stimmung bei der Bevölkerung beurteilen?
DENNIS DIEHL: Gerade das ist so schwer zu beurteilen. Gremiensitzungen finden größtenteils statt, auch die Sprechstunden der Beigeordneten und mir werden wahrgenommen. In erster Linie findet Austausch aber statt via Mails, Telefonate und Online-Konferenzen. Der ungezwungene persönliche Kontakt fehlt. Das gilt weniger für private Zusammenkünfte im kleinen Kreis, als mehr für öffentliche Veranstaltungen, an denen Gespräche vielleicht nicht explizit gesucht werden, sondern sich einfach ereignen.

Aber der harte Lockdown ist erst einmal Geschichte.
DENNIS DIEHL: Es werden mehr und mehr Vereins- und Gruppenaktivitäten wieder aufgenommen. Die Bücherei hat für den Besuchsverkehr wieder geöffnet, Sportplatz und Lindenplatzhalle werden allmählich wieder mehr und mehr genutzt. Musikalischer Einzelunterricht wird nun wieder stattfinden. Das Team des Bürgercafés kann sich wieder zu Gesprächen und Vorbereitungen treffen, nur um einige Beispiele zu nennen. Allerdings haben wir bereits das Jubiläumswochenende im Juli abgesagt, und für die Kerb Ende August sieht es derzeit nicht besser aus. Wir wollen entweder gemeinsam feiern oder gar nicht. Das aber sehen vermutlich nicht alle so.

Was an wichtigen Projekten konnte in Zornheim in der ersten Hälfte des Jahres umgesetzt werden?
DENNIS DIEHL: Ein Container als Personalraum wurde für die kommunale Kita Haus der Entdecker angeschafft und installiert. So gibt es mehr Möglichkeiten für die Kinder im Haus. Für das neue Pflege- und Betreuungsnetzwerk haben wir einen Netzwerkbeauftragten eingesetzt, der schon vor Monaten seine Arbeit aufgenommen hat. Parkplätze und Beleuchtung auf dem Außengelände der Hans-Steib-Halle sind fertiggestellt, so auch die Zuwegung von dort zur Grundschule. Es ist einiges auf dem Friedhof passiert: Vor der Trauerhalle und dem neu angelegten Urnenwiesengräberfeld wurde ein neuer Rasen verlegt. Der Aufbau zweier neuer Urnenwände ist bereits beschlossen und wird schätzungsweise im August durchgeführt. Zwei neue Gräberreihen auf dem oberen Teil des Friedhofs wurden fertiggestellt.

Was ist in Zornheim in der zweiten Jahreshälfte geplant?
DENNIS DIEHL: Die Einweihung Hans-Steib-Halle, die Einweihung Kapelle in den Weinbergen, die Einweihung und Eröffnung des Weinpavillons. Das ist zumindest geplant. Auch wollen wir Bürger finden, für die ein Elektro-Nachbarschafts-Auto in Frage käme. Für den Bebauungsplan Pfortengewann III soll nach der Offenlage der Satzungsbeschluss gefasst werden. Daraufhin folgt die Ausschreibung für die Erschließungsarbeiten.

Sie selbst amtieren jetzt seit knapp zwei Jahren. Wie lautet Ihr Fazit dieser Zeit?

DENNIS DIEHL: Meine Amtszeit hat begonnen mit vielen übernommenen Projekten aus der letzten Legislaturperiode, die derzeit noch laufen und hoffentlich in diesem Jahr oder im kommenden Jahr an ihr Ende gebracht werden können. Da hat man natürlich einiges vor der Brust, aber Corona hat das zumindest nicht besser gemacht. Aber ich bin mit den Themen ja nicht alleine. Entscheidungen werden in den Gremien besprochen, die Beschlüsse gefasst. Die Zusammenarbeit mit den Beigeordneten ist klasse und macht richtig Freude. Ich gebe aber gerne und ganz offen zu, ich wäre nicht enttäuscht, wenn nach Abschluss des ein oder anderen Projektes vorübergehend ein wenig mehr Ruhe einkehrte.

Das Interview führte Ralph Keim