BODENHEIM – Wie Journal Lokal schon in im Oktober 2020 berichtete, wurde das Ingenieurbüro „icon“ beauftragt, ein Hochwasser-Vorsorgekonzept für das Gebiet der VG Bodenheim zu entwickeln. 2020 gab es fünf Vororttermine, bei allen konnten auch die Bürger dazu kommen. Heinrich Webler, Sachverständiger für Wasserbau und Wasserwirtschaft, im Ingenieurbüro „icon“ ging auf alle Hinweise ein und schaute sich die Situation direkt vor Ort an.

„Der Graben Bodenheimer Bach erstreckt sich von der Kindertagesstätte Spatzennest bis zum Schöpfwerk Richtung Polder. Den Bach habe ich mir angeschaut – Da kann kein Wasser mehr abfließen“, stellte Heinrich Webler Ende September 2020 fest. Insbesondere macht den Bürgern Sorge, dass die Gräben zugewachsen und verschlammt sind. Diese können kein Wasser aufnehmen und vor allem nicht Richtung Rhein ableiten.

Günter Wachter wohnt mit seiner Frau im Bodenheimer Unterfeld. Beide beobachten seit Jahren, dass der Entwässerungsgraben direkt neben ihrem Grundstück, komplett zugewachsen ist. Günter Wachter: „Da fließt nix mehr Richtung Rhein. Wir haben Angst, dass sich das Wasser zurückstaut und dann in unser Haus fließt.“ Mit der Fertigstellung des Polders im Jahre 2009 wurde von der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd zugesagt, dass die Entwässerungsgräben durch die VG zu ertüchtigen sind. Das ist bis heute nur zum Teil, an dem Graben im Unterfeld überhaupt nicht umgesetzt worden. Günter Wachter: „Seit Jahren mache ich die bei uns für die Gräben verantwortliche Verbandsgemeinde Bodenheim auf den katastrophalen Zustand der Entwässerungsgräben aufmerksam. Bisher fühlte sich aber wohl niemand verantwortlich.“

Bach ist zugewachsen und teilweise versandet, Wasser kann jetzt schon nicht abgeleitet werden.
Foto: Wachter

Familie Wachter beobachtete, dass es vor kurzer Zeit Ansätze gab, den Graben zu reinigen: Nach 30 Minuten hat ein Mitarbeiter der VG verzweifelt aufgegeben, nachdem er gemerkt hat, dass es hier für seinen Mähroboter kein durchkommen gibt.

Günter Wachter fordert aus seiner Besorgnis um sein Eigentum, dass die Verantwortlichen sich endlich mal die Zeit zur Besichtigung nehmen. „Ich stehe gerne bereit und zeige denen mal die Ausmaße.“

Eines möchte er dringend verhindern: Bei einer Starkregensituation darf es nicht zu Überschwemmungen des Unterfeldes kommen. Denn es gab schon die Situation, dass dieser Graben bei einem Starkregen kurz vor dem Überlaufen war.

Heinrich Webler: „Der Regen fällt in den höheren Bereichen der Orte , z.B. Mühlberg oder Kreuzberg, und fließt dann Richtung Rhein, trifft in Bodenheim und Nackenheim mit dem dort gefallen Regenwasser zusammen. In den Böden versickern kann der Regen kaum: Zu viele Stellen sind versiegelt oder durch sommerliche Trockenheit nicht aufnahmefähig. Es gibt einen Rückstau, der zu lokalem innerörtlichen Hochwasser führt.“

Ortsbürgermeister Thomas Becker-Theilig betont: „Eines lässt sich bereits jetzt sagen, dass das in den 70er-Jahren hergestellte und um Bodenheim herum gelegtes Graben-Ring-System einen aus heutiger Sicht hervorragenden Schutz vor Hochwasserschäden aus Starkniederschlagsereignissen darstellt, soweit das Grabensystem auch funktionsfähig gewartet wird. Jegliche Abflusshindernisse vor allem an den Wegedurchlässen sind hier regelmäßig zu entfernen.“

Die Verbandsgemeinde hat ein Gutachten in Auftrag gegeben, wartet aber noch auf dieses. Dieses Gutachten soll nicht nur den Bereich Unterfeld abdecken, sondern die Situation in der gesamten VG Bodenheim beleuchten. Auch die Struktur- und Genehmigungs-Behörde Süd wurde schon eingebunden. Die Verbandsgemeinde betont, dass das Konzept – welches aus dem Gutachten herausgeht – unter einer Beteiligung der Öffentlichkeit weiter entwickelt wird.

Wolf-Ingo Heers