BODENHEIM – Was passiert, wenn ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr während eines Einsatzes einen Herzstillstand erleidet? Das gleiche wie bei jeder anderen betroffenen Person: Warten auf einen Rettungswagen. Dem wurde in Bodenheim durch eine vorbildhafte Initiative Abhilfe geschaffen.

Am kürzlich übergab Verbandsbürgermeister Dr. Robert Scheurer fünf automatische externe Defibrillatoren (AED) an die Freiwillige Feuerwehr der Verbandsgemeinde Bodenheim. Zu diesem Anlass hatten sich Vertreter aller Wehren der VG auf dem Gelände der Bodenheim-Nackenheimer Feuerwehr versammelt. „Ich freue mich sehr, dass unsere Feuerwehr diese Aktion initiiert und umgesetzt hat“, begrüßte Scheurer die Anwesenden. Und weiter: „Als Verbandsgemeinde war uns dieses Projekt sofort schlüssig und wir konnten es im Verbandsgemeinderat einstimmig unterstützten.“

Im Frühjahr 2021 hatte sich eine Planungsgruppe, bestehend aus Feuerwehrarzt Dr. Roman Haessler sowie den Notfallsanitätern Philipp Brekerbohm und Jens Rech, zusammengesetzt, um aus dem großen Angebot ein im Einsatz komplikationslos zu bedienendes Gerät herauszufiltern. Maßstäbe waren die Kompatibilität mit Fahrzeugen des Rettungsdienstes, die Haltbarkeit z. B. bei Spritzwasser und das nicht versehentliche Abschalten des Geräts.

Zur Finanzierung von fünf Geräten und einem Notfallrucksack trug die VG mit der Kostenübernahme von einem Drittel bei. Um die übrigen Kosten zu decken, startete die FFW vor Weihnachten 2020 einen Spendenaufruf an alle Bürger der VG. Dazu Wehrleiter Bernward Bertram: „Corona bedingt sind uns im vergangenen Jahr alle Einnahmen aus eigenen Veranstaltungen weggebrochen. Um die Kosten für dieses Projekt stemmen zu können, haben sich unsere Fördervereine an die Bürgerinnen und Bürger gewendet. Und dabei kam die dringend benötigte Summe zustande. Namentlich wurden größere Einzelspenden durch die beiden Bodenheimer Unternehmen Baufirma Lang und die Firma iC-Haus genannt. Weiterhin Einnahmen der CDU aus der online-Veranstaltung „Woigebabbel“ und die Ortsgemeinde Lörzweiler. Scheuerer und Bertram bedankten sich sehr herzlich bei allen, die zum Erfolg des Projekts mit einem Gesamtvolumen von 25.000 Euro beigetragen haben. Der Wehrleiter nutze darüber hinaus die Gelegenheit, seine Dankbarkeit an die beiden ortsansässigen Firmen für die großzügige Freistellung von Mitarbeitern für den aktiven Dienst auszusprechen.

Nach dem obligatorischen Fototermin fasste Jens Rech die wichtigsten Informationen zu den Geräten zusammen: „Das Gerät ist vollautomatisch. Es führt den Laien mit Sprachansagen schrittweise durch die Notfallsituation.“ Die aktiven Feuerwehrleute werden zunächst in Schulungen an einer Übungspuppe eingewiesen, die einmal jährlich wiederholt werden. „Es geht darum, Schwellen- und Berührungsängste zu verlieren“, ergänzte Dr. Scheuer. Eines der fünf Geräte ist mit einer EKG-Ableitung sowie Sauerstoff- und Kohlenmonoxidmessung ausgestattet. Diese und weitere Funktionen dürfen allerdings nur durch Rettungspersonal durchgeführt werden.- Genauso wie die Handhabung des Notfallrucksacks. Der Notfallrucksack enthält erweiterte Materialien zur Erstversorgung von Verletzten und akut Erkrankten. Weiterhin eine Auswahl wichtiger Medikamente, um eine professionelle medizinische Notfallversorgung schon vor Eintreffen des Rettungsdienstes durchführen zu können.

Die Ausrüstung wurde in erster Linie für die Aktiven in Einsatzsituationen beschafft. „Denn diese sind unser höchstes Gut“, waren sich alle Verantwortlichen zum Beschluss der Übergabe einig.

Ulrich Nilles