BODENHEIM – Einfach war es nicht, wie über 30 Anwohner im Bodenheimer Unterfeld bei der Begehung festgestellt haben. Natürliche Gewässer, Gewässer 1. bis 3. Ordnung, künstliche Gewässer, Oberflächen, Leitgraben usw. – wer ist für welches Gewässer zuständig ? Wen muss man ansprechen ?

Alle Teilnehmer einte ein Faktor: Die Angst vor einem Starkregen-Ereignis mit Überflutung des Unterfeldes und Eindringen von Wasser in die Häuser.

Die Verbandsgemeinde Bodenheim hatte die Anlieger eingeladen, um sich vor Ort die Situation anzusehen. Verbandsbürgermeister Dr. Robert Scheurer, Angelika Hanser von der VG, Heinrich Webler als Sachverständiger und Ortsbürgermeister Thomas Becker-Theilig stellten sich den Fragen.

Aber ganz von vorne: Dr. Scheurer und Heinrich Webler stellten die aktuellen Situationen für das Unterfeld dar. Bei einem Starkregen wird die Kanalisation nicht die Wassermengen aufnehmen können, das Wasser wird auf der Fläche stehen bleiben. Die Pumpwerke des Mainzer Abwasserbetriebes „saugen“ das Wasser aus der Kanalisation und spülen es in die Bäche. Dort soll es Richtung Rhein abfließen. Insgesamt betreut die VG 58 Kilometer Bachläufe.

Die Bäche können aber das Wasser nur abtransportieren, wenn sie frei von Bewuchs und Erde in der Sohle sind. Hier forderten die Anwohner, dass sich die Verantwortlichen die Bäche anschauen sollen. Als Beispiel wurde der Bach längs des Fichtenweges vor Ort betrachtet.

Die VG teilte mit, dass für 58 km Bachläufe nur 150.000 € im Haushalt stehen – das sind gerade mal knapp 3 € je Bachmeter! Das ist der Betrag, der für Dienstleister ausgeschüttet wird. Zusätzlich roden und reinigen die Bäche die beiden Mitarbeiter des VG Bauhofes.

Die zur Absicherung der defekten Brücke auf Höhe des Bauernhofes Göbel aufgestellten Warnbarken fanden sich im Bachlauf wieder. Ärmel ich und das Material aus dem Bach geholt – auch der VG Bürgermeister fast mit an! Müll und anderes findet sich immer wieder in den Bächen. Foto: Wolf-Ingo Heers

Günter Wachtler als Anwohner betonte, dass an vielen Stellen – vor allem am Ende – der Bach zugewuchert und mit Sediment gefüllt ist. Das Wasser ist schon öfters deutlich über die Ufer getreten und stand kurz vor dem Haus!

Leichter gemacht wird es durch Gesetze nicht. Angelika Hanser stellt fest, dass die Pflege der Bäche nur in einem kurzen Zeitfenster vom 1. 10. bis Ende Februar möglich ist. Das ist gesetzlich so geregelt. Hinzu kommt, dass vorrangig nur eine Bachseite gerodet werden soll, um den Tieren nicht ihre Lebensgrundlage zu nehmen! Stichworte: Naturseite und Pflegeseite.

Bei Bächen an Straßen – z.B. Fichtenweg – wird zusätzlich noch von Straßenbegleitgrün gesprochen, das nochmals anders zu bewerten ist.

Heinrich Webler: „Laut § 5 Wasserhaushaltsgesetz ist jeder Bürger verpflichtet, geeignete Vorsorgemaßnahmen zu treffen. Das muss nichts teures sein, da reichen schon einfachste Maßnahmen, um das Eindringen in z.B. Kellern zu verhindern!“

Was bringt die Zukunft ? Heinrich Webler: „Die Starkregen werde mehr, das bedeutet mehr Regen in kurzer Zeit. Es wird zu Wasser auf Straßen und Grundstücken kommen. Das kann man auch einer Studie des Deutschen Wetterdienstes entnehmen.“

Die VG hat ein Gutachten in Auftrag gegeben, um sich auf die geänderte Situation einzustellen, auch mit ggfls. baulichen Veränderungen. Denn bei Starkregen ist Bodenheim und das Unterfeld nicht alleine – das betrifft alle 5 Orte in der VG – denn der Regen aus den höheren Lagen fließt Richtung Rhein! VG Bürgermeister Dr. Scheurer: „Wir werden das Gutachten mit allen Bürgern besprechen und das in allen 5 Ortsgemeinden Es wird auch viele Hinweise enthalten, wie die Anwohner ihre Häuser schützen können.“

Wolf-Ingo Heers