BODENHEIM – Anlässlich des Jubiläums „200 Jahre Rheinhessen“ gründete die Ortsgemeinde Bodenheim ihr Festival „Kultur im Park“. Nach dem Pandemie-bedingten Ausfall 2020 erhielt der Beigeordnete für Kultur Andreas Kappel eine Anfrage der Gebrüder Christ zu einem Gastspiel der Laubenheimer „Kultur im Park. „Wir haben natürlich sofort zugesagt“, so Kappel. Es sei das Ziel, den Bodenheimer Bürgerinn und Bürgern kulturelle Abwechselungen in Zusammenarbeit mit professionellen Künstler*innen und Veranstaltern anzubieten. „Und mit dem Dollespark steht uns ein malerisches Ambiente zur Verfügung.“

Das Festivalkonzept sieht auch die Förderung des musikalischen Nachwuchses vor. Und der stand am Freitagabend mit dem

CelloDuo

auf der Bühne. 2018 von den U20-Cellisten Leo Stoll und Elias Hauth gegründet, erhielten die beiden bereits ein Jahr später den „Leonardo Award“ der Stadt Wiesbaden für ihre Kreativität. Und diese bewiesen sie auch vor dem Abendpublikum mit einer Auswahl aus ihrem Rock- und Poprepertoire: Nirvana, The Police, ACDC, die Titelmusik der „Love Story“ und „Walking Through the Jungle“ standen auf ihrem Programmzettel. Ob in atemberaubenden Tempo oder lyrisch vorgetragen, ob bei Verwendung unterschiedlichster Bogentechniken, ob in den tiefsten oder höchsten Lagen gespielt, Leo und Elias zeigten, dass sie das Spiel das Cellospielen auf höchstem technischem Niveau beherrschten. Und sie verstehen es, Klassik und Rock miteinander zu verbinden.

Ohne Notenblätter, hochkonzentriert und mit sichtbarer Freude am Musizieren begeisterten sie das Publikum, das sich mit lautstarkem Applaus bedankte und eine Zugabe einforderte.

Lukas Stoll und Elias Hauth spielen auch im

 

Kammermusikensemble Laubenheim

mit, besser bekannt als KAMEL. Im musikalischen Gepäck hatten die jungen Erwachsenen ihr neuestes Projekt „Filmreif“. Eröffnet wurde die fulminante Show durch ein Medley aus Erkennungsmelodien weltbekannter Filmstudios. Im Verlauf des Abends folgten noch weitere dieser Art. Eines, das eine Fülle von Melodien aus Kinderfilmen miteinander verband. Ein weiteres mit internationalen Serien-Highlights und schließlich der Zusammenschnitt einiger von Hans Zimmer komponierter Filmmelodien aus „Fluch der Karibik“.

Alle Medleys, genauso wie die zehn weiteren Titel von „Filmreif“ wurden von Johannes Christ eigens für das KAMEL arrangiert. Christ verstand es meisterhaft, die unterschiedlichen Kompositionen abwechslungsreich aneinander zu fügen. Auch das Arrangement für ein reines Streicherensemble gelang ihm perfekt. Umgekehrt setzten die Ensemblemitglieder des KAMEL das Notenmaterial in bekannter Manier bravourös um.

Alle Arrangements aufzuzählen würde den gegebenen Rahmen sprengen. Stellvertretend seien hier einige genannt: „Time“ aus dem Film „Inception, eine Minimal Music-artige Komposition. Drei Titel aus dem weltbekannten Musical-Fantasyfilm „Mary Poppins“. Als Solistin überzeugte Ensemblemitglied und Mitglied im jungen Staatsmusical Wiesbaden Janina Steinbach, unterstützt durch Teile des Laubenheimer Kinderchors unter der Leitung von Henriette Christ. Bei der Titelmusik zu „Der Pate“ taten sich Johannes Christ (Oboe/Englisch Horn) und Tobias Keil (Akkordeon) als Solisten hervor. Und zum Abschluss des zweistündigen Programms (Vangelis‘ „Conquest of Paradise“) mussten die Instrumentalisten spielen und gleichzeitig singen. Eine Herausforderung, die sie souverän bestanden und vom Publikum mit langanhaltenden Standing Ovations gefeiert wurden. Als Zugaben folgten „Winnetou“ und „Moonriver“.

Zu Gast beim KAMEL: Janina Steinbach und der Laubenheimer Kinderchor – Foto: Ulrich Nilles

Das Projekt „Filmreif“ ist auf CD erhältlich, der ersten des KAMEL, die es wegen der herrschenden Pandemie mit großem Aufwand eingespielt hatte. Außerdem zeigt das Ensemble einmal mehr seine soziale Ader. Sämtliche Einnahmen aus beiden KAMEL-Konzerten in Laubenheim und Bodenheim spendet es für die Opfer der Flutkatastrophe an der Ahr.

 

Oliver Mager und der Kinderchor der Privaten Musikschule Laubenheim

Um es gleich vorwegzunehmen: das gut einstündige Programm war ein voller Erfolg! Maestro Mager betrat zunächst alleine die Bühne auf seinem KiKoLiLa-LKW und animierte das Publikum mit Worten und Bewegungen. Dann trat der Laubenheimer Kinderchor auf die Bühne und sang gemeinsam mit dem Publikum den „Kühe melken und Traktor fahren-Song“, natürlich mit einer vorher eingeübten Choreographie. Und so reihte sich ein Lied an das andere, mal rockig („Das Kinderzimmer rockt“), mal poppig („Ich bin was Besonderes“), mal volkstümlich (ein Medley aus drei bekannten Mainzer Liedern), mal durch Oliver Mager am E-Flügel, mal durch eine Musikeinspielung begleitet. Aber immer mit Bewegungselementen zum Gesang, sodass den Kids auf und vor der Bühne volle Konzentration abverlangt wurde. Zu zwei Songs trug Henriette Christ kurze Text vor. Sie warb für Nachwuchs bei der Kinderfeuerwehr und erklärte zum „Moguntia“-Song, wie die Römer nach Mainz kamen. Eine weitere Spezialität Magers ist es, Menschen aus dem Publikum auf die Bühne zu bringen. Sogar dem Veranstalter Johannes Christ blieb nichts anderes übrig, als sich vor dem Publikum zu präsentieren. Und die Technik ließ es schneien ließ und Seifenblasen regnen. Ganz besonders soll ein junger Mann aus dem Chor erwähnt werden, der während des rockenden Kinderzimmers auf seinem Saxophon gekonnt improvisierte.

Nach einer kurzweiligen Stunde bedankte sich Oliver Mager und verteilte an alle Kinder KiKoLiLa-Gummibärchen.

Auch das passiert bei einem Open Air-Festival. Foto: Janina Steinbach

Am Ende eines viertägigen, gelungenen Festivals gilt es Dank zu sagen an Johannes und Manuel Christ mit ihrem großartigen Team, an die Ortsgemeinde Bodenheim, an Kai Wolf und seinem Team von Wolflights Veranstaltungstechnik, stellvertretend für die Bodenheimer Vereine an Janneck Schäfer für das Catering, die immer hilfsbereite Security und an die geduldigen Sanitäter.

Großartig, und weiter so!

Ulrich Nilles