NACKENHEIM – Das kleine, liebevoll MUXUM genannte Ortsmuseum in Nackenheim ist über die Region hinaus dafür bekannt, Künstlerinnen und Künstlern Gelegenheit zur öffentlichen Präsentation zu bieten. Wir berichteten mehrfach. Noch bis zum 21. Januar 2022 zeigt Olga Trachkova hier eine Auswahl ihrer Werke, Ölgemälde und Tuschezeichnungen. Journal LOKAL nutzte die Gelegenheit zu einem Gespräch mit der Künstlerin.

Frau Trachkova, gab es für Sie ein Schlüsselerlebnis, um Künstlerin zu werden?

Nein, das gab es nicht. Als kleines Mädchen habe ich bereits sehr gerne Feen, Prinzessinnen und Damen gemalt und die Kinderkunstschule besucht.

Seit wann befassen Sie sich intensiv mit Kunst?

Seit meinem 15-ten Lebensjahr. Zunächst habe ich die Kunstfachhochschule von Dnepropetrowsk besucht und dort mit einem Diplom abgeschlossen. Ein Jahr zuvor hatte ich bei einem professionellen Künstler Privatunterricht in akademischem Zeichnen. Diese Vorbereitung war extrem wichtig, da die Aufnahmebedingungen sehr hoch waren. Bis heute bin ich meinen Eltern sehr dankbar, dass sie mich unter schwierigen Bedingungen unterstützt haben.

Anfang der 2000-er war ich dann auf der Fachoberschule Gestaltung in Mainz, um anschließend an der Fachhochschule Mainz Kommunikations-Designerin studieren und abschließen zu können.

Und dann folgten die ersten Ausstellungen?

Ja, besonders wichtig für mich war die Begegnung mit Monika Gerdes, die mich zur Ausstellung „Künstlertreff“ 2010 eingeladen und mir Mut gemacht hat, mich umfassender mit Malerei zu beschäftigen. 2016 habe ich die Galeristin Gabriele Lehnert kennengelernt, die auch heute noch meine Bilder vermarktet. Im Heimatmuseum Undenheim konnte ich 2020 meine erste Einzelausstellung präsentieren gefolgt von einer weiteren, „Emotions“ in der Kulturei der Zitadelle Mainz.

Und 2021 sind Ihre Bilder in Nackenheim zu sehen. Erzählen Sie bitte etwas dazu.

Gerne, aber dazu muss ich etwas ausholen. „Manche Männer bemühen sich lebenslang, das Wesen einer Frau zu verstehen. Andere befassen sich mit weniger schwierigen Dingen wie z. B. der Relativitätstheorie“ (www.zitate.eu), sagte einmal Albert Einstein. Ich befasse mich mit dem Wesen der Frau! Als Künstlerin bin ich imstande, Frauen aus der Sichtweise eines Mannes anzuschauen. Frau ist für mich wie für viele Künstler*innen eine Quelle der Inspiration. Sie ist ein Geheimnis, ein Objekt der Begierde, das lockt. Und sie ist ein visuelles Erlebnis, das ich in meinen Bildern erfassen möchte.

Und dazu wählen Sie die Kunstrichtung der Pop Art.

Richtig. Seit 15 Jahren beschäftige ich mich mit diesem Stil und habe meine eigene Ausdrucksweise in der Pop Art entwickelt. Es ist eine tolle Möglichkeit für mich, unterschiedlichste Gemütszustände mit knalligen Farben zu kombinieren. Beides fördert gute Laune und wirkt stimmungsaufhellend.

Bügellust. Foto: Olga Trachkova

In deutlichem Kontrast dazu stehen Ihre Tusche-Zeichnungen auf Papier, die im Treppenhaus des Museums hängen.

Tutu noir. Foto: Olga Trachkova

Hier geht es um den psychologischen Bereich. Das Material ermöglicht es, dieses subtile Thema abzubilden und den typischen, wechselhaften Charakter einer Frau durch Licht und Schatten zu gestalten. Nehmen wir die Zeichnung „Tutu noir“. Sie steht symbolisch für Leichtigkeit und Harmonie. Dabei ist es allgemein bekannt, wie viel schwere körperliche Arbeit eine Balletttänzerin leistet.

Seit 2014 sind Sie freiberufliche Grafik-Designerin und Künstlerin. Wie sieht das Alltagsleben einer freien Künstlerin aus?

Mein Tag beginnt sehr früh. Nachdem ich meine Familie versorgt habe gönne ich mir eine Stunde Sport oder einen Spaziergang an der frischen Luft, um meinen Gedanken freien Raum zu schaffen. Ansonsten widme ich mich der Malerei, die im Vorfeld vielfältiger Arbeit und Beschäftigung bedarf. Darüber hinaus unterrichte ich Kunst für Senioren und Privatpersonen. Auch die Akquise gehört zu meinem Alltag. Je länger ich freie Künstlerin bin, desto glücklicher bin ich. Für seine Unterstützung bin ich meinem Mann sehr dankbar.

Auf Wunsch fertigt Olga Trachkova auch Kinderportraits an. Foto: Olga Trachkova

Ulrich Nilles