Start Kultur “Schwarzweiß ist Farbe genug“

“Schwarzweiß ist Farbe genug“

HECHTSHEIM – Das Zitat von Barbara Klemm prangt an der Wand der oberen Etage eines eigentlich ganz normalen Wohnhauses und begrüßt die Gäste zu „Kunst im Haus“. Doch der Eindruck eines gewöhnlichen Hechtsheimer Eigenheims verschwindet augenblicklich. Ehe man das Anwesen betreten hat, hat es einen. Es überkommt einen das Gefühl, hier wird nicht nur gelebt. Hier wird auch gearbeitet und das mit ganzer Freude. Der „Job ist ein Teil des Lebens und umgekehrt“. Ein Teil des Lebens von Andreas Koridass und seiner Frau Marietta Wahlen. Die angekündigte Veranstaltung „Kunst im Haus“ lockt an einem Sommersamstag in die eindrucksvoll angelegten privaten „Kunsthallen“ des Rießlingwegs 30. Bewegt man sich durch Wohnzimmer, Küche, in den Fluren: An sämtlichen Wänden, den Treppengängen hinauf und wieder hinab, überall erwarten einen überwiegend Schwarzweiß-Fotografien, dazwischen auch eindrucksvolle Makroaufnahmen von beispielsweise wildwachsendem Blütenhartriegel aus dem eigenen Garten. „Lost and Destroyed Places“, Streetfotografien, die im Vorbeigehen entstanden sind. Auch Farbe ist im Spiel, vor allem die sich zu bewegen scheinenden Wasserszenen, wie etwa einem kleinen Priel im Moor, bei dem das das darin eingefangene Sonnenlicht das Moorwasser wie Honig erscheinen lässt. Skurril und bunt wird es im „Krimskramszimmer“ und illustrieren, das tut Andreas Korridass auch. Mittlerweile den dritten Kinderbuchband seiner Frau über den Koalabären „Puschel“. Beide sind mittlerweile zu Koalaexperten geworden und betonen, dass der Koala gar kein Bär ist.

Es erhellt sich die Sicht, als befinde man sich in einer Ausstellung. Ganz privat und dennoch öffentlich und stimmig. Die Fotografien von Andreas Koridass zeigen die Wichtigkeit des Fotografierens und seinen Blick für den Augenblick. „Die Sicht und das Licht. Darum geht es. Nicht darum, irgendwas zu knipsen“, betont Koridass. Wandern und Fotografieren, beides habe auch etwas Meditatives. „Es ist wie in einem Museum“, beschreibt eine Besucherin die private Kunstausstellung. „Dennoch wirkt alles so vertraut.“ Kein Wunder. Die Idee des Grafikdesigners und Bildhauers und seiner Frau, das eigene Haus für Besucher und die Kunst zu öffnen, kommt an. In nahezu jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken. Das Ambiente wird mit Getränken, Brot und mediterranen Snacks abgerundet, während der Garten an diesem Tag zum „Künstlerfrühshoppen“ und zum Verweilen einlädt. „Wir wollen Gastgeber sein und die Möglichkeit eröffnen, die Überwindung zu verlieren, die es vielleicht manchmal für den Gang in eine Ausstellung braucht“, sagt der Künstler und spricht darüber, dass die öffentlichen Räume für Künstler immer weniger würden. „Produzentengalerien sind so eine Sache.“ Andreas Koridass ist Fotograf. Er hat das Handwerk mit der Kamera von der Pike auf gelernt. Damals noch in einem Fotolabor, kommt dem Bildhauer und studierten Grafikdesigner auch sein Kunststudium zugute. Seine Naturverbundenheit habe der gebürtige Wiesbadener von seinem Vater. Einem Förster, und seine Frau berichtet davon, in einer Künstlerfamilie groß geworden zu sein. „Es lässt sich gut mit der Kunst leben und besonders für die Kunst“, so Marietta Wahlen, die weiter berichtet, mit Unterbrechungen seit 2001 das gemeinsame Heim für die Kunst zu öffnen.