Themenabend im Azurit Seniorenzentrum informiert über Vorsorge für das Alter

Sörgenloch – Welche Kosten muss eine Privatperson oder deren Angehörige tragen, wenn eine Fremdversorgung notwendig wird? Und welche Kosten werden von den Krankenkassen oder dem Sozialamt übernommen? Diesen und weiteren Fragen ging der Themenabend „Gut vorbereitet im Alter“ des AZURIT Seniorenzentrums Sörgenloch vor rund 40 Interessenten nach. Darüber hinaus wurde verdeutlicht, warum es sinnvoll ist, eine Patientenverfügung, eine Betreuungs- oder Vorsorgevollmacht schriftlich niederzulegen – und wo die Unterschiede liegen.

Mit dem zum 1. Januar in Kraft getretenen „Pflegestärkungsgesetzt (PSG) II“ wurden Pflegebedürftige neu eingestuft, so Robert Höning von der AOK. Bis Ende 2016 wurden pflegebedürftige Menschen mithilfe von drei Pflegestufen in der Pflegeversicherung eingestuft. Mit dem PSG II sind es jetzt fünf Pflegegrade: Die Einstufung ist davon abhängig, ob und aufgrund welchem Zeitaufwand ein Versicherter Leistungen der Pflegeversicherung erhält. In der Regel bewertet ein Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherungen (MDK) in sechs festgelegten Bereichen des täglichen Lebens, was der pflegebedürftige Mensch allein tun kann und wobei er Hilfe benötigt. Abhängig von dem dann festgestellten Pflegegrad werden Leistungen der Pflegeversicherung gewährt. „Pflegebedürftige sind mit dieser Umstellung im Rahmen des Besitzstandschutzes finanziell nicht schlechter gestellt als zuvor“, betont Höning. Viele seien mit dieser Gesetzesänderung sogar bessergestellt.

Mit überraschenden Zahlen wartete Klaus Sommer von der AXA-Versicherung auf. 73 Prozent der rund drei Millionen pflegedürftigen Menschen werden zu Hause versorgt. Dabei werden nur 50 Prozent der entstehenden Kosten von den gesetzlichen Kassen übernommen. Hier gelte es also, Vorsorge zu treffen, um diese Lücke zu schließen. Dies betreffe auch die Kosten für ein Pflegeheim, so Sommer weiter, denn die monatliche Finanzlücke kann bis zu 2.000 €uro bei der Pflege zu Hause und bei der Unterbringung am Beispiel Seniorenheim Sörgenloch sogar 2.600 €uro betragen.

„Da kann schnell das Ersparte aufgebraucht sein“, betont Sommer, „denn selbst 40.000 €uro reichen da nicht einmal drei Jahre um die Kosten zu decken!“ Je nach Vermögensverhältnissen zahlt auf Antrag das Sozialamt einen Teil oder die gesamte Differenz, eine entsprechende private Pflegevorsorge erscheint sinnvoll. Denn nach § 1601 BGB sind „Verwandte in gerader Linie zum Unterhalt ihrer Eltern verpflichtet.“ Jedoch muss das Sozialamt bestimmte Kosten und einen Selbstbehalt für den Zahlungspflichtigen, dessen Ehepartner sowie die Kinder berücksichtigen. Wie hoch die voraussichtliche Unterhaltspflicht ist kann unter www.elternunterhalt.org/elternunterhalt-rechner.php als Anhaltspunkt selbst berechnet werden.

Patientenverfügung, eine Betreuungs- oder Vorsorgevollmacht – diese Themen veranschaulichte Claudia Korn, Fachanwältin für Medizin- und Arzthaftungsrecht in Wiesbaden. Mit der Vorsorgevollmacht wird eine bevollmächtigte Person festgelegt, der mit Unterschrift unter die Vollmacht „volle Macht“ für den Vollmachtgeber erhält. Diese ab Unterschrift rechtsverbindliche Vollmacht schließt eine gerichtliche angeordnete Betreuung grundsätzlich aus. Eine Betreuungsverfügung ist im Unterschied zur Vorsorgevollmacht nicht rechtsverbindlich. Diese Verfügung alleine berechtigt den Betreuer nicht, Entscheidungen für die betroffene Person zu treffen. Die entscheidende Frage ist: Möchte der Verfügende, dass seine Vertrauensperson alleine und unabhängig entscheiden kann – dann sollte eine Vorsorgevollmacht erteilt werden. Oder soll die Vertrauensperson gerichtlich bestätigt, überwacht und ggf. abgesetzt werden können – in diesem Fall ist die Betreuungsverfügung die richtige Alternative.

Über allem steht rein rechtlich die Patientenverfügung, die ebenfalls schriftlich niederzulegen ist. Allerdings wird diese nur zu Rate gezogen, sofern der Patient sich selbst nicht mehr äußern kann. Denn entscheidend ist: Für Arzt und Vertreter hat der Wille des Patienten oberste Priorität. Der aktuelle Willen des einwilligungsfähigen Patienten hat immer Vorrang. Dies gilt auch dann, wenn der Patient einen Bevollmächtigten oder Betreuer hat.