Vor der Premiere: GRIMM! – Ein Wolf kann eben keine Ziegen hüten

Mainz/Mombach – Wenn ein Wolf in ein Dorf kommt, passiert so allerlei, nicht nur Dramatisches oder gar Tragisches, sondern auch Komisches. Trifft er dort auf eine allein erziehende Ziegenmutter und diese ist auch noch Mainzerin – man kann es deutlich an der Aussprache hören – ist dies im Gesamtkontext mehr als witzig. „Grimm!“, so nennt sich der Wolf im fantastischen Thriller rund um die Konflikte zwischen Dorfbewohnern und Waldwesen. In Kooperation mit den Mainzer Kammerspielen zeigt die Musical Arts Academy vom 20. bis zum 23. April das Stück, für das Autor Peter Lund 2015 der Deutsche Musical Theater Preis in der Sparte „Bestes Buch“ verliehen wurde. Die Musik von Thomas Zaufke ist kongenial mitreißend zum Buch.

Die Lokale Zeitung durfte in den Kammerspielen einen Vorgeschmack erleben auf die Aufführungen. Hier kommen Theater, Musik und Tanz gleichberechtigt zur Geltung und vereinen sich zu einem Meisterwerk. Dafür haben Regisseurin Claudia Wehner, Choreografin Chris Ertelt und Björn Breckheimer, Direktor der Academy, auf geniale Weise gesorgt. Nicht minder beeindrucken die Absolventen der Musicalschule zwischen Abschlussprüfung und Engagements.

„Das Stück zeigt, wie vielfältig das Musical sein kann“, sagte Björn Breckheimer bei der Pressekonferenz mit Bühnenbeispielen. Wer das klassische Musical liebt, wird begeistert sein. Aber auch diejenigen, die sich dem Genre sonst nicht so zugeneigt zeigen. Denn es ist echtes Theater, hat die Qualität eines großen Dramas und ist in den schaurigsten Momenten lustig. Für Erwachsene konzipiert, werden Jugendliche es lieben. „Ein Glücksfall, ein Knaller“, urteilt Wehner. Mit Charakteren, ausgearbeitet zu einer Musik, die ohne Trallala Qualität pur beinhaltet und dennoch Ohrwurmpotenzial aufweist.

Geschickt spielt die Geschichte mit den bekannten Klischees rund um Rotkäppchen und den bösen Wolf, die armen Geißlein, die lustigen drei Schweinchen, treuen Jagdhunden, braven Bürgern, ausgeflippten Großmüttern und einer alles überwindenden Liebe.

Der erste Jahrgang, der unter der Leitung von Breckheimer nun in den Beruf entlassen wird, ist samt und sonders untergekommen. Jeder, der zehn Darsteller kann bereits auf ein festes Engagement blicken, denn die Schule orientiert sich an den höchsten Maßstäben. Die Choreografien wirbeln durch alle klassischen Musicaltanzstile, ohne jemals verstaubt zu wirken. Voller Witz und Kreativität schuf Chris Ertelt Tanzpassagen, die der Originalität und Meisterschaft von Buch und Musik in nichts nachstehen. Die Bühne gestaltet Nathalie Meyer variabel und mit dem richtigen Maß an Abstraktion. Märchenhaftes Bild paart sich mit moderner Ästhetik.

Reich an Spannung, schwungvoll erzählt und voller herrlicher Komik zeigt das Stück beispielhaft wie Vorurteile entstehen und was es bringt, sie zu hinterfragen. Das Musical tritt so den perfekten Beweis an, was diese Sparte heute bieten kann: Bewegendes Theater, anspruchsvoll, verblüffend und mehr als unterhaltsam.

Es gibt noch Restkarten. Kartenverkauf und Informationen gibt es unter Telefon 06131225002 oder www.mainzer-kammerspiele.de.

GRIMM! – Wie ein Märchen entsteht
Musical von Peter Lund (Text) und Thomas Zaufke (Musik)

Termine: Donnerstag, 20. April 2017 – 20 Uhr – PREMIERE, Freitag, 21. April 2017 – 20 Uhr, Samstag, 22. April 2017 – 20 Uhr, Sonntag 23. April 2017 – 18 Uhr.

Zusatzvorstellungen sind geplant: Donnerstag, 15. Juni 2017 – 20 Uhr, Freitag, 16. Juni 2017 – 20 Uhr, Samstag, 17. Juni 2017 – 20 Uhr, Sonntag, 18. Juni 2017 – 18 Uhr.