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Winterliche Impressionen von Edeltraud Barth

Bretzenheim – Beim Blick von der Platte in Wiesbaden sieht man Mainz in einem Tal liegen. Der Wald ist verschneit. Man glaubt, in der winterlichen Stille vereinzeltes Knacken zu hören, die Atmosphäre ist gedämpft wie in Watte gepackt. Das Malen ist Edeltraud Barth in die Wiege gelegt. Schon als Kind gewann sie Preise. Der Schnee und seine Kristalle sind das Thema der Ausstellung „Wenn es schneit – Winterimpressionen“ im Bretzenheimer Rathaus.

Winterliche Landschaften findet man da und einzelne Kristalle als Hommage an den Mann, der als erster diese niemals gleichen Gebilde fotografierte: Wilson Bentley. Wilson Alwyn Bentley war ein US-amerikanischer Farmer, Fotograf und Schneeforscher. In einem Beitrag von 1922 stellte Bentley die These auf, dass jeder Schneekristall unterschiedlich geformt sei. Hierzu berief er sich auf seine bisherigen Beobachtungen stets verschiedener Kristalle, womit freilich noch nicht der positive Nachweis erbracht war, dass wirklich alle Schneeflocken unterschiedlich sein müssen. Aber Edeltraud Barth hat dies so fasziniert, dass sie ihre Aquarelle diesem Mann widmete. „Ich gehe auf den Balkon mit der Lupe und stelle ebenfalls fest, die Schneekristalle sind Unikate, so wie wir Menschen Unikate sind.“

Die Kindheit im Schwarzwald und die Erinnerung an die verschneiten Winter hat sie mitgenommen in ihr Künstlerleben und nach Mainz. Die alte Universität und das Höfchen vermitteln Leichtigkeit, eisverkrustete Blumen und andere Pflanzen hat sie im Repertoire und einige weitere Mainz-Ansichten im Winter. Dabei gelingt es der Künstlerin immer wieder, mehr als nur eine Ansicht darzustellen. Man fühlt die Kälte in den Knochen und die Wintersonne auf der Haut.

Zur Vernissage gab es Musik am Flügel von Olga Volkova und Dinkel-Mandel-Schneekristalle als Plätzchen. Winter in Schweden: Die Tiefe der Wälder lässt sich nur erahnen, hier sind die Farben anders als in Mainz und wieder anders als beim Winter auf Sylt. Hier bilden Himmel, Wasser und Sand eine einzige Bewegung, verursacht vom Wind. Die Reste des Dünengrases sind dunkel. Die feinen regionalen Unterscheide hat Barth beobachtet und gut sichtbar herausgearbeitet. Eindeutig blau ist der Winter in Kanada, das Matterhorn glänzt silbern.

Edeltraud Barth ist viel herumgekommen, lehrte und lernte in London, in Israel, unternahm Malreisen nach Paris und Venedig und ist seit 2010 auf etlichen Ausstellungen dabei und in Einzelausstellungen vertreten. Christoph Selenka, Organisator der Reihe „Kultur im Rathaus“, sagte: „Unter den winterlichen Impressionen versteht die Künstlerin weit mehr als nur die Bilder einer verschneiten Landschaft. Sie geben uns Impulse, über die Dinge nachzudenken.“