
MOMBACH – „Komm und sing mit uns.“ Mit diesem gesungenen Einzeiler begann ein Abend, dessen Prinzip damit bereits ausgesprochen war. Rund 70 Menschen waren am Tag der Deutschen Einheit in die St.-Nikolaus-Kirche in Mombach gekommen. Nicht um bloß zuzuhören. Es sollte ein gemeinsames Konzert des Publikums und der Mombacher Chorsängerschaft werden, angeführt von 20 Sängerinnen und Sängern des Chores Stimmt.
Kerzen brannten an den Zugängen zu den Bankreihen, rund um den Altar lagen die Gaben des Erntedankfestes. In dieser Atmosphäre begrüßte Chorleiterin Alexandra Gießler die Besucher zum Mitsing-Konzert der bundesweiten Aktion „3. Oktober – Deutschland singt und klingt“. Sie bezeichnete den Abend als „musikalisches Einheitsfest für Freiheit, Zusammenhalt und Hoffnung“.
Die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten habe Weltgeschichte geschrieben, erinnerte Gießler. Sie sei auch möglich geworden, weil Menschen miteinander „gesungen, gehofft und gebetet“ hätten. Der Fall der Mauer ohne Gewalt zeige, was Gemeinschaft und der gemeinsame Wille zur Veränderung bewirken könnten.
Singen statt zuhören
Die Wirkung zeichnete der Konzertabend im Kleinen aber deutlich nach. Gießler dirigierte am Piano sitzend, moderierte, gab Einsätze, erklärte Kanons und teilte Stimmen ein. Mitunter hatte das Mitsing-Konzert den Charakter einer kurzen Probe, auf die unmittelbar die Aufführung folgte.
Besonders laut wurde das beim Lied „Über den Wolken“ von Reinhard Mey. Begleitet von Josch Röger an der Gitarre übernahmen die Männer die Melodie, die Frauen eine Begleitstimme. Beim Refrain kamen die Stimmen zusammen. Die Zeilen von der grenzenlosen Freiheit erhellte die Kirche. Danach folgte Applaus und weil fast alle mitgesungen hatten, applaudierten sich die Besucher gewissermaßen selbst.
Die Auswahl der Lieder griff die Leitgedanken des Abends auf. „We Shall Overcome“, eng verbunden mit der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, erzählt von der Hoffnung, Widerstände gemeinsam überwinden zu können. „Amazing Grace“ stand für Gnade und Umkehr. Bei „Hevenu Shalom Alechem“ rückte der Wunsch nach Frieden in den Mittelpunkt. Die Sängerinnen und Sänger erläuterte zwischen den Stücken deren Geschichte und Botschaft. Lieder, so wurde an diesem Abend deutlich, können Träger von Hoffnung sein und Menschen zusammenführen.

Hoffnung in schwierigen Zeiten
Dazu gehörte auch „Von guten Mächten wunderbar geborgen“. Dietrich Bonhoeffer schrieb den Text Ende 1944 während seiner Haft. In der Erwartung seines Todesurteils formulierte er erstaunliche Zuversicht und Vertrauen. Solche Verbindungen von Bedrängnis und Hoffnung zogen sich durch mehrere Stücke des Abends.
Auch während der friedlichen Revolution in der DDR wurde gemeinsam gesungen. Die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten habe Weltgeschichte geschrieben, sagte Gießler. Sie sei auch deshalb möglich geworden, weil Menschen miteinander „gesungen, gehofft und gebetet“ hätten.
Für einen Moment wurde es dann sehr persönlich. Gießler erinnerte an ihre langjährige Pianistin, Studienkameradin und Freundin Elke Keil-Jutz, die im Juni im Alter von 57 Jahren gestorben war. Mit einer Schweigeminute und einem außerplanmäßigen Lied gedachten die Sänger der Musikerin.
Auch der Veranstaltungsort erzählte etwas über das Miteinander im Stadtteil. Ursprünglich sollte das Konzert in der Friedenskirche stattfinden. Weil dort an diesem Wochenende das Gemeindefest gefeiert wurde, stellte die katholische Gemeinde St. Nikolaus ihre Kirche zur Verfügung. Kurze Wege und gegenseitige Unterstützung zwischen Gemeinden, Vereinen und Institutionen gehören in Mombach zum Alltag.
Was der Tag der Deutschen Einheit mit großen Begriffen wie Freiheit, Zusammenhalt und Hoffnung verbindet, bekam an diesem Abend damit eine ganz praktische Form: Menschen unterschiedlichen Alters und aus verschiedenen Chören sangen gemeinsam mit Besuchern, die keinem Chor angehören.
Begonnen hatte der Abend mit der Einladung „Komm und sing mit uns“. Er mündete schließlich in zwei Hymnen: Gemeinsam erklangen die deutsche Nationalhymne und die Europahymne.
Gregor Starosczyk-Gerlach
Info: Die Proben des Chores Stimmt: jeden 2. Donnerstag im Monat im Musiksaal des Otto Schott Gymnasiums in Gonsenheim.





















