BRETZENHEIM – Als „Hausfrau Hilde Becker“ in der ARD-Erfolgsserie „Familie Heinz Becker“ wurde Schauspielerin Alice Hoffmann deutschlandweit bekannt. Mit ihrem neuen Programm „Wer schmeißt denn da mit Lehm?“ blickt die inzwischen in Mainz-Bretzenheim wohnende Kabarettistin auf die 20er- und 30er-Jahre zurück. Beim Verein „Zusammenarbeit mit Osteuropa“ (ZMO) in Bretzenheim präsentierte sie nun ihren satirisch-musikalischen Abend vor rund 80 Zuschauern im gut gefüllten ZMO-Saal.
„Alles wiederholt sich im Leben. Ewig jung ist nur die Fantasie“, zitierte sie zu Beginn Friedrich Schiller aus „An die Freunde“. Die Probleme der 20er seien teils auch unsere Probleme: Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit, keine zufriedenstellenden Lösungen. „Diese Perspektivenängste machen die Menschen anfälliger für radikales Gedankengut.“ Hoffmann weiter: „Wir erleben es, dass auch scheinbar gefestigte Demokratien wieder in alte Muster verfallen.“
Neben dem traurigen „Mein Sohn Faber“ von Bertolt Brecht aus dem „Verhör des Lukullus“, in dem eine Mutter von ihrem gefallenen Sohn berichtet, gab es auch Humorvolles, etwa Gedichte von Eugen Roth („Ein Mensch…“).

Alice Hoffmann las beunruhigende Nachrichten aus der „Tagesschau“, etwa über US-Präsident Donald Trump, der sein Verteidigungsministerium in „Kriegsministerium“ umbenannt hat. Über Populisten wie Trump sagt sie: „Wer das Geld hat, hat die Macht. Und wer die Macht hat, kann das Volk alles glauben lassen.“ Passend dazu zitierte sie ein Gedicht von Erich Kästner: „Wer warnen will, den straft man mit Verachtung. Die Dummheit wurde zur Epidemie. So groß wie heute war die Zeit noch nie. Ein Volk versinkt in geistiger Umnachtung.“
Dann gab es wieder Humorvolles, und zwar Kurt Tucholskys „Wo kommen die Löcher im Käse her?“ Das fragt der kleine Junge die Mama, und allerlei Experten aus dem Familienkreis geben völlig unterschiedliche kluge Antworten. Es gibt einen Riesenkrach. Mit dieser witzigen Geschichte sorgte Alice Hoffmann für zahlreiche Lacher im Publikum. Das Ende des Familienstreites: vier Privatbeleidigungsklagen, zwei umgestoßene Testamente, ein aufgelöster Soziusvertrag und drei gekündigte Hypotheken. Eben Familienchaos pur.
Zu Beginn des Abends bei ZMO hatte die Vorsitzende Jutta Hager die Gäste begrüßt und auf das Second-Hand-Angebot des Vereins aufmerksam gemacht. In unterschiedlichen Läden im Einkaufszentrum Hans-Böckler-Straße gibt es gut erhaltene Textilien, Bücher und Geschirr zu erwerben.
Das ZMO-Kulturprogramm ist nun in der Sommerpause. Das Programm für Herbst und Winter wird in Kürze bekannt gegeben.
Oliver Gehrig

























