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Bestattungskultur ist Lebenskultur, Lebenskultur ist Bestattungskultur Auf Einladung des HGG referierte Otto Moster im Gonsenheimer Rathaus

Die Pfarrer-Grimm-Anlage, einst ein Friedhof, jetzt ein ruhiger Ort zum Entspannen. Foto: kga

GONSENHEIM – Was der Kirchhof um St. Stephan, die Pfarrer-Grimm-Anlage, die Kirchstraße und der Waldfriedhof gemeinsam haben, darüber informierte Otto Moster nun im Rathaus. „Gonsenheimer Friedhöfe im Wandel der Zeit“, so der Titel seines Vortrags, den er auf Einladung des Heimat- und Geschichtsvereins Gonsenheim (HGG) mitgebracht hatte, und der laut Moster „die Langversion eines Aufsatzes“ über das Thema sei, den er für die Kirchenzeitschrift „Ö-Kurier“ geschrieben habe.  Die Vorsitzende des HGG, Manuela Müller-Horn, freute sich über den Gast.  „Ich habe seinen Aufsatz gelesen und dachte, das wäre doch auch mal etwas für uns“, so Müller-Horn. „Lieber Otto, wir freuen uns auf den Vortrag.“

HGG-Vorsitzende Manuela Müller-Horn freute sich über den Besuch von Otto Moster, der den Vortrag „Gonsenheims Friedhöfe im Wandel der Zeit“ mitgebracht hatte. Foto: kga

Bestattungskultur ist Lebenskultur, und umgekehrt

Der warnte: „Ich bin kein Geschichtsforscher, sondern Chemiker und nur durch Zufall auf das Thema gekommen, als ich was zu den Friedhöfen schreiben sollte.“  Er fängt damit an, dass sich Gonsenheim in seiner 1250 Jahre alten Geschichte vom Dorf zum zweitgrößten Stadtteil von Mainz entwickelt habe. Da habe sich auch viel bezüglich der Friedhöfe getan.  „Bestattungskultur ist Lebenskultur, und umgekehrt“, meint Moster. Er erzählt, in den frühen Jahren sei Gonsenheims Prägung stark christlich gewesen, weshalb Verstorbene ihre letzte Ruhe auf dem Kirchhof fanden. Damals das Gelände rund um St. Stephan. Meist waren es kleine Flächen, und so gab es eher kurze Liegezeiten, erklärt Moster, was es mit den Gebeinhäusern auf sich hat. Wurden neue Gräber geschaufelt, wurden die Gebeine gesammelt und dort abgelegt.

1821 habe Napoleon angeordnet, dass Totenhöfe nur noch vor den Toren von Dorf oder Stadt angelegt werden durften. Und so entstand in Gonsenheim die heutige Pfarrer-Grimm-Anlage. Dort, wo heute Feste gefeiert werden, Kinder am Spielplatz toben und Menschen sich zum Verweilen aufhalten, war einmal ein Friedhof. Aber schon 1899 wurde ein weiterer Friedhof in der Kirchstraße eröffnet, der ab 1918 in Richtung Wald erweitert wurde. 1931 schließlich sei der Waldfriedhof eingeweiht worden.

Individuelle Bestattungsformen sind jetzt möglich

Moster hat dort einige Hinweise auf die älteren Friedhöfe und denkmalartige Grabsteine gefunden, die er als Foto an die Wand wirft. Die Gäste hören aufmerksam zu und können Fragen stellen. Und Moster erzählt weiter, inzwischen habe sich auch auf dem Waldfriedhof viel geändert. Das hänge eng mit der „Lebenskultur“ zusammen. Christliche Lebensformen hätten sich verändert und es habe eine Durchmischung mit fremden Kulturen stattgefunden. „Individuelle Bestattungsformen sind jetzt möglich“, so Moster, der über Rheinland-Pfalz sagt, dass es hier das liberalste Bestattungsgesetz in Deutschland gebe. Neben diversen Formen der Urnenbestattung seien heute auch Tuchbestattungen oder Flussbestattungen auf Rhein, Lahn und Mosel möglich. Auch so genannte Re-Erdigungen seien möglich, eine Form der Kompostierung des Leichnams.

Trauerkultur im Wandel

„Die Trauerkultur ist im Wandel und damit auch das Erscheinungsbild des Waldfriedhofs.“ Es werde nicht mehr so viel Platz gebraucht. Dennoch bleibe der Friedhof ein ganz besonderer Ort: ein Ort der Begegnung und des Austauschs mit Verstorbenen und Lebenden, ein Ort der Besinnung und „ein Vogelparadies“.

kga

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