

GONSENHEIM – Die Kultur in Gonsenheim ist ein Pflänzchen mit unterschiedlichen Trieben, die im Stadtteil gut gedeihen. In Höfen beispielsweise, die einst durch die Landwirtschaft den Alltagsrhythmus diktierten, findet sie heute einen geeigneten Platz – beispielsweise im historischen Landwirtschaftshof von „hierundjetzt – Raum für die Künste“ im alten Ortskern. Zwischen den ehemaligen Scheunen, dem Atelier und einem Hof mit Garten, dessen Bepflanzung Anklänge an den Mittelmeerraum erkennen lässt und zugleich durch die heimische Flora seinen rheinhessischen Charakter bewahrt, hatte GonsKultur zu einer Jazz-Matinee eingeladen.
Benedikt Fröhlich am Klavier und Niklas Gogolok am Saxofon
Die Besucher nahmen in den Stuhlreihen Platz. Dazwischen streuten die Organisatoren kleine Tische ein, auf denen Gläser und Kaffeetassen abgestellt werden konnten. Die Bäume spendeten Schatten an einem erneut warmen Julisonntag.
Mit Benedikt Fröhlich am Klavier und Niklas Gogolok am Saxofon stellte die Vorsitzende von GonsKultur, Nele Kunigk, zwei junge Musiker vor, die sich in Mainz kennengelernt haben und inzwischen eigene Wege gehen. Beide begannen zunächst ein Lehramtsstudium. Fröhlich studierte Jazzklavier als Hauptfach, Gogolok Jazzsaxofon. Schon früh habe sich gezeigt, dass ihre musikalische Verbindung funktioniere, erzählte Fröhlich und tat das auf angenehm unterhaltsame Weise. Mit einem Lächeln bekannte er, kein großer Moderator zu sein. Doch das stimmte nicht ganz, das Publikum brachte er zum Schmunzeln: „Ich finde es total anstrengend, wenn bei zwei Stunden Musik kein Wort gesprochen wird.“
Gemeinsamen Anfänge während des Studiums
Dann komme man aus dem Konzert und müsse „erst mal wieder menschlichen Kontakt suchen“. Mit solchen und weiteren persönlichen Geschichten führte er deshalb in die Stücke ein. Er erzählte von den gemeinsamen Anfängen während des Studiums, stellte Eigenkompositionen Gogoloks vor und berichtete mit sichtbarer Selbstironie von zwei Stücken, die nach einer Verwechslung der Titel heute beide den Namen „Spring Bloom“ tragen.
Inzwischen studiert Gogolok Jazzsaxofon in Mainz, Fröhlich Jazzklavier in Köln. Beide hätten sich bewusst vom Lehramt verabschiedet und für den Weg als professionelle Jazzmusiker entschieden. Wegen der räumlichen Entfernung zwischen Köln und Mainz seien gemeinsame Auftritte seltener geworden. „Es ist immer wieder eine Freude, mit dem Niklas zu spielen“, sagte Fröhlich.

Bekannte Werke mit eigener Handschrift
Eigenkompositionen Gogoloks wechselten sich mit bekannten Jazzstandards des Great American Songbook ab. Das Duo interpretierte die bekannten Werke mit einer eigenen Handschrift. Wer seine Bestimmung – wie die beiden in der Musik – findet, lebt in seiner Kunstfertigkeit auf. Ihre Freude am Jazz und ihre Hingabe überzeugten das Publikum, das reichlich Applaus spendete. Klavier und Saxofon begegneten sich auf Augenhöhe: Mal führte das Klavier eine Melodie weiter, dann griff das Saxofon sie auf und entwickelte sie fort, wie in einem musikalischen Dialog.
In einem Monat lädt GonsKultur erneut in Kooperation mit „hierundjetzt – Raum für die Künste“ zu Hier&Jazz ein: Am 15. August spielen Andreas Hertel und Tilmann Höhn ab 11 Uhr bei „hierundjetzt – Raum für die Künste“.
Der gemeinnützige Verein GonsKultur wurde im Oktober 2005 von Kulturschaffenden und Kulturinteressierten gegründet. Unter der Vorsitzenden Nele Kunigk organisiert er Konzerte, Lesungen, Theateraufführungen, Ausstellungen, Vorträge, Diskussionen und weitere Kulturveranstaltungen an unterschiedlichen Orten im Stadtteil.
Gregor Starosczyk-Gerlach
























