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32 Jahre im Dienst der Demokratie vor Ort Laudatoren würdigten Ralph Spieglers Wirken weit über Rheinhessen hinaus

„Sie hinterlassen von allem eine Haltung: Die Politik muss den Menschen dienen“, sagte Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz Gordon Schnieder in der Laudatio bei der Verabschiedung von Ralph Spiegler (li.) aus dem Amt als Bürgermeister der VG Nieder-Olm. Foto: Annette Pospesch

VG NIEDER-OLM – Mit lang anhaltendem Applaus verabschiedeten mehrere hundert Gäste in der Ludwig-Eckes-Festhalle Ralph Spiegler nach 32 Jahren als Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Nieder-Olm aus dem Amt. Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU), Vertreter der kommunalen Spitzenverbände, Weggefährten aus Politik und Gesellschaft sowie Gäste aus der polnischen Partnerkommune zeichneten dabei das Bild eines Kommunalpolitikers und Sozialdemokraten, dessen Wirken als Stimme der Kommunen in Rheinland-Pfalz und im Bund weit über die Grenzen der Verbandsgemeinde hinausreichte.

Verlässlich, verantwortungsbewusst, gesprächsbereit und menschlich

Im Mittelpunkt der Würdigungen stand weniger die außergewöhnlich lange Amtszeit als vielmehr Spieglers politisches Selbstverständnis als Demokrat. Sie beschrieben ihn als verlässlich, verantwortungsbewusst, gesprächsbereit und menschlich. Immer wieder hoben die Laudatoren seine Fähigkeit hervor, unterschiedliche Positionen zusammenzuführen. Immer wieder kam  Spieglers Verständnis der kommunale Selbstverwaltung als Fundament der Demokratie zur Sprache.

Ministerpräsident Schnieder erinnerte daran, dass Spiegler 1994 eine Verbandsgemeinde übernommen habe, die vor erheblichen finanziellen Herausforderungen stand. Heute verfüge sie über moderne öffentliche Einrichtungen, sei schuldenfrei und besitze dadurch Handlungsspielräume für künftige Aufgaben. Die konsequente Haushaltsführung sei nicht immer bequem gewesen, habe sich aber langfristig ausgezahlt.

Investitionen in Schulen, Feuerwehren und Infrastruktur

Investitionen in Schulen, Feuerwehren und Infrastruktur seien Ausdruck dieses Politikverständnisses gewesen.
Erste Beigeordnete Doris Leininger-Rill (FWG) der VG beschrieb Spiegler als einen Bürgermeister, der stets das Wohl der gesamten Gebietskörperschaft im Blick gehabt habe und als Finanzfachmann, der sich mit dem kommunalen Haushalt so gut wie kaum ein anderer auskenne. Zahlen seien Spieglers zweite Muttersprache, sagte sie. „Er sieht im Haushalt Querverbindungen, wo andere den Blick verloren haben“. Diese Begabung sei der VG zugute gekommen, so Leininger-Rill. Während Spieglers Amtszeit seien Wohn- und Gewerbegebiete entwickelt, Schulen und Feuerwehrhäuser ausgebaut sowie die Infrastruktur kontinuierlich modernisiert worden. Dabei sei Spiegler vor 32 Jahren, als er den Wahlkampf bestritt, ein weitgehend unbekannter Jurist. 26.000 Einwohner habe die VG damals gehabt, so Leininger-Rill. Er siegte und blieb. „Heute zählt die VG 34.500 Einwohner.“

Am Bildrand unten lauschen Ralph Spiegler (1.v.l.) und Ministerpräsident Gordon Schnieder der Talkrunde mit Wegbegleitern von Spiegler: Auf dem Podium sitzen: Willi Sturm, Moderatorin Agneta Psczolla, Berd Braunstein, Erwin Malkmus, Michael Rott, Pfarrer Hubert Hilsbos, Silke Grimsel (v.l.n.r.).
Foto: Annette Pospesch

Seit drei Jahrzehnten bestehende Partnerschaft

Steffen Jäger, 1. Vizepräsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DSGB), und dort Spieglers Stellvertreter, würdigte ihn als eine der prägenden Persönlichkeiten der kommunalen Selbstverwaltung. Spiegler habe auf Landes- und Bundesebene über viele Jahre das Verständnis vertreten, dass die Politik dort beginne, wo Menschen ihren Alltag gestalteten.
Pawel Szymkowicz, Bürgermeister der polnischen Partnergemeinde Głuchołazy, erinnerte an die seit drei Jahrzehnten bestehende Partnerschaft und die Unterstützung, als Polen nach 1989 den Aufbau kommunaler Selbstverwaltung meistern musste. Besonders die Hilfe aus Nieder-Olm bei den Hochwasserkatastrophen 1997 und 2024 habe die enge Verbundenheit beider Kommunen gezeigt. Als Zeichen des Dankes überbrachte Szymkowicz Spiegler die Medaille für Verdienste um die polnische Stadt, die der Stadtrat von Głuchołazy Spiegler vor Kurzem verliehen hatte.

„Der Bürgermeister geht, der Bürger bleibt: Es war mir eine Ehre.“

Das Bild eines empathischen und zugleich leidenschaftlichen Politikers, der seine Kontrahenten respektierte und durchaus Gegensätze aushalten konnte, einen, der sein Amt als einen Dienst an den Bürgern interpretierte, zeichneten schließlich Spieglers Wegbegleiter aus Kommunalpolitik und Gesellschaft in zwei Gesprächsrunden. Auch Spielgel selbst zog eine sehr persönliche Bilanz (ein weiterer Text dazu folgt), die er mit dem Satz beendete: „Der Bürgermeister geht, der Bürger bleibt: Es war mir eine Ehre.“

Gregor Starosczyk-Gerlach

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