
MAINZ – Noch bleiben die Besucher draußen. Der Einlass zum Konzertabend „Rock of Legends“ im Jugend- und Kulturzentrum in Gonsenheim (Gonso) verzögert sich, doch das Publikum nimmt es gelassen. Die Zeit bietet Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Unter den Jugendlichen und Erwachsenen wartet auch eine Familie, die ihre beiden Kinder mitgebracht hat.
Livemusik vor der eigenen Haustür
Weshalb für ein Konzert weit fahren, wenn Livemusik vor der eigenen Haustür zu erleben ist? So lässt sich die Erklärung der Erwachsenen auf eine Nachfrage zusammenfassen. Sie mögen diese Musik und wollen das Erlebnis mit ihren Kindern teilen. Das heißt: die Musiker aus der Nähe sehen, gemeinsam vor einer Bühne stehen.
Der Abstand zwischen Publikum und Bühne ist im Gonso gering. Noch geht es nicht los, die Musiker stehen mitten drin im Publikum, die Grenzen verschwimmen. Zum Konzert gehören daher auch das Warten, der Tischkicker und die Gelegenheit, sich mit Getränken zu versorgen. Solche gemeinsamen Besuche wollen die Organisatoren ermöglichen. Dazu zählen annehmbare Preise. Seit dieser Ausgabe dürfen auch Kinder unter zwölf Jahren in Begleitung eines Erwachsenen vorbeikommen.
„Wir wollen generell junge Leute inspirieren“
Im Saal ist die Bühne bereits vorbereitet. Das Schlagzeug steht bereit, die Beleuchtung erhellt den Raum. „Wir wollen generell junge Leute inspirieren“, sagt Jens Reichmann. Der pädagogische Mitarbeiter des Jugendzentrums hat Musikwissenschaft studiert und ist selbst Musiker. Für ihn ist die Reihe auch eine Antwort auf die Lücken, die die Corona-Jahre hinterlassen haben. Vieles sei damals ausgefallen, kulturelle Übergänge seien abgerissen. Zugleich schlossen in Mainz Einrichtungen, die Musik an die Menschen brachten.
Mit begrenzten Mitteln gute Musik auf die Bühne zu bringen und Menschen unterschiedlichen Alters zusammenzuführen, beschreibt Reichmann als Anliegen des Teams. „In einer Zeit, wo alles immer mehr auseinanderzieht, ist es ja gut, wenn man die Leute wieder zusammenbringt.“ Das fünfte Konzert der Reihe fällt zudem in das Jahr des 40-jährigen Bestehens des Gebäudes (wir berichteten).
Neben Coverversionen gehören eigene Stücke zum Repertoire
Musikalisch rocken an diesem Abend zwei Bands die Bühne. „Nevver“ aus Heidelberg bringt Pop-Punk mit. Die vierköpfige Formation um die Frontfrauen Lisa und Katy veröffentlichte im Juli ihre EP „Heart on your sleeve“. Den zweiten Act des Abends übernimmt „Montytown“. Die siebenköpfige Band mit Wurzeln in Mainz, Darmstadt und Bad Camberg verbindet Rock, Rap und Pop mit deutschem Sprechgesang, Posaune und Keyboard. Neben Coverversionen gehören eigene Stücke zum Repertoire.
Für Montytowns Frontmann Fabio Gamberetti passt der Auftritt vor jungem Publikum zum Selbstverständnis der Band. Einige Mitglieder arbeiteten auch als Kunstlehrer oder Theaterlehrer. Die eigene Leidenschaft weiterzugeben, gehöre dazu. Musik sei generationsübergreifend und solle es auch sein.
Den Rahmen dafür habe das Team im Gonso mit viel Engagement geschaffen. Schon bei den Absprachen im Vorfeld habe die Band gemerkt, mit wie viel Liebe die Crew die Veranstaltung vorbereite, berichtet Gamberetti.
Vor der Bühne zeigt sich, was Reichmann und Gamberetti meinen: Erwachsene und Kinder sind gemeinsam gekommen, Jugendliche verbringen hier ihren Abend. Die Livemusik kommt zu ihnen: fast direkt vor die eigene Haustür.
Gregor Starosczyk-Gerlach






















