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Mit der Kamera um die ganze Welt ZDF-Kameramann Harry Erben feiert 90. Geburtstag

Reisen hält jung: ZDF-Kameramann Harry Erben (mit einem Foto von seiner Zeit in China) beginn gerade seinen 90. Geburtstag. Foto: Annette Pospesch

NIEDER-OLM – Wenn Harry Erben erzählt, dann werden aus Erinnerungen lebendige Bilder. Kein Wunder – schließlich hat der passionierte Kameramann sein ganzes Leben damit verbracht, Geschichten in Bildern festzuhalten. Zum 90. Geburtstag blickt einer der Kameramänner der ersten Stunde des ZDF auf ein außergewöhnliches Leben zurück: geprägt von Flucht, Neugier, Fernweh und der unerschütterlichen Leidenschaft für seinen Beruf.

Einstieg in die Berufswelt gelang schneller als erwartet

Geboren wurde Harry Erben am 10. Juli 1936 im Zamberk in Böhmen. Gemeinsam mit seiner Mutter und seiner Schwester floh Harry 1945 bei Nacht und Nebel in den Südwesten Deutschlands, wo Verwandte die Familie aufnahm. Aufgewachsen ist er schließlich in Esslingen.

Schon als Jugendlicher wusste er, was er werden wollte: Kameramann. Die Bilder der Wochenschau faszinierten ihn so sehr, dass er alles daransetzte, diesen Traum zu verwirklichen. Nach der Mittleren Reife absolvierte er eine Fotografenlehre bei einem renommierten Stuttgarter Modefotografen. Der Einstieg in die Berufswelt gelang schneller als er es sich hätte erträumen können. Beim Südwestfunk arbeitete er als Regiekamera-Assistent. Sein Vorgesetzter erkannte früh sein Talent, ließ ihn vieles selbst ausprobieren und legte damit den Grundstein für eine außergewöhnliche Karriere.

Das Abenteuer seines Lebens

1961 wechselte Harry Erben zum gerade gegründeten ZDF. Seine erste Station war München, wo er als Sportkameramann arbeitete. Kurz darauf begann das Abenteuer seines Lebens. Gemeinsam mit seiner Frau Monika ging er für sieben Jahre nach Singapur. Von dort aus berichtete er für das ZDF aus ganz Südostasien, Australien und Neuseeland. Seine Kamera war dabei, wenn Geschichte geschrieben wurde. Er porträtierte Staatsoberhäupter und bereiste Länder, die für viele damals unerreichbar schienen.

Eindrücke, die bis heute prägen

Nach der Rückkehr nach Deutschland wurde Nieder-Olm zum Lebensmittelpunkt der Familie. Hier kauften Harry und Monika Erben ihr Haus und zogen ihre beiden Töchter groß. Doch lange blieb der erfahrene Auslandskorrespondent nicht in Mainz. 1983 fragte das ZDF, wer bereit wäre, nach Peking zu gehen. Viele zögerten – Harry Erben nicht. Gerade das Unbekannte reizte ihn. Er ging nach China und sammelte Eindrücke, die ihn bis heute prägen. Asien ist für ihn bis heute der faszinierendste Kontinent geblieben. Später drehte weitere Dokumentationen, unter anderem über die Osterinseln, Israel oder Nairobi. Mit 60 Jahren verabschiedete er sich offiziell in den Ruhestand – doch wirklich aufgehört hat das Reisen nie. Denn an seiner Seite stand stets Monika Erben – weit mehr als die Ehefrau eines Kameramanns. Sie entwickelte eigene Modekollektionen mit südostasiatischen Batikstoffen und wurde selbst häufig zum Model vor Harry Erbens Kamera. Später eröffnete sie in Nieder-Olm ein Yogastudio, absolvierte eine Ayurveda-Ausbildung und organisierte Reisen nach Asien und Indien. Harry begleitete sie dabei als Reiseleiter – gemeinsam blieben sie ihrer Leidenschaft für ferne Länder treu.

Heute blicken Harry und Monika Erben auf ein ganz besonderes Jahr zurück: Harry feierte seinen 90. Geburtstag, beide ihre Diamantene Hochzeit. Zwei Menschen, die seit sechs Jahrzehnten gemeinsam die Welt entdeckt haben – neugierig, offen und voller Tatendrang. Und wer Harry Erben zuhört, merkt schnell: Seine schönsten Filme trägt er bis heute nicht auf Zelluloid, sondern in seinem Herzen.

Annette Pospesch