
BODENHEIM – „Hier sind meine Freundinnen, hier wird mir zugehört, hier gibt es Lösungen für meine Probleme.“ Rafaela, 18, aus Dienheim, ist immer da, wenn der Jugendtreff D-Place am Dollesplatz geöffnet hat. Charlotte, 15, aus Dexheim, kommt dafür mit Bus und Bahn: „Hier sind echt nette Leute, die mir auch mal weiterhelfen.“ Alana, 16, aus Undenheim, schätzt, dass niemand verurteilt wird: „Man kann hier über alles reden, es gibt keine Tabus.“ Und Emil, 16, aus Bodenheim, kommt sogar mit Fußverletzung vorbei: „Die Angebote sind einfach cool. Es macht mir Spaß, hier zu sein.“
Was die Jugendlichen heute beschreiben, war vor 50 Jahren die große Lücke: ein Ort, an dem junge Menschen einfach sie selbst sein können. Das schafft der D-Place am Dollespark: er ist ein sicherer Hafen für Jugendliche aus Bodenheim und Umgebung. Und offenbar ein ziemlich einzigartiger.

Vom Wunsch zum eigenen Treffpunkt
1976 gründeten Thomas Metz, Charly Musseleck und Eveline Becker-Jung gemeinsam mit weiteren Mitstreitern die „Aktion Jugendtreff“. Es gab damals keinen neutralen Treffpunkt, lediglich konfessionelle oder vereinsgebundene Gruppen. Die JuSos traten auf den Plan, Bodenheim bekam mit Horst Kasper einen SPD-Bürgermeister. „Wir hatten mit dem Bürgermeister und anderen Ratsmitgliedern dann auch Fürsprecher“, erinnert sich Metz, der damalige Gründungsvorstand.
Dann wurde angepackt: Rund 50 Freunde und Mitglieder leisteten insgesamt rund 2.010 Arbeitsstunden. Sie hoben Boden und Fundamente aus, beseitigten Schutt, rissen eine Treppe ab und brachen eine Giebelwand für Eingang und Treppenhaus durch. Sie betonierten 140 Quadratmeter Fußboden, bauten eine fünf Meter hohe Brandmauer, dämmten das Dach und errichteten Rampe, Holzempore und Tresen. „Ich war erst 15 und habe gern mitgebaut“, sagt Thomas Becker-Theilig, später selbst Vereinsvorsitzender und Bürgermeister von Bodenheim.
Im Mai 1979 wurde der Jugendtreff am Dollesplatz eröffnet. Birgit Scholles, seit 1980 dabei und später ebenfalls Vereinsvorsitzende, erinnert sich: „Wir haben sogar den Film-Vorführ-Schein gemacht, um Kinofilme präsentieren zu können!“ Als erster Film lief die Rockoper „Tommy“, mehr als 200 Jugendliche stürmten den Saal. „Wir haben uns selbst verwaltet und wir wollten ein jugendpädagogisches Konzept, dafür haben wir gekämpft.“

Vom Dolleskeller zum D-Place am Dollespark
Die Idee der offenen Jugendarbeit überdauerte mehrere Umzüge. 2002 zog der Treff wegen des Umbaus des Bürgerhauses in den alten Bahnhof, wo er bis Dezember 2018 blieb. Danach standen am Guckenberg Container zur Verfügung. „Leider wurden die nicht gut angenommen“, bedauert Becker-Theilig. Die Corona-Zeit verschärfte die Situation. Erst der Umzug im Sommer 2022 in das Gebäude von Kita und Hort der Wühlmäuse brachte die Wende.
Seit 2024 leitet Kai Miczek den Jugendtreff. Der Erzieher ist die einzige Vollzeitkraft, er wird unterstützt von zwei Personen aus dem Hort und fünf Minijobbern. An jedem Öffnungstag kommen 25 bis 30 Jugendliche, an manchen Tagen sieht er bis zu 50 verschiedene Gesichter. Kochen, Holzwerkstatt, Karaoke und Fahrradwerkstatt gehören zum Programm. „Wir machen viel möglich“, betont Miczek.
Was heute anders ist als vor 50 Jahren? Der kommunale D-Place ist professioneller aufgestellt, stärker vernetzt und vor allem wieder gut besucht. Das war er in der Anfangszeit allerdings auch, mit kurzer Flaute durch Corona. Wöchentlich treffen sich Miczek, Mitarbeiterinnen der Kita-Sozialarbeit, Beigeordnete Diana Vogler und Jugendliche zum Austausch. „Im geschützten Raum wird ohne Tabus gesprochen. Die Jugendlichen vertrauen sich uns an, und wir helfen ihnen“, sagt Miczek.
Beim Interview sitzen Alt und Jung einträchtig beisammen. Die Jugendlichen hören aufmerksam zu, „wie es früher so war“, die Gründungsmitglieder freuen sich über ihre jungen Gesprächspartner und bewundern deren Offenheit. Alle freuen sich auf das Jubiläumsfest am 10. Oktober ab 18 Uhr im Bodenheimer Dolleskeller. Eingeladen sind alle Bürgerinnen und Bürger, Jugendliche, Familien. Gefeiert wird nicht nur ein Geburtstag, sondern eine Idee, die geblieben ist: Jugendlichen Raum und Verantwortung zu geben – und ihnen zu zeigen, dass ihre Stimme zählt.
Sabine Longerich





















