
FINTHEN – „Äpfel aus Finthen oder Neuseeland – was wollen wir?“: Unter diesem provokanten Motto stand ein Informationsabend der FDP Finthen zu den Problemen der Landwirtschaft, der in der Musikschule Klimperkiste stattfand. Auslöser war ein jüngst veröffentlichter Brandbrief der deutschen Obstbauern, erklärte FDP-Ortsvereinsvorsitzender Volker Hans. Er begrüßte neben den vier Referenten rund 20 Interessierte.
Besorgniserregende Zahlen beim Impulsvortrag
Zunächst nannte das FDP-Ortsbeiratsmitglied Prof. Manfred Becker in einem Impulsvortrag einige besorgniserregende Zahlen für Finthen. So sei bei den Finther Bauern die Getreideernte in diesem Jahr um 7.3 Prozent zurückgegangen. Bei sinkenden Erzeugerpreisen etwa beim Schweinefleisch seien die Preise für Kunstdünger um bis zu 60 Prozent gestiegen. In der Finther Flur lägen geschätzt 20 bis 30 Grundstücke ungepflegt brach. Die Bundesfachgruppe Obstbau warne vor einem weiteren Höfesterben, wenn der Mindestlohn 2027 auf 14,70 Euro steigt.
„Die Herausforderungen steigen in einem solchen Tempo, dass wir kaum noch hinterherkommen“, bestätigte die Finther Landwirtin Theresa Pfeifer, Obstbauvorsitzende im Bauernverband Rheinland-Pfalz Süd. Klimatische Veränderungen machten Investitionen in den Hagelschutz und in die Entwässerung notwendig. Steigende Mindestlöhne und zunehmende Schutzgebiete seien weitere Faktoren. „Die Reserven sind aufgebraucht. Alle zwei Tage schließt ein deutscher Obstbaubetrieb“, warnte Pfeifer. Bei den Äpfeln und Kirschen würden nun resistente Sorten angepflanzt. „Zudem brauchen wir die Forschung, aber auch die wurde gekürzt.“
„Dieser Wettbewerbsnachteil fällt uns auf die Füße“
Der frühere FDP-Landtagsabgeordnete Marco Weber stellte heraus, dass marokkanische Saisonarbeiter in Spanien für drei Euro die Stunde arbeiten, während in Deutschland bald der Mindestlohn von 14,70 Euro greife. „Dieser Wettbewerbsnachteil fällt uns auf die Füße“, konstatierte Weber. Im Weinbau biete die Frostversicherung den Winzern einen gewissen Schutz. „Wir brauchen eine Ernteversicherung und eine Mehrgefahrenversicherung, dann ist die Schadenslage abgedeckt“, forderte er. Zudem sollte im Umweltschutz „kompromissbereiter“ zu Gunsten der Landwirtschaft agiert werden.
Uwe Datz von Rewe Mitte stellte das Direktvermarktungsprinzip vor. „Wir haben Regiemärkte mit Kaufleuten, die selbst bestimmen, mit welchen Erzeugern sie zusammenarbeiten.“ Datz: „Wir sind sehr stark in der Direktvermarktung. Wir arbeiten in Rheinland-Pfalz eng mit der Landwirtschaftskammer zusammen.“ Gesucht würden weitere regionale Erzeuger, etwa beim Geflügel.
Ein Tenor in der anschließenden Diskussion: Um die Verkaufschancen für heimisches Obst zu verbessern, sollten die CO2-Transportkosten auf Importobstwaren als CO2-Steuer erhoben und den heimischen Landwirten als „Ökoprämie“ ausgezahlt werden. Eine weitere Chance sei, den Bauern eine Landschaftspflegeprämie zu zahlen.
Oliver Gehrig





















