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Mit Spaten gegen den Götterbaum Freiwillige helfen dem Forstamt bei der Pflege seltener Waldlebensräume

Ranger Fabian Emde hilft einer der freiwilligen Helferinnen beim Ausgraben eines der unzähligen Götterbäume. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

GONSENHEIM – Die Sonne brannte bereits am Vormittag erbarmungslos auf die Wege des Lennebergwaldes. Trotzdem hatten sich am Samstag rund zwei Dutzend Freiwillige an der Vierzehn-Nothelfer-Kapelle in Gonsenheim eingefunden. Männer, Frauen und Kinder wollten bei einer Waldpflegeaktion mit anpacken. Die Veranstaltung gehörte zur Jubiläumsreihe des Zweckverbandes zur Erhaltung des Lennebergwaldes, der in diesem Jahr sein 75-jähriges Bestehen feiert (Journal LOKAL berichtete).

Bekämpfung des Götterbaums

Noch vor der Kapelle erläuterten Forstamtsleiter Stefan Dorschel und sein Team die Aufgabe des Tages. Im Mittelpunkt stand die Bekämpfung des Götterbaums, einer Baumart, die sich im Lennebergwald rasant ausbreitet. Anschließend setzte sich die Gruppe in Bewegung. Etwa 200 Meter ging es über die Autobahnbrücke in den Lennebergwald hinein. Hinter den Freiwilligen rollte langsam ein Fahrzeug des Forstamtes her. Auf der Ladefläche lagen Spaten, Handschuhe und Wasserkisten. Gerade die Wasservorräte sollten an diesem Vormittag noch an Bedeutung gewinnen. An der Lichtung angekommen, dauerte es nicht lange, bis die ersten Götterbäume ausgegraben wurden.

Die Teilnehmer der Waldpflegeaktion versammelten sich nach dem Arbeitseinsatz mit dem Team des Forstamtes und des Ortsvorsteher zum Gruppenfoto.
Foto: privat

Verbundenheit mit dem Lennebergwald

Die spontanen Gespräche, die Journal LOKAL auf dem Weg zur Arbeitsstelle führte, drehten sich immer wieder um den Wald. Dabei kam eine enge Bindung an „ihren Wald“ zum Ausdruck. Der Lennebergwald ist der kleinste Wald Rheinhessens und für viele Menschen weit mehr als ein Naherholungsgebiet. Die meisten Teilnehmer kommen regelmäßig hierher. Die Bereitschaft, an einem heißen Samstagvormittag mehrere Stunden im Wald zu arbeiten, kam daher nicht von ungefähr.

An der Lichtung zeigte sich schnell, dass die Arbeit kein Spaziergang werden würde. Die Sonne stand hoch über den Baumkronen. Kopfbedeckungen waren ebenso nützlich wie lange Hosen. Zwischen Sträuchern und Gestrüpp machten sich die Freiwilligen an die Arbeit. Schon nach kurzer Zeit wuchsen die Haufen der ausgegrabenen Pflanzen sichtbar an. Auch die Kinder halfen eifrig mit. Teilweise trugen sie die ausgegrabenen Bäumchen allein, teilweise zu zweit zu den Sammelstellen und legten sie dort ab.

Warum der Götterbaum zum Problem wird

Warum die Arbeit notwendig ist, hatte Dorschel zuvor erläutert. Im Lennebergwald befinden sich seltene Kiefernwald-Lebensräume. Viele Kiefern seien in den vergangenen fünf bis zehn Jahren abgestorben. Gleichzeitig breite sich der Götterbaum stark aus. Heimische Arten wie Winterlinde oder Vogelkirsche gerieten dadurch unter Druck. „Wenn wir ihn gewähren lassen würden, droht die Entwicklung einer Monokultur. Das wollen wir verhindern“, sagte Dorschel.

Der Mensch greift hier bewusst in die Entwicklung des Waldes ein. Ziel ist es, heimischen Baumarten Raum für ihre Entwicklung zu erhalten. Die Bekämpfung des Götterbaums gleicht dabei einer Sisyphusarbeit, denn die Natur hat ihn mit einer wirkungsvollen Überlebensstrategie ausgestattet.

Das Picknick beschrieben die Teilnehmer später als sehr schön, hier haben sich alle noch ein bisschen kennenlernen können.
Foto: privat

Götterbäume kommen mit Trockenheit gut zurecht

Florian Paulus aus dem Team des Forstamtes begleitet die Bekämpfung des Götterbaums seit vielen Jahren. Der Forstwirtschaftsmeister arbeitet seit mehr als zwei Jahrzehnten im Lennebergwald und hat die Arbeiten bereits mit zahlreichen Gruppen und Schulklassen durchgeführt. Der Götterbaum komme mit Trockenheit gut zurecht, erläuterte er. Was anderen Arten Probleme bereitet, scheint ihn kaum zu stören. Hinzu kommt seine besondere Vermehrungsstrategie. Unterirdisch breiten sich seine Wurzeln aus. Einige Meter entfernt kann daraus bereits ein neuer Stamm entstehen. Einfaches Absägen hilft deshalb nicht weiter. Im Gegenteil: Es fördert die Bildung neuer Triebe.

Handarbeit gegen die Ausbreitung

Für die Helfer bedeutete das Handarbeit. Jeder Baum musste möglichst vollständig ausgegraben werden. Das gelang nicht immer. Oft verblieben Teile der Wurzel im Boden. Damit bleibt die Pflanze lebensfähig und kann erneut austreiben. Die Bekämpfung des Götterbaums verlangt deshalb Ausdauer und wiederkehrende Pflege. Die aus dem Boden entfernten Bäume wurden so gelagert, dass sie keine Möglichkeit mehr haben, erneut Wurzeln zu schlagen.

Auch der Gonsenheimer Ortsvorsteher Josef Aron griff selbst zum Werkzeug. „Ich bin begeistert, wie viele Menschen trotz der hohen Temperaturen gekommen sind, um sich für unseren Lennebergwald einzusetzen. Dieses großartige Engagement zeigt, wie wichtig den Menschen unsere Natur ist. Denn nicht nur das Pflanzen neuer Bäume ist entscheidend. Genauso wichtig ist die Pflege der bereits gepflanzten Bäume. Nur gemeinsam können wir dafür sorgen, dass der Wald auch für kommende Generationen gesund und lebendig bleibt“, sagte Aron.

Nach getaner Arbeit kehrte die Gruppe zur Vierzehn-Nothelfer-Kapelle zurück. Dort klang die Waldpflegeaktion bei einem gemeinsamen Picknick aus.

Gregor Starosczyk-Gerlach