
OPPENHEIM – Das Weinfest im Jubiläumsjahr zu 800 Jahren Stadtrechten hatte die Messlatte hoch gelegt. Entsprechend gespannt fragte sich mancher Besucher, ob es Oppenheim gelingen würde, an diesen Erfolg auf 2026 anzuknüpfen. An diesem Montag (10. August) geht das Weinfest zu Ende und nach den ersten drei Festtagen spricht vieles dafür, dass dies gelungen sei. Die Veranstalter ziehen jedenfalls eine positive Zwischenbilanz, für die auch zwei spontane Besuche von Journal LOKAL sprechen: Die Stadt hat ihr Weinfest an entscheidenden Stellen weiterentwickelt. Volle Gassen, dicht besetzte Plätze und eine bemerkenswert entspannte Atmosphäre prägten das Bild während des gesamten Wochenendes.
Bereits zur offiziellen Eröffnung am Freitag herrschte großer Andrang. Erst recht am späten Abend war rund um den Marktplatz, den Seitengassen und auf dem Bühnenplatz vor der Katharinenkirche kaum ein Durchkommen möglich. Bis in die Nachtsstunden füllten Besucher die Plätze, genossen die Weine der Winzer und das kulinarische Angebot oder ließen sich von den unterschiedlichen Musikprogrammen unterhalten. Auch am Samstag zeigte sich das gleiche Bild.
Am Sonntagnachmittag, während die Stadtkapelle Oppenheim auf dem Marktplatz die Zugabe spielte, waren nahezu alle Sitzplätze besetzt. Auffällig war dabei weniger der Besucherandrang als vielmehr die ruhige und entspannte Stimmung. Es blieb genügend Raum für Gespräche, ohne dass die Musik ihren Charakter als Bestandteil des Festes verlor.

Genau dieses Zusammenspiel war nach Angaben des Ersten Beigeordneten Stephan Arnold das Ziel der Veranstalter. Während die Band MontyTown ihren Auftritt vorbereitete, um den musikalischen Höhepunkt des Abends einzuläuten, nahm sich Arnold Zeit für eine Zwischenresüme.
Gemeinsam mit Damaris Ziegler-Krethe wurde das musikalische Konzept bewusst überarbeitet. Statt ausschließlich auf lautstarke Konzerte zu setzen, sollte Musik ausgewählt werden, die zum Verweilen einlädt. „Mir war ganz wichtig, dass die Leute, die hierher kommen, auch hier sitzen bleiben, wenn die Musik losgeht. Wir wollten, dass sie sich weiterhin unterhalten können, dass sie trotzdem tanzen können und ausgelassen sind“, beschreibt Arnold den Ansatz. Getanz wurde in der Tat vor der Bühne. Das Publikum solle nicht zwischen den einzelnen Auftritten wechseln, sondern den Abend gemeinsam auf dem Fest verbringen.
Verändert wurde dafür auch die Beschallung. In den vergangenen Jahren hatten sich Anwohner darüber beschwert, dass außerhalb des eigentlichen Veranstaltungsbereichs häufig nur noch tiefe Bässe zu hören gewesen seien. Deshalb passten die Organisatoren Lautsprecherstandorte und Lautstärke an. Nach Arnolds Einschätzung zahlte sich diese Entscheidung aus. „Die Winzer waren zufrieden, die Leute waren zufrieden, alle waren zufrieden“, fasst er seine Eindrücke zusammen. Auch Polizei und Sicherheitsdienst hätten aus Sicht der Veranstalter ein ausgesprochen ruhiges Fest erlebt.

Dass das neue Konzept funktionierte fand auch Damaris Ziegler-Krethe, die das Musikprogramm gemeinsam mit Arnold zusammengestellt hatte. „Wir sind sehr zufrieden. Die Leute sind zufrieden, es war nicht zu laut, man konnte sich unterhalten. Nur gute Stimmung, keine Randalen“, sagt sie. Mehr als die Hälfte der auftretenden Bands war bereits bei der Oppenheimer Fête de la Musique zu erleben. Die Veranstaltungsreihe diente den Organisatoren sozusagen als Fundgrube für das Weinfest. Laut Ziegler-Krethe überzeugte bereits am Freitag Pineapple Jukebox, die diesmal gar in Quartettbesetzung auftrat, während am Sonntagabend MontyTown das Publikum auf dem Marktplatz begeisterte. „Die Fête de la Musique war praktisch die Bühne. Dort haben wir uns die Bands herausgesucht“, beschriebt Arnold das Auswahlverfahren.
Schon im Vorfeld hatten Stadtbürgermeisterin Silke Rautenberg und Arnold betont, dass das Jubiläumsjahr gezeigt habe, „mit wie viel Herzblut und Gemeinschaftssinn die Oppenheimer feiern können“. Dieses Gefühl wollten die Verantwortlichen in das diesjährige Weinfest mitnehmen. Während 2025 vor allem das Stadtjubiläum im Mittelpunkt stand, rückte diesmal die Frage in den Vordergrund, wie sich das Weinfest dauerhaft weiterentwickeln lässt. Die Resonanz der Besucher spricht dafür, dass Oppenheim auf diesem Weg einen guten Schritt gemacht hat.
Gregor Starosczyk-Gerlach





















