LAUBENHEIM – Gut möglich, dass bereits viele an ihm vorbeigegangen sind, ohne es wahrzunehmen. Und doch ist das liebevoll stets nur als „Kirchlein“ bezeichnete Wohnhaus große Gebäude ein Kleinod des Stadtteils, um dessen Erhaltung sich seit vier Jahrzehnten der eigens dafür gegründete gleichnamige Verein kümmert. Schon damals hatte man die Sorge, dass nötige Mittel für den Unterhalt der evangelischen Kirche aus Mitteln der Steuereinnahmen weniger werden.
Heute, im 125. Jahr des Kirchleins als evangelisches Gotteshaus, ist die Sorge darum, wie es ohne Finanzhilfen weitergehen kann, umso größer. Beim Sommerfest des Kirchenerhaltungsvereins, dem Treffen am Kirchlein, sprachen Besucher und der Vereinsvorstand die Sorgen offen an. Denn mit der Modernisierung „ekhn2030“ der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat die Landeskirche auf sinkende Mitgliederzahlen und begrenzte finanzielle Mittel reagiert und den Bestand neu bewertet. Für Laubenheim bedeutet das, dass das evangelische Gemeindehaus und das Pfarrgebäude weiter finanziert werden und laut Sebastian Schilling der Gemeinderat erhalten bleibt. Das Kirchlein, das 1895 eine Schenkung des Erbauers an die Kirche war, geht leer aus. Ab dem 1. Januar 2027 müssen alle Kosten für das inzwischen unter Denkmalschutz stehende Kirchlein auf anderem Wege beschafft und getragen werden.

Zwar bleibt das Kirchlein im Besitz der EKHN, jetzt aber müsse der Kirchenerhaltungsverein laut dem 1. Vorsitzenden Friedhelm Kärcher umso mehr die Werbetrommel rühren, um Bürger zur Mitgliedschaft im Verein zu gewinnen oder Spenden für das Schmuckstück in der Oppenheimer Straße zu generieren. Während es sich die Gäste nach dem von Pfarrerin Karin Meier gehaltenen Gottesdienst unter Pavillons im Schatten des Kirchleins zum Essen gemütlich machten, war das Thema allgegenwärtig. Spendenboxen standen beim Getränkeausschank und der Essensausgabe, viele Bilder und Hinweise waren an Tafeln angeheftet, die über die Geschichte des Gotteshauses informierten. Manch einer erzählte von besonderen Erlebnissen. Kinder wurden hier getauft, Ehen geschlossen und besondere Feste gefeiert. Und Vereinsmitglieder haben hier auch schon viel geschwitzt, wenn es um Renovierungsarbeiten an dem alten Haus ging.
„Mindestens 6000 Euro im Jahr brauchen wir jetzt mehr in der Vereinskasse, damit wir neben den laufenden Kosten für das Kirchlein auch weiterhin Sanierungen und Renovierungen stemmen können“, so Kärcher, sich beim Sommerfest gemeinsam mit den Vorstandsmitgliedern Bernd Siener, Sylvia Gehlhaar und Katrin Hönig unter die Gäste mischte und kontrollierte, ob die Bratwürstchen auch wirklich herrlich braun vom Grill kommen. Das Essen und die Getränke sind beim Fest frei, jedoch wird um Spenden gebeten.
Der Verein organisiert Veranstaltungen und Konzerte. Sie alle sind dafür gedacht, Geld in die Kassen zu spülen, das wiederum dem Kirchlein zugutekommt. Ob das auf Dauer ausreichen kann, wird sich zeigen. Umso wichtiger sei es, möglichst viele Laubenheimer als Mitglied (26 Euro/Jahr) zu gewinnen. Davon hänge die Zukunft des kleinen Gotteshauses ab. „Das Kirchlein ist ein nicht wegzudenkendes Kulturgut mitten in Laubenheim. Es gehört allen. Und alle würden es vermissen, würde es abgerissen“, betonte Kärcher schon im Vorfeld des Sommerfestes.
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