
LÖRZWEILER – Zwischen Rebstöcken, Feldgehölzen und Hecken verstecken sie sich fast unsichtbar, für Rehe und viele andere Wildtiere und Vögel sind sie jedoch überlebenswichtig: die Wildtränken. Denn in den heißen und trockenen Sommermonaten wird Wasser in Rheinhessen schnell zur Mangelware. Dass die Tränken dennoch gefüllt bleiben, ist dem ehrenamtlichen Einsatz der örtlichen Jäger zu verdanken.
Acht Wildtränken für durstige Wildtiere
Einer von ihnen ist Tom Bender. Der 32-jährige Bauingenieur ist Jagdpächter in Lörzweiler, Hegeringleiter und deren Obmann in der Kreisgruppe. Geld verdient er damit nicht: Als Jagdpächter zahlt er stattdessen für das Revier und investiert zusätzlich viel Freizeit und private Mittel. „Die Hege steht an erster Stelle“, sagt Bender. Die Jagd selbst mache nur einen vergleichsweise kleinen Teil seiner Aufgaben aus.
Gemeinsam mit seinem Team betreut er acht Wildtränken. Ob sie befüllt werden müssen, hängt von der Witterung und natürlichen Wasserquellen wie dem Flügelsbach ab. Besonders trockene Bereiche am Hohberg oder in Richtung Nackenheim werden dagegen regelmäßig mit Wasser versorgt. Rund zehn Liter reichen im Sommer etwa eine Woche – sofern sich nicht auch durstige Hunde daraus bedienen. Hinweisschilder weisen deshalb darauf hin, dass die Wasserstellen ausschließlich den Wildtieren dienen.
Wildäcker anlegen, Hochsitze bauen, Wildbestände erfassen
Die Tränken sind bewusst abseits der Wege angelegt. So können die Tiere ungestört trinken, ohne dass die Heger tief in ihre Rückzugsräume eindringen müssen. Rund drei Stunden benötigen die Helfer, um alle Wasserstellen zu kontrollieren und bei Bedarf nachzufüllen.
Dass sich der Aufwand lohnt, zeigen Aufnahmen von Wildkameras. Neben Rehen nutzen unter anderem Füchse, Rotkehlchen und zahlreiche weitere Vogelarten die Wasserstellen. Gerade Vögel seien in der niederschlagsarmen Region auf offene Wasserquellen angewiesen. Rheinhessen zählt zu den trockensten Landschaften Deutschlands, gleichzeitig gibt es vergleichsweise wenige Waldflächen, die Feuchtigkeit speichern.

Foto: Tom Bender
Für Bender endet die Arbeit längst nicht bei den Wildtränken. Den größten Teil seiner ehrenamtlichen Tätigkeit nehmen Maßnahmen zur Hege und zum Artenschutz ein: Wildäcker anlegen, Hecken pflegen, Hochsitze bauen, Wildbestände erfassen, Winterfütterungen organisieren oder Kindern in Kitas die heimische Tierwelt näherbringen.
Invasive Arten setzen heimische Tierarten unter Druck
Die intensive Hege hat laut Bender sichtbare Erfolge. Bestände von Feldhase, Fasan und Rebhuhn hätten sich stabilisiert, auch Pirol, Wiedehopf und sogar der Uhu würden wieder beobachtet. Gleichzeitig nähmen neue Herausforderungen zu. Invasive Arten wie Nutria, Nilgans und Waschbär setzten heimische Tierarten unter Druck. Hinzu kommen die Folgen des Klimawandels mit längeren Trockenperioden und einem Rückgang der Insekten, die vielen Vogelarten als Nahrungsgrundlage dienen.
Auch die Afrikanische Schweinepest beschäftigt die Revierpächter. Gemeinsam mit Landwirten und Kreisverwaltung wurden bereits Hunderte ehrenamtliche Arbeitsstunden erfolgreich investiert, um einer Ausbreitung der Tierseuche vorzubeugen.
Für Bender ist all das Teil eines gemeinsamen Ziels: einen möglichst artenreichen Lebensraum zu erhalten. Deshalb wirbt er auch um mehr Rücksicht in Feld und Flur. Spaziergänger seien Gäste im Lebensraum der Wildtiere – und könnten mit wenigen Verhaltensregeln, etwa angeleinten Hunden, einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz leisten.
Sabine Longerich


























