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Mit der Rikscha mitten ins Leben Sorgende Gemeinschaft erweitert den Bewegungsradius älterer Menschen

Die Fahrrad-Rikscha bringt Bewohnerinnen und Bewohner des Albertus-Stifts wieder mitten ins gesellschaftliche Leben. Die gemeinsamen Fahrten schaffen Begegnungen, wecken Erinnerungen und ermöglichen die Teilnahme am Leben in Gau-Algesheim. Foto: privat

GAU-ALGESHEIM – Wer auf einen Rollator oder einen Rollstuhl angewiesen ist, erreicht viele vertraute Orte nur noch schwer. Diese Erfahrung brachte Dr. Ulrich Maier-Harth von der Sorgenden Gemeinschaft Gau-Algesheim auf eine Idee. Bei seinen Spaziergängen rund um das Albertus-Stift suchte er nach einer Möglichkeit, den Bewegungsradius älterer Menschen zu erweitern. Der Fernsehbericht über ein Rad-Projekt brachte ihn auf die Idee mit der elektrisch unterstützten Fahrrad-Rikscha. Seit fünf Jahren gehört sie zum Angebot der Sorgenden Gemeinschaft, die ein lokales Netzwerk von und für die Bürger ist. Es verbindet Menschen mit Vereinen, Kirchen und sozialen Diensten.

Unterstützung von Kirche, Stadt Gau-Algesheim und Landkreis Mainz-Bingen

Die Anschaffung des Fahrzeugs gelang mit Unterstützung der Kirche, der Stadt Gau-Algesheim und des Landkreises Mainz-Bingen, erzählt der Ideengeber. Spenden sichern nach wie vor den laufenden Betrieb. „Rund 1.000 Euro werden  jährlich für die Versicherung, Wartung und Reparaturen benötigt.“

Von Ostern bis Oktober fährt die Rikscha, abhängig von der Witterung, jeden Mittwoch von 10.15 bis 12 Uhr mit den Bewohnerinnen und Bewohnern des Albertus-Stifts durch Gau-Algesheim und die Umgebung. Die etwa 45-minütigen Fahrten verbinden Natur und Innenstadt. Unterwegs entwickeln sich Gespräche mit Passanten. Manchmal werden so Erinnerungen wach. Zum Beispiel wenn die Fahrgäste früheren Bekannten begegnen. Eigene Wünsche fließen in die Streckenplanung ein. So führte eine Geburtstagsfahrt auf den Marktplatz, wo der Jubilar eine Pizza genießen wollte.

Fünf ehrenamtliche Pilotinnen und Piloten

Fünf ehrenamtliche Pilotinnen und Piloten engagieren sich derzeit für das Projekt. Vor dem ersten Einsatz absolvieren sie eine theoretische und praktische Einweisung. Danach erhalten sie ihren Pilotenschein. Drei Ehrenamtliche übernehmen regelmäßig die Fahrten am Mittwoch.

Das Projekt beschränkt sich längst nicht mehr auf das Albertus-Stift, sondern trägt zur Finanzierung bei Hochzeits-Einsätzen, runden Geburtstagen, Sommerfesten oder Ausflügen bei. Die Touren führen unter anderem nach Ockenheim oder Ingelheim. Für touristische Fahrten empfehlen die Anbieter zur Orientierung 15 Euro pro Person und Stunde als Spende, für eine Hochzeit etwa 90 Euro.

Präsentation der Rikscha am 13. September beim 50. Volksradfahren

In den Anekdoten, die Maier-Harth erzählt, spiegelt sich der Stellenwert wider. Eine 100-jährige Seniorin drehte gemeinsam mit ihrem Schwiegersohn eine Runde durch Gau-Algesheim. Die Begeisterung hält ein Kurzfilm fest. Eine Besucherin des Sommerfestes im städtischen Kindergarten soll von der Rikscha derart angetan sein, dass sie sie später für die Einschulungsfeier ihrer Tochter buchte. Ein Senior aus einem Ingelheimer Wohnheim nutzt das Angebot regelmäßig für Fahrten in die Natur, um dort Naturaufnahmen zu machen.

Mit dem Projekt kommt die Sorgende Gemeinschaft radelnd dem Ziel näher, die Menschen zusammenzubringen und Lebensqualität zu fördern. Wer das Projekt kennenlernen oder unterstützen möchte, bekommt dazu demnächst eine gute Gelegenheit: Beim 50. Volksradfahren am 13. September in Gau-Algesheim dürfte die Präsentation der Rikscha sicher zu den interessantesten Programmpunkten gehören.

Gregor Starosczyk-Gerlach